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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eine Verwaltung im Dienst des Rassenwahn
Zwischenüberschrift:
Stolperstein in der Martinistraße – Luise Brammer musste sterben, weil es das Regime entschieden hatt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ihr Tod wurde am Schreibtisch des Verwaltungsgebäudes am Tiergarten 4 in Berlin beschlossen. Luise Brammer musste sterben, weil sie eine Zeit lang in der Provinzial-Heil- und - Pflegeanstalt am Gertrudenberg in Osnabrück gelebt hatte. Damit fiel sie durch das Raster der nationalsozialistischen Ideologie. Ob sie tatsächlich psychisch krank war, ist nicht überliefert. Jetzt erinnert ein Stolperstein dort an die Ermordete, wo sie zuletzt gelebt hat: an der Martinistraße 43

Luise Brammer stammte aus Ibbenbüren und heiratete den Kraftfahrer Detlef Brammer, der von Kiel nach Osnabrück gezogen war. Weshalb Luise Brammer 1932 im Alter von 50 Jahren in die Provinzial-Heil- und - Pflegeanstalt am Gertrudenberg aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. Ihr Mann wohnte bis zum Krieg in der gemeinsamen Wohnung an der Martinistraße. Später verliert sich seine Spur.
Es fanden sich weder Zeitzeugen noch Dokumente, die darüber Auskunft geben konnten, wie es Luise Brammer in der Anstalt erging. Doch während sie dort lebte, braute sich Unheil zusammen. Die Nationalsozialisten hatten mit ihrer Willkürherrschaft begonnen. Zu ihrer Ideologie gehörte es, Menschenleben in wert″ und unwert″ einzuteilen. Adolf Hitler ließ sechs Tötungsanstalten für Patienten bauen, er erteilte eine Tötungsermächtigung″ und initiierte die T4-Aktion benannt nach der Adresse Tiergarten 4 in Berlin. Dort organisierte die Verwaltung die Ermordung von Anstaltspatienten. Staatsbedienstete erfassten die Namen, Ärzte entschieden nach Aktenlage. So setzten die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen von Rassenhygiene″ um und bezeichneten den Massenmord als Euthanasie Sterbehilfe.
Am 24. April 1941 mussten Luise Brammer und weitere Patienten in einen Bus steigen. Die Nationalsozialisten sprachen von Verlegung″ nach Eichberg, einer Zwischenstation auf dem Weg in die Tötungsanstalt im hessischen Hadamar. Dorthin wurden die Patienten aus Osnabrück im Juni 1941 verschleppt und in Gaskammern geführt, die als Duschräume getarnt waren. Die Nationalsozialisten erstickten sie mit Kohlenmonoxid und verbrannten die Leichen. Die Angehörigen erhielten Briefe, die als Todesursache verschiedene Krankheiten nannten. Auf Wunsch sandten sie Urnen nach Hause, doch die Asche darin war nicht die der Ermordeten.
Die Nationalsozialisten brachten etwa 200 000 Menschen um, die psychisch krank oder geistig behindert waren. Luise Brammer war 59 Jahre alt, als sie sterben musste. Das Mordmotiv lautete Rassenwahn.

Bildtext:

Stolperstein: An der Martinistraße 43 lebte Luise Brammer mit ihrem Mann, bevor sie zum Gertrudenberg ging und später ermordet wurde.
Fotos:
Klaus Lindeman

Stolperstein

Der Erfinder ist ein Künstler aus Köln: Gunter Demnig. Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Demnigs Projekt haben sich inzwischen rund 600 Kommunen angeschlossen: außer in Deutschland in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und der Ukraine. Pate des Stolpersteins für Luise Brammer an der Martinistraße 43 ist Heiko Mitlewski. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur Hinweise von Zeitzeugen entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 3 23-22 87.
Autor:
Jann Weber


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