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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nutzt der Rat letzte Chance für Kauf?
Zwischenüberschrift:
Entscheidung zur Flatauer-Villa fällt heute in der Ratssitzung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Selten war es so voll bei einem Treffen des Bürgervereins Katharinenviertel im Café Herr von Butterkeks″. Kaum hundert Meter entfernt steht die alte Flatauer-Villa, und um genau sie ging es am vergangenen Freitagabend.

Rund 150 Menschen waren gekommen, um sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Selbst wenn die offizielle Frist für ein Kaufangebot am vergangenen Mittwoch verstrichen ist, haben viele nach wie vor Hoffnung, dass die Immobilie mit einem Ankauf durch die Stadt noch gerettet werden kann. Dieser mögliche Ankauf steht auf der Tagesordnung der öffentlichen Ratssitzung am heutigen Dienstag.

Der Bürgerverein Katharinenviertel hatte vorab alle Parteien des Osnabrücker Rates inklusive des Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert zu seinem Treffen eingeladen. Grüne, Linke und die SPD waren gekommen, Griesert ließ sich durch Stadtbaurat Frank Otte vertreten. Die anderen Parteien haben sich nicht einmal zurückgemeldet″, sagte Manfred Haubrock, Vorsitzender des Bürgervereins.

Haubrock hat nach eigenen Angaben mit dem zuständigen Makler der Sparkasse Melle, die mit dem Verkauf des Hauses beauftragt ist, gesprochen und um einen Aufschub der Frist gebeten. Die Sparkasse habe ihm zugesichert, mit der Erbin des Hauses zu sprechen. Wie es aktuell um den Verkauf steht, ist nicht bekannt. Ich kann aus Datenschutzgründen keinerlei Auskunft geben″, sagte der Makler auf Anfrage unserer Redaktion. Wir sollten uns von der Frist nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wenn wir im Rat entscheiden, dass wir mitbieten, dann wäre auch die Stadt wieder im Boot″, sagte Frank Henning (SPD). Stadtbaurat Frank Otte gab zu bedenken, dass sich das Hochbauamt die Immobilie angeschaut habe und der Sanierungsbedarf enorm sei.

Die SPD-Fraktion hatte sich dafür starkgemacht, dass das Thema noch einmal auf die Tagesordnung einer Ratssitzung kommt, nachdem der Ankauf in der nichtöffentlichen Sitzung am 12. März mit einer knappen Mehrheit abgelehnt wurde. Es war der Oberbürgermeister Wolfgang Griesert höchstpersönlich, der zusammen mit den Fraktionen der CDU, der FDP, dem BOB, der UWG und den Piraten mehrheitlich beschlossen hat, das Haus Herderstraße 22 nicht zu kaufen″, sagte Henning.

Unterstützung zum Kauf des Hauses sicherten auch Vertreter verschiedener Osnabrücker Vereine zu: Bernd Stegemann von der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft, Siegfried Hoffmann von der Vordemberge-Gildewart-Stiftung, Heiko Schlatermund von der Felix-Nussbaum-Gesellschaft und die Architekten vom Verein für Baukultur″, Stephan Zech und Professor Dirk Manzke. Nach der Wende wurden im Osten Millionen historische Gebäude saniert, und das soll an der Herderstraße nicht funktionieren? Das kann ich mir nicht vorstellen″, sagte Manzke.

Die Vereinsmitglieder und weitere Bürger wollen sich heute gegen 16.30 Uhr vor dem Osnabrücker Rathaus treffen und mit Plakaten ein Zeichen für den Ankauf der Flatauer-Villa setzen.

Kommentar
Steinerner Zeitzeuge

Es steht ein Haus in Osnabrück, das erzählt eine Geschichte von Moderne, Vertreibung, Mord, Moral und Verwahrlosung. So begann der erste Artikel unserer Zeitung, der sich mit dem Haus in der Herderstraße 22 beschäftigte.

Das nächste Kapitel dieser Geschichte haben nun die Fraktionen des Rates in der Hand. Wenn sie tatsächlich so geschichtsbewusst sind, wie sie sich alle gerne auf die Fahnen schreiben, dann entscheiden sich an diesem Dienstag auch CDU, FDP, BOB, UWG und Piraten für die Moral und für das Haus. Unterstützung hätten sie genug: Bürgerliches Engagement ist massig vorhanden, Osnabrücker Vereine sind ebenfalls mit an Bord.

Denn das Haus ist ein steinerner Zeitzeuge. Hier allein mit finanziellen Bedenken zu kommen ist fehl am Platz. Natürlich kostet eine alte Immobilie Geld. Aber was für ein Zeichen wäre es, wenn das Haus als Spekulationsobjekt wie einst die Nussbaum-Villa in die Annalen der Stadtgeschichte eingeht? Zweimal der gleiche Fehler? Wie peinlich und wie beschämend. So darf es nicht laufen in einer Stadt, die mit dem Label Friedensstadt″ für sich wirbt. Was damals geschah, ist nicht Schuld der aktuellen Politiker. Doch es ist die Pflicht der Politik, dass man sich der eigenen Vergangenheit stellt. c.berghahn@ noz.de
Autor:
Corinna Berghahn


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