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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Resistente Erreger im Klinik-Abwasser
 
Klinik-Abwasser voller resistenter Keime
Zwischenüberschrift:
Land weist viele hartnäckige Erreger und Antibiotika-Rückstände in Osnabrücker Kanalisation nach
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Das Land Niedersachsen hat untersucht, wie viele multiresistente Bakterien und Antibiotika-Rückstände im Abwasser vorkommen. Eine Stichprobe aus der Kanalisation unterhalb einer Osnabrücker Klinik ragt negativ heraus.

Osnabrück Das Land Niedersachsen hat stichprobenartig das Vorkommen von multiresistenten Bakterien und Antibiotika-Rückständen im Abwasser untersucht. Bei keiner Messstelle wurden so viele Nachweise erbracht wie in der Kanalisation unterhalb eines Osnabrücker Krankenhauses. Die Stadtwerke richten einen Appell an alle Bürger.

Anfang 2018 hatten Medienberichte über antibiotikaresistente Keime in niedersächsischen Flüssen und Badeseen Bürger wie Behörden gleichermaßen aufgeschreckt. Im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) wurden damals Wasser- und Sedimentproben von zwölf verschiedenen Orten im Labor getestet, darunter welche aus Osnabrück. In allen Proben waren Bakterien nachweisbar, die unempfindlich sind gegen viele Antibiotika sind. Das bedeutet, eine Infektion mit ihnen ist schwieriger zu behandeln und ihre Ausbreitung kaum einzudämmen.112 Proben an 80 Orten

Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und das Universitätsklinikum Bonn haben daraufhin im Sommer 2018 eigene Messungen zum Vorkommen von antibiotikaresistenten Erregern und Antibiotika-Rückständen in heimischen Kläranlagen und Oberflächengewässern angestellt. In Hannover legten die beiden Einrichtungen jetzt ihren 170-seitigen Abschlussbericht vor. Die vom Umweltministerium veranlasste Untersuchung ergibt danach keine Hinweise auf eine akute Gesundheitsgefahr für die Allgemeinbevölkerung vorausgesetzt, die üblichen Hygieneregeln zum Schutz vor Krankheiten werden eingehalten. Inwieweit mittel- bis langfristig Risiken für die Umwelt und Gesundheit bestehen, bedürfe der weiteren Abklärung, heißt es. Aus Osnabrücker Sicht brachten die amtlichen Analysen ein unerfreuliches Ergebnis: An keiner anderen Messstelle im Land wurden so viele hartnäckige Bakterien und Antibiotika-Rückstände nachgewiesen wie in der Kanalisation unterhalb eines örtlichen Krankenhauses. Allerdings war es auch die einzige Messstelle dieser Art im gesamten Sondermessprogramm.

Zwei weitere Stichproben aus Osnabrück, die unterhalb der Kläranlage Eversburg im Fließgewässer und im Sediment der Hase genommen wurden, lieferten dagegen vergleichsweise unauffällige Resultate.

Landesweit wurden den Angaben zufolge 80 Standorte untersucht darunter fast alle, die damals auch der NDR analysieren ließ. Insgesamt wurden im amtlichen Sondermessprogramm 112 Proben gezogen. In keiner davon wurde das Methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus, auch bekannt als Krankenhaus-Keim MRSA, nachgewiesen. Dies sei dadurch erklärbar, dass Staphylococcus aureus kein primär Wasser-assoziierter Keim ist″.

Bakterien mit Resistenzen gegen drei Antibiotika-Klassen (3MRGN) kamen in 50 Proben vor, solche mit Resistenzen gegen vier Antibiotika-Klassen (4MRGN) in zwei Proben.

Die häufigsten Fundorte von 3MRGN und Antibiotika-Rückständen waren laut Abschlussbericht in der Abwasserkanalisation sowie in den Zu- und Abläufen von Kläranlagen wobei die Konzentration und Diversität vor der Abwasserreinigung im Allgemeinen höher ist als danach. Eine vollständige Entfernung der multiresistenten Erreger und Antibiotika-Rückstände in den Kläranlagen findet mithin nicht statt.

Umweltminister Olaf Lies (SPD) stellte fest: Unsere Umwelt ist ein Spiegelbild des Antibiotika-Einsatzes in der Human- und Veterinärmedizin. Deshalb ist ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika erforderlich.″

Auch die Stadtwerke Osnabrück als örtlicher Wasserversorger fordern eine Verhaltensveränderung, um das Problem in den Griff zu bekommen. Wir alle Landwirtschaft, Pharma- und Produkthersteller sowie Verbraucher wirken nicht nur durch die Einnahme von Medikamenten, sondern auch durch den Einsatz und die Verwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie Nanopartikeln in Wasch-, Reinigungs- und Pflegeprodukten unmittelbar auf den Wasserkreislauf ein″, sagte Sprecher Marco Hörmeyer auf Anfrage unserer Redaktion. Die Ergebnisse im vorliegenden Abschlussbericht zeigten einmal mehr, dass Wasserschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Damit Keime im Abwasser möglichst frühzeitig reduziert werden, muss das Problembewusstsein bei den Verursachern geschärft werden.″ Dabei gelte: Vorsorge ist besser und billiger als Nachsorge.

