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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine Rose für Röschen Wertheim
Zwischenüberschrift:
Entrechtet, enteignet, ermordet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Dem Hass auf die Juden folgte mehr und mehr die Gewalt. Röschen Wertheim musste erdulden, wie die Nationalsozialisten ihr das Geschäft nahmen, die Wohnung, die Heimat und schließlich das Leben. Sie wurde nach Riga ins Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Jetzt erinnert ein Stolperstein an die Osnabrückerin vor ihrem ehemaligen Haus an der Martinistraße 28.

Nur wenige Spuren geben Hinweise auf das Leben von Röschen Wertheim. Sie wurde 1871 in Ostfriesland unter ihrem Mädchennamen Stein geboren. Viele Jahre später: Als ihr Mann Simon 1925 in Münster gestorben war, übernahm sie mit ihrem Sohn Alfred und ihrem Bruder Gustav Stein das Kaufhaus S. Wertheim″ an der Großen Straße 80/ 81 in Osnabrück.
Röschen Wertheim hatte einen weiteren Sohn: Paul ließ sich 1933 und 1934 im französischen Metz zum Landwirt ausbilden, zog 1935 ins niederländische Heurenberg und emigrierte später nach Palästina alles Indizien dafür, dass er zumindest ahnte, in welcher Gefahr sich die Juden in Deutschland befanden.
Bereits 1920 hatte die NSDAP die Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben gefordert. Und schon zur Zeit der Weimarer Republik kam es zu Gewalttaten der SA gegenüber Juden. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, hatte deren Propaganda bereits gewirkt. Die Gewalt gegenüber Juden nahm zu. Flankiert von neuen Gesetzen, wurden ihnen die Bürgerrechte entzogen und das Eigentum weggenommen.
Im November 1935 verlor Röschen Wertheim ihre wirtschaftliche Existenz. Die Nationalsozialisten nahmen ihr das Kaufhaus und bezeichneten die Enteignung als Arisierung″. Im Dezember 1938 wurde sie auch noch aus ihrem Haus an der Martinistraße 28 vertrieben und damit erneut enteignet. Die Jüdin zog in dieser Not zu ihrer Tochter Edith Herzfeld nach Hamburg. Doch auch dort ließ das Schreckensregime sie nicht in Ruhe. Das Wort Entjudung″ machte die Runde. Im Dezember 1941 verschleppten die Nazis sie nach Riga, um sie zu ermorden. Der Rassenwahn war im Schatten des Zweiten Weltkrieges eskaliert. Wann Röschen Wertheim ums Leben kam, ist nicht bekannt, möglicherweise an den Tagen um ihren 64. Geburtstag.
Die Paten des Stolpersteins für Röschen Wertheim sind Helma und Hartmut Beyer. Zur Verlegung an der Martinistraße 28 hatten sie eine kleine Rose aus ihrem Garten mitgebracht und legten dieses Röschen auf die kleine Messingtafel.

Bildtext:
Verlorene Heimat: Die Nationalsozialisten nahmen Röschen Wertheim die Wohnung an der Martinistraße 28, verschleppten sie nach Riga und ermordeten sie.
Fotos:
Klaus Lindemann

Stolpersteine Gedenken an NS-Opfer

Die Messingtafeln in den Gehwegen heißen Stolpersteine. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohnoder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich inzwischen rund 600 Kommunen angeschlossen haben: Außer in Deutschland gibt es weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Röschen Wertheim hat Gunter Demnig jetzt während einer Zeremonie in den Bürgersteig an der Martinistraße 28 eingesetzt. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NSOpfern entgegen. Kontakt unter der Telefonnummer 05 41/ 3 23 22 87
Autor:
Jann Weber


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