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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie der Nahverkehr besser werden soll
 
Baier macht den Nahverkehrstest
Zwischenüberschrift:
Landratskandidat will fünf Millionen Euro für ein attraktiveres Busangebot investieren
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der von SPD, UWG und Linke unterstützte Landratskandidat Horst Baier hat bei einer Fahrt mit Bus und Bahn aus Eggermühlen im Nordkreis zum Kreishaus nach Osnabrück die Schwächen des Nahverkehrs offengelegt und erklärt, welche Lösungen er anbietet.

Osnabrück Bei einer anderthalbstündigen Fahrt mit Bus und Bahn aus Eggermühlen im Nordkreis zum Kreishaus nach Osnabrück zeigt der von SPD, UWG und Linker unterstützte Landratskandidat Horst Baier die Schwächen des Nahverkehrs auf und erläutert, wie er als Landrat das Bus- und Bahnangebot attraktiver machen will.

An der Dorfkirche der idyllischen 2000-Seelen-Gemeinde Eggermühlen steigt der Bersenbrücker Samtgemeindebürgermeister Horst Baier (SPD) in einen Kleinbus und löst ein Ticket. Sein Versuch, ein direktes Ticket bis zum Ziel am Kreishaus zu bekommen, scheitert. Er bezahlt 12, 30 Euro für die beiden Fahrscheine für den Bus zum Bersenbrücker Bahnhof und die Nordwestbahn nach Osnabrück. Ich kann nur bis zum Osnabrücker Hauptbahnhof lösen und muss dann ein neues Ticket bis zum Kreishaus kaufen″, beschreibt er das erste Hindernis auf der rund 50 Kilometer langen Fahrt mit dem Nahverkehr zum Verwaltungssitz des Landkreises.

Warum startet Baier den Nahverkehrstest in Eggermühlen? Die Fahrt startet in Eggermühlen, weil es die nördlichste Gemeinde in der Samtgemeinde Bersenbrück ist. Baier will damit exemplarisch zeigen, dass es viele kleinere Gemeinden und Ortsteile wie Eggermühlen, Gehrde, Bippen, Icker oder Menslage gibt, die sehr schlecht durch Nahverkehr erschlossen sind und aus denen man aktuell sehr lange braucht, um mit Bus und Bahn in die Stadt Osnabrück zu kommen″.

Er hätte auch eine vergleichbar große Gemeinde im Nordkreis wie Gehrde als Startpunkt seiner Reise auswählen können, doch er erläutert: In Gehrde gibt es nur morgens und mittags in Schulzeiten einen Schulbus. Am späteren Nachmittag und am Wochenende gibt es gar keinen normalen Linienverkehr mehr.″ Es könne nicht sein, dass der Geldbeutel der Gemeinde darüber entscheidet, wer wie viel Nahverkehr im Landkreis hat. Das ist aktuell aber leider der Fall. Als Landrat würde ich mich dafür einsetzen, das zu ändern″, ärgert er sich auf der Busfahrt mit zwei weiteren Reisenden zum ersten Umstieg in der knapp 8000 Einwohner großen Nachbargemeinde Ankum.

In der neu geschaffenen Schnellbuslinie nach Bersenbrück beschreibt er den öffentlichen Nahverkehr nach Osnabrück als extrem wichtig: Die Bahnverbindung müsste eigentlich ertüchtigt werden und langfristig im Halbstundentakt fahren. Dann braucht man entsprechende Zubringer-Buslinien, die nicht überall halten.″

Zudem kämpft der Samtgemeindebürgermeister darum, dass Alfhausen an einen Bahnhof in Bramsche angeschlossen wird, und verweist darauf, dass die finanziellen Mittel aufgebracht wurden, um eine Busanbindung an den Niedersachsenpark zu realisieren. Auch das Angebot in den Abendstunden und an Wochenenden sei ausgedehnt worden. Der 56-Jährige erklärt: Es sind kleine Schritte, die man von Jahr zu Jahr anpacken muss, um den Nahverkehr insgesamt zu verbessern, denn es ist ein sehr kompliziertes System, das im Nordkreis eigentlich nur auf den Schülerverkehr ausgerichtet ist.″