Eine Problemlösung könne nicht einseitig von der Wasserwirtschaft erwartet werden, so Hörmeyer weiter. Einträge müssten bereits an ihrer Quelle vermieden beziehungsweise reduziert, gleichzeitig die Verbraucher besser über die Umweltauswirkungen informiert und sensibilisiert werden. Hier sind wir alle gefordert.″Kein Allheilmittel

Eine weitere technische Aufrüstung von Kläranlagen, oftmals unter dem Begriff vierte Reinigungsstufe″ zusammengefasst, ist nach Ansicht der Stadtwerke Osnabrück kein Allheilmittel. Diese sogenannte End-of-the-pipe-Technologie also eine am Ende der Röhre″, sprich des gesamten Prozesses, vorgenommene Maßnahme zur Verringerung von Umweltbelastungen beinhalte unterschiedliche Verfahren zur Elimination von Spurenstoffen wie die Ozonierung, das Membran-Trennverfahren oder die Adsorption (Aktivkohle). Diese Verfahren können den Angaben zufolge zwar Mikroschadstoffe reduzieren, aber nicht vollständig entfernen. Zudem seien die Verfahren noch nicht gründlich wissenschaftlich untersucht. So gebe es zum Beispiel bei der Ozonbehandlung das Risiko der Bildung anderer schädlicher Substanzen. Außerdem″, ergänzt Hörmeyer, sind die Kosten hierfür beträchtlich und würden über die Abwassergebühren auf die Allgemeinheit umgelegt.″

Bildtext:
Eine Petrischale mit antibiotikaresistenten Keimen, aufgenommen im Universitätsklinikum Regensburg.
Foto:
dpa/ Armin Weigel

Krankenhaus-Keim MRSA

Multiresistente Erreger sind nicht gefährlicher als nicht resistente, aber hartnäckiger″, sagt Gerhard Bojara vom Gesundheitsdienst für den Landkreis und die Stadt Osnabrück. Da einige Antibiotika gegen sie nicht wirken , seien sie schwerer behandelbar und ihre Ausbreitung nur schwer einzudämmen. Den Staphylococcus aureus etwa trage laut Bojara jeder Dritte auf der Haut. Hingegen sei der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus , auch bekannt als Krankenhaus-Keim MRSA, in der Allgemeinbevölkerung bei unter einem Prozent nachweisbar. Einen gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem beeinträchtige dieser zunächst überhaupt nicht, deshalb wird die Übertragung eines MRSA auch nicht bemerkt. Gefährlich werde es, wenn vorerkrankte Menschen, Ältere oder Neugeborene kontaminiert werden, denn dann könne es zu einer Infektion kommen. Bei Krebspatienten, die sich gerade in der Chemotherapie befinden, könnte eine Infektion mit MRSA katastrophal enden″, erklärt Amtsarzt Bojara.

Kommentar
Selbst schuld

Eine akute Gesundheitsgefahr durch antibiotikaresistente Bakterien im Gewässer besteht für uns nicht so weit die gute Nachricht. Die schlechte: Durch unser eigenes Verhalten tragen wir als Verbraucher oft dazu bei, dass die hartnäckigen Erreger überhaupt entstehen und sich nahezu ungehindert ausbreiten können.

Multiresistente Keime entstehen sowohl durch den häufig übermäßigen Einsatz als auch den Missbrauch von Antibiotika, zum Beispiel in der Tiermast, aber eben auch zu Hause. Die Bakterien können im Wasser, in der Luft oder auf Oberflächen sein und schon bei einem Handschlag übertragen werden. Was hilft, ist deshalb ein gewisses Maß an Sauberkeit und Körperhygiene. Darüber hinaus gehören Medikamenten-Reste in den Restmüll und nicht in die Toilette oder das Waschbecken.

Auch beim täglichen Einkauf können wir dazu beitragen, das Problem der multiresistenten Erreger besser in den Griff zu bekommen. Wer zum Beispiel Billigfleisch im Discounter kauft, sollte sich klarmachen, dass dieses nur in Massentierhaltung produziert werden kann wo Antibiotika ungleich häufiger eingesetzt werden müssen.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker, fteb


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