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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hunderte Karpfen sterben im Dümmer
Zwischenüberschrift:
Warum im vergangenen Jahr Tausende Fische in dem Binnensee stressbedingt gestorben sind
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück/ Lembruch Hunderte Karpfen sind im Dümmer gestorben. Das berichteten Angler unserer Redaktion. Laut dem Mitarbeiter der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer, Dr. Marcel Holy, war das Ausmaß im vergangenen Jahr noch größer, sodass von April bis Juni 2018 sogar 40 000 Kilo tote Karpfen aus dem Dümmer geholt worden seien.

Der Umweltwissenschaftler erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion die Hintergründe. Der Hasberger Manfred Brönstrup und sein befreundeter Hobby-Angler aus Hasbergen, Detlef Grüter, hatten Mittwoch an einer Brücke über der Hunte als Zulauf zum Dümmer 20 tote Karpfen an der Wasseroberfläche entdeckt. Darüber hinaus berichteten sie, dass ein Angler zwischen dem Olgahafen und Lembruch mehr als 100 tote Karpfen aus dem Dümmer geholt habe. In weiteren Buchten hätten sie Dutzende tote Karpfen gesichtet, ein Foto mit mehr als 20 verendeten Fischen, die zuvor aus Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee geborgen wurden, sendete der Hasberger Angler Detlef Grüter unserer Redaktion.

Der Umweltwissenschaftler der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer, Holy, zeigt sich von den Berichten nicht überrascht. Es handelt sich um eine stressbedingte Sterblichkeit.″ Vornehmlich gebe es zwei Stressfaktoren: die steigende Wassertemperatur und die gerade begonnene Laichzeit. Die Männchen versuchen gerade möglichst viele Eier zu befruchten. Die Laichfische verbrauchen dabei viel Energie und geraten unter Stress. So viel Stress, dass viele das nicht überleben, weiß Holy. Im Frühjahr gibt es eine hohe Sterblichkeit. Die natürliche Sterblichkeit bei Karpfen kann in einem Jahr bis zu 30 Prozent der Population ausmachen. Mit der Wasserqualität hat das aber nichts zu tun″, gibt der Umweltwissenschaftler Entwarnung.

Bis zum Sommer mussten im vergangenen Jahr wegen dieser stressbedingten Sterblichkeit″ Tausende der Speisefische entsorgt werden. Teilweise mit Treckern hätten Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Damme und der Samtgemeinde Lemförde die Karpfen in Containern eingesammelt und entsorgt. Da die Population im vergangenen Jahr so stark geschrumpft ist, ist dieses Ausmaß in diesem Jahr aber nicht zu erwarten″, sagt Holy.

Der Sprecher des Anglerverbands Niedersachsen (AVN), Matthias Emmrich, fügt hinzu: Das stressigste in solchen Flachgewässern wie dem Dümmer sind die stark schwankenden Wassertemperaturen. Dabei gilt: Je wärmer das Wasser wird, desto stressiger wird es.″

Einige der im vergangenen Jahr verendeten Tiere seien wegen der ungewöhnlich hohen Zahl an toten Karpfen untersucht worden. Dabei konnten keine Virenerkrankungen festgestellt werden″, betont der Fischereibiologe.

Die Karpfen im Dümmer hatten sich in den Jahren 2012 und 2013 laut Emmrich stark vermehrt, als sie mit vielen Unterwasserpflanzen und wenig Konkurrenz um die Nahrung geradezu ideale Bedingungen vorfanden. Neben den schwankenden Wassertemperaturen sieht Emmrich auch einen weiteren Stressfaktor in bis zu 1000 Kormoranen, die im Winterhalbjahr auf ihrer Reise gen Süden halt am Dümmer gemacht haben und mit ihrem Fraßdruck große Schäden verursacht hätten. So seien die für die Kormorane eigentlich zu großen Karpfen oft angehackt″ und so auch im Winter unter Stress gesetzt worden.

Auch der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sieht in der aktuellen Wasserqualität des Dümmers, an dem am 5. Mai offiziell die Badesaison eröffnet wird, keine Ursache für das Karpfensterben. Auffällige Sauerstoff- oder pH-Werte aus dem Dümmer liegen uns derzeit nicht vor″, sagte NLWKN-Sprecher Achim Stolz auf Anfrage unserer Redaktion. Er erläutert, dass es sich bei den großen toten Fischen im Dümmer überwiegend um ältere große Karpfen und Brassen handelt, die eines natürlichen Todes im Winterhalbjahr gestorben sind. Die ansteigenden Wassertemperaturen führten dazu, dass diese Kadaver an die Wasseroberfläche auftreiben und so überwiegend windbedingt in den Uferbereichen anstranden. Stolz prognostiziert: Erwartungsgemäß wird das beginnende Laichgeschäft dazu führen, dass weitere Fische stressbedingt und infolge von Verletzungen nachfolgend absterben, was wiederum als natürlicher Vorgang zu verstehen ist, der im Frühsommer ein Ende finden wird.″

Bildtexte:
40000 Kilo tote Karpfen mussten im vergangenen Jahr aus Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee geholt werden.
Ein Foto von diesen verendeten Karpfen sendete der Hasberger Angler Detlef Grüter unserer Redaktion
Foto:
imago images/ flight-pictures
Autor:
Jean-Charles Fays


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