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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zu viele Pestizide und Nährstoffe
Zwischenüberschrift:
Landesbetrieb empfiehlt Landkreis Fünf-Meter-Schutzstreifen an Gewässern in Schutzgebieten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) empfiehlt dem Landkreis Osnabrück einen mindestens fünf Meter breiten Schutzstreifen an Gewässern wie der Else, um Einträge aus der Landwirtschaft zu verhindern. Obwohl in dem Gewässer laut NLWKN bereits zu viele Pestizide und Nährstoffe vorkommen, sieht der Landkreis einen nur einen Meter breiten Schutzstreifen im Meller Schutzgebiet Else und Obere Hase″ vor.

Der zweite Vorsitzende des Umweltforums Osnabrücker Land, Matthias Schreiber, hatte in einem Streitgespräch mit dem niedersächsischen Bauernpräsidenten Albert Schulte to Brinke (wir berichteten) gesagt: Nach den Daten der Wasserverwaltung des Landes haben wir zu hohe Belastungen sowohl mit Pestiziden als auch mit Nährstoffeinträgen in der Else. Das zeigt doch, dass das Fachrecht eben nicht ausreicht, um das Gewässer zu schützen, sonst würde es diese Belastungen doch nicht geben.″ Daraufhin hatte Schulte to Brinke geantwortet: Ich habe keine Kenntnisse darüber, dass man Pflanzenschutzmittel in der Else gefunden hat. Das müssten wir uns noch einmal genauer angucken.″

Nachdem Schreiber dem Vorsitzenden des Bauernverbands Landvolk Niedersachsen daraufhin die Daten geschickt hatte, schrieb Schulte to Brinke unserer Redaktion: Die von Herrn Schreiber übersandten Datenblätter belegen eindeutig, dass nicht Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft ursächlich für den schlechten chemischen Zustand der Else sind. Verursacher ist Quecksilber, das man in allen Gewässern findet.″ Es stamme etwa aus den Abgasen der Kohlekraftwerke, wenn Biomasse oder fossile Brennstoffe verbrannt werden. Schulte to Brinke zeigte sich überzeugt: Ohne die Quecksilberbelastung wäre die Else grün.″Unbefriedigender Zustand

Der Sprecher des Landesbetriebs NLWKN, Achim Stolz, machte deutlich, dass die in der Else festgestellten Belastungen mit dem Pestizid Monolinuron und den zu hohen Nährstoffbelastungen nicht für den schlechten chemischen Zustand des Gewässers verantwortlich seien, sondern für den unbefriedigenden″ ökologischen Zustand, was etwa die Fische und die Wasserpflanzen anbelange. Das Pestizid Monolinuron sei an zwei Messstellen der Else vorgefunden worden. Der Stoff werde in der Landwirtschaft, aber auch in der Algenbekämpfung in Aquarien und Teichen verwandt. Die Herkunft des Stoffes sei noch nicht geklärt worden.

Bei den überschrittenen Nährstoffbelastungen kann laut Stolz kein eindeutiger Verursacher ausgemacht werden. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass diese zu einem großen Teil aus der Landwirtschaft stammen″. Stolz betont: Maßnahmen zur Reduzierung der direkten Einträge aus der Landwirtschaft sind erforderlich, um etwaige Einschwemmungen in die Gewässer zu verhindern.″

Der gesetzlich vorgeschriebene Ein-Meter-Gewässerrandstreifen könne bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung durchaus ausreichend sein. Der Sprecher des Landesbetriebs für Naturschutz fügt jedoch hinzu, dass ein Gewässerrandstreifen von mindestens fünf Metern wünschenswert sei, um hier eine höhere Sicherheit zu erhalten″. Schließlich spiegele der jetzige unbefriedigende ökologische Zustand auch die Einflüsse aus der Landwirtschaft wider. Die jetzt vorhandenen Verhältnisse seien nicht ausreichend. Der Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erklärt: Es sind Maßnahmen zu initiieren, die die jetzige Situation erheblich verbessern. Hierzu zählt sicherlich auch ein ausreichend breiter Gewässerrandstreifen.″

Zuvor hatte bereits das Bundesumweltministerium den Beschluss des Kreistags für einen nur einen Meter breiten Schutzstreifen an dem Gewässer im Schutzgebiet kritisiert. Eine Ministeriumssprecherin bezeichnete es als fraglich″, ob ein Gewässerrandstreifen von einem Meter dem Schutzanspruch in einem FFH-Gebiet gerecht werden kann.

Die Landkreis-CDU und Landrat Michael Lübbersmann (CDU) hingegen zeigen sich überzeugt, dass ein Schutzstreifen von nur einem Meter, der für das Düngen und das Spritzen von Pestiziden auf Äckern in Landschafts- und Naturschutzgebieten gelten soll, ausreicht. Die Kreis-CDU hatte angekündigt, dass der Ein-Meter-Randstreifen nicht nur in dem Meller FFH-Gebiet, sondern auch in den Schutzgebietsverordnungen für FFH-Gebiete festgelegt werden soll, die in den kommenden Monaten noch erlassen werden. Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises hatte in einem Verwaltungsentwurf zunächst noch von einem Fünf-Meter-Schutzstreifen im Landschaftsschutzgebiet Else und Obere Hase″ gesprochen.

Der agrarpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Spiering, verweist darauf, dass der Landkreis wenigstens mehr Messstellen bekommt, um die Quellen der chemischen Mittel zur Unkrautvernichtung besser zuordnen zu können. Geplant ist, dass Proben auf dem verbleibenden Ein-Meter-Randstreifen genommen werden, um Rückschlüsse zu ziehen, ob die Vorgaben auch wirklich eingehalten werden. Für die entsprechenden Probenanalysen stehen dem Landkreis in diesem Jahr Mittel in Höhe von 20 000 Euro zur Verfügung.

Bildtext:
In der Else gibt es nach Angaben des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz zu viele Pestizide und Nährstoffe. Landwirte bringen Pestizide aus, um Schädlinge zu bekämpfen.
Foto:
imago images/ Martin Wagner
Autor:
Jean-Charles Fays


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