Der Linienverkehr sei eine ganz andere finanzielle Dimension. Der Landkreis hat bislang immer gesagt, dass er nur den Schülerverkehr als Grundgerüst bezahlt. Alles, was darüber hinausgeht, müssen die Gemeinden bezahlen″, sagt Baier. Da gebe es reiche Gemeinden, die das können, und andere, die dazu finanziell nicht in der Lage sind. Ein kleines Dorf wie Gehrde etwa müsse 180 000 Euro im Jahr bezahlen, um einen richtigen, stündlich angebotenen Nahverkehr zu bekommen. Das ist für eine so kleine Gemeinde nicht bezahlbar″, kritisiert Baier, der als unabhängiger Landratskandidat antritt, und fordert: Der Landkreis müsste den Nahverkehr auch für die Gemeinden mitfinanzieren, die sich das finanziell nicht leisten können. Sonst bleibt es bei ungleichen Lebensverhältnissen im Landkreis beim Nahverkehr.″ Es brauche einen Nahverkehr-Fördertopf auf Ebene des Landkreises, um solche Gemeinden zu unterstützen, damit diese überhaupt erst einmal einen nennenswerten Anschluss an den Nahverkehr bekommen.

Wie sollen kleine Gemeinden bessere Busverbindungen bekommen? Momentan gibt der Landkreis rund 20 Millionen Euro für den Schülerverkehr aus. Zudem gibt es vom Land Niedersachsen noch einmal 700 000 Euro zur Verbesserung des Nahverkehrs″, rechnet Baier vor und betont: Wenn man da insgesamt noch einmal fünf Millionen Euro drauflegen würde, die anteilig von den Gemeinden und dem Landkreis finanziert werden, dann könnte man schon eine deutliche Verbesserung des Verkehrsangebotes erreichen, um alle Gemeinden zumindest im Stundentakt an Bahnhöfe oder Schnellbuslinien anzubinden.″ Gut eine Stunde nach der Abfahrt in Eggermühlen erreicht Baier mit der Nordwestbahn den Osnabrücker Hauptbahnhof, um von dort mit dem Bus weiter zum Kreishaus am Schölerberg zu fahren. Der Sozialdemokrat beklagt: Jetzt muss ich erst einmal wieder eine neue Fahrkarte kaufen.″ Mittlerweile ist es sein drittes Ticket.

Warum würde ein Verbundticket den Nahverkehr attraktiver machen? In der Buslinie 21 gen Kreishaus weist er darauf hin, dass in der Samtgemeinde Bersenbrück bereits neu eingeführt worden sei, dass man im Bus aus dem Nordkreis schon ein Ticket für den Zug kaufen kann. Auf der Rückfahrt vom Kreishaus wird sich später herausstellen, dass das in einem Osnabrücker Bus gen Bersenbrück nicht möglich ist. Weiterhin bestehe das Problem, dass es keine Ermäßigung gebe, sodass für den Hin- und Rückweg aus Eggermühlen zum Osnabrücker Kreishaus rund 30 Euro für die Bus- und Bahntickets anfallen. Er fordert: Der nächste Schritt muss zwingend ein Verbundticket sein, mit dem man einen Fahrschein für Bus und Bahn zu jedem Ort im Landkreis kaufen kann.″ Darüber hinaus sei auch schon einmal im Gespräch gewesen, dass der Landkreis ein entsprechendes Ticket für Bus und Bahn rabattiert. Diese sinnvolle Subventionierung für ein solches Angebot″ sei aber leider immer noch nicht umgesetzt worden.

Wie könnte ein attraktiverer Nahverkehr zur Lösung der Verkehrsprobleme in Osnabrück beitragen? Baier weist zudem darauf hin, dass täglich 50 000 bis 60 000 Einpendler aus dem Landkreis in die Stadt Osnabrück fahren. Diese würden auch zu den Verkehrsproblemen wie etwa langen Staus beitragen, weil aus dem Landkreis relativ wenig leistungsfähige Bus- und Bahnverbindungen existieren. Baier sieht eine Lösung darin, in Stadt und Landkreis mehr gemeinschaftlich zu denken: Ich habe den Eindruck, dass der Schwerpunkt der Anstrengungen für die Verbesserung des Nahverkehrs bei der Stadt liegt und der Landkreis weniger im Fokus ist. Das würde ich ändern.″ Die Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück müsse personell besser aufgestellt werden und unabhängiger von einzelnen Verkehrsanbietern arbeiten. Zudem müssten die kreisangehörigen Gemeinden mehr Mitspracherechte bekommen, um eigene Ideen einzubringen.

Als er nach knapp anderthalb Stunden, drei Fahrscheinen und drei Umstiegen endlich am Kreishaus angelangt, resümiert Baier: Ich würde mich als Landrat dafür einsetzen, dass dem öffentlichen Nahverkehr ein höherer Stellenwert zukommt.″ So werde das Leben im ländlichen Raum auch dauerhaft attraktiv bleiben.

Bildtext:
Landratskandidat Horst Baier will sich dafür einsetzen, schneller mit Bus und Bahn aus dem Landkreis nach Osnabrück zu kommen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Jean-Charles Fays


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