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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Aus Sandkühler wird ELSI
Zwischenüberschrift:
Vor zehn Jahren nahm das Uni-Institut die Arbeit auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wo einst schwere Eichenmöbel auf Kundschaft warteten, steht heute andere gewichtige Ware in Reih und Glied: an die 100 000 Bände in der Bibliothek des Instituts für Europäische Rechtswissenschaft. Vor zehn Jahren, am 23. April 2009, weihte Ministerpräsident Christian Wulff das Institut feierlich ein.

Der europaweit eingeführte Kurzname des Instituts ist ELSI (European Legal Studies Institute). Die von den Juraprofessoren Christian von Bar und Jens-Peter Schneider gegründete Einrichtung gehört zur Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Osnabrück. 60 Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter befassen sich mit Vergleichen der europäischen Rechtssysteme und arbeiten am großen Zukunftsprojekt eines harmonisierten Europäischen Zivilgesetzbuchs.Europaweites Netzwerk

1981 begann Christian von Bar als Ein-Mann-Unternehmung mit einer 300 Bände umfassenden Fachbibliothek″ die Arbeit an seinem Lebensthema. Es gelang ihm, ein Netzwerk mit ähnlich motivierten Rechtswissenschaftlern aus anderen europäischen Ländern aufzubauen und den Sitz der Steuerungsgruppe nach Osnabrück zu holen. Rechtsangleichung und Rechtsvereinheitlichung im Privatrecht wie auch auf Gebieten des öffentlichen Rechts innerhalb der wachsenden Europäischen Union wurden zum Top-Thema auf allen politischen Ebenen. Zur internationalen wissenschaftlichen Anerkennung kam der politische Rückenwind. Aus der alten Villa am Heger-Tor-Wall, wo ELSI zuvor residierte, konnte zum großen Sprung in das neue Institutsgebäude an der Süsterstraße 28 ausgeholt werden. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) überbrachte 2005 die Finanzierungszusage über 7, 5 Millionen Euro, die Land und Bund sich teilten.

Als Standort in kurzer Entfernung zu anderen Einrichtungen der juristischen Fakultät in der Innenstadt war das ehemalige Möbelkaufhaus Sandkühler an der Süsterstraße/ Ecke Kommenderiestraße auserkoren worden. Es stand seit Ende 1998 leer. Eine mögliche Weiternutzung als Künstlerhaus″ mit Ateliers und Ausstellungsflächen für regionale Künstler, Gastronomie und Kino war 2001 von der Galeristin Anette Röhr angeregt worden, aber mangels eines finanziellen Traggerüsts nicht zustande gekommen, nachdem die Stadt nicht mehr als eine ideelle Unterstützung zusagen konnte.

2005 erwarb das Land Niedersachsen über den Landesliegenschaftsfonds die Immobilie. In eineinhalbjähriger Bauzeit gestalteten die Bauhandwerker das Möbelhaus nach einem Entwurf der Architekten KSP Engel und Zimmermann aus Braunschweig zu einem modernen Instituts- und Bibliothekskomplex um. Außenwände, Decken und tragende Säulen blieben stehen, der entkernte Bau wurde sodann fast wie bei einem Neubau″ energetisch aufgerüstet. Unterschiedliche Entstehungsphasen zeichneten sich in dem Sandkühler-Bau in nicht niveaugleichen Geschossübergängen ab. Die Planer machten aus der Not eine Tugend, setzten einen Lichthof über alle Geschosse zwischen die Bauteile und verbanden sie über drei sogenannte Galeriebrücken. Der neue Fahrstuhl hält auf jeder Etage gleich zweimal, je nachdem, ob der Besucher rechts oder links aussteigen will. Der Lichthof trennt den östlichen Bibliotheksteil vom westlichen Teil, der drei Hörsäle, einen Seminar- und Multimediaraum sowie die Institutsbüros beherbergt. Blickfänger in der Bibliotheksfassade sind die dunkelroten Ausbuchtungen. Ihnen kommt nicht nur eine dekorative Funktion zu, sondern sie bieten mit integrierten Anlesetischen″ bei seitlichem Lichteinfall unkonventionelle Arbeitsstehplätze.

Der Geschäftsführer des Traditionsmöbelhauses Franz Sandkühler musste im Juli 1998 den Gang zum Insolvenzrichter antreten, nachdem ein Vergleichsverfahren gescheitert war. Er machte zu großzügige Betriebsrenten, die in besseren Zeiten als freiwillige soziale Leistungen zugesagt worden waren, für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich. 39 aktuelle Mitarbeiter hätten die Renten für 63 Ruheständler erwirtschaften müssen, das sei nicht mehr aufzufangen gewesen. Andere Stimmen sprachen von einem stehengebliebenen″ Sortiment, das eher den konservativen Geschmack angesprochen hätte, und von Standortnachteilen im Wettbewerb mit SB-Möbelhäusern und ihren großen Parkplätzen auf der grünen Wiese im Umland.Fokus auf Innenstadt

Nachteile der Innenstadtlage hatte Sandkühler 1974 durch den Bau eines Zentrallagers mit Ausstellungsflächen in Georgsmarienhütte-Harderberg auszugleichen versucht, setzte in erster Linie aber auf das seit 1901 bestehende Stammhaus in der Süsterstraße. Noch 1983 hatte man die Ausstellungsfläche auf 8000 Quadratmeter hinter 25 großen Schaufenstern erweitert und die neuen Abteilungen Küchenstudio″, Orientschau″ und Junges Wohnen″ eröffnet, um als Kompletteinrichtungshaus″ bestehen zu können. Man investiere bewusst in das Stammhaus und nicht auf der grünen Wiese, damit die Innenstadt ihre Anziehungskraft als Einkaufszone″ behalte. Sandkühlers Kräfte reichten offensichtlich nicht aus, diese Wunschvorstellung gegen den Branchentrend durchzusetzen.

Nichts zu tun mit den Sandkühlers an der Süsterstraße hat übrigens das frühere Möbel- und Stilhaus″ Karl Sandkühler an der Johannisstraße 80/ 81. Ein Ahnenforscher aus der Familie meines verstorbenen Mannes hat die Familiengeschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt und keine Verbindung zu der anderen Linie festgestellt″, sagt Irmgard Sandkühler. 2002 gaben ihr Mann und sie den Möbelhandel in geordneter Weise auf. Heute ist dort an das Möbelgeschäft Wurm vermietet.

Bildtexte:
Das Möbelkaufhaus Sandkühler nach der Insolvenzeröffnung im Jahr 1998.
Vor zehn Jahren wurde hier ELSI, das Institut für Europäische Rechtswissenschaft, eingerichtet.
Das Eckhaus Sandkühler war nach Kriegsende ein Trümmerhaufen.
Fotos:
Archiv/ Michael Hehmann, Joachim Dierks, Liesel Städing, Archiv Manfred Külker
Autor:
Joachim Dierks


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