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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
110 000 Euro für Holzdeck-Reparatur
 
110 000-Euro-Reparatur oder Abriss?
Zwischenüberschrift:
Zukunft der maroden Holzdecks am Rosenplatz offen / Griesert warnt vor Zusatzkosten
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Seit Jahren sind die Holzpodeste am Rosenplatz abgängig. Die Stadt will für 110 000 Euro das marode Holz durch Kunststoff ersetzen doch einige Ratsfraktionen sind für einen Abbau. Oberbürgermeister Griesert warnt, dass der noch teurer werden könnte.

110000 Euro soll die Erneuerung der seit Jahren maroden Holzdecks am Rosenplatz kosten. Das ist Nonsens″, wetterte jetzt FDP-Fraktionssprecher Thomas Thiele im Finanzausschuss. Wir sollten den ganzen Scheiß dort abreißen, Schluss, aus, fertig.″ Aber möglicherweise käme die Stadt ein solcher Abriss sogar noch teurer.

Osnabrück Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) erinnerte nämlich daran, dass die Neugestaltung des gesamten Rosenplatzes mit Fördermitteln finanziert wurde auch die verrottenden Holzpodeste. Ich vermute: Wenn wir die einfach zurückbauen, werden wir Fördermittel zurückzahlen müssen.″ Und nicht nur das: Dann lägen wohl auch noch Versorgungsleitungen frei, die momentan von den Holzdecks abgedeckt seien. Unterm Strich ist die Verwaltungsvorlage das günstigere Übel″, argumentierte Griesert. Besagte Vorlage sieht vor, die maroden Beläge für 110 000 Euro zu erneuern, indem der Holzbelag durch Kunststoff ersetzt wird.

2011 wurde der Rosenplatz im Zuge des Förderprogramms Soziale Stadt″ umgebaut, und zwar nach den Plänen eines Architektenteams, das einen von der Stadt ausgelobten Gestaltungswettbewerb gewonnen hatte. Die Podeste aus Stahlrahmen mit sogenanntem Thermoholz sollten zur Belebung des Platzes beitragen. Als Sonnendeck, Bühne oder Café-Terrasse könnten die hölzernen Inseln genutzt werden, hieß es damals. Das sogenannte Thermoholz soll laut Hersteller eigentlich nahezu genauso witterungs- und schädlingsbeständig wie Tropenholz sein.

Im Sommer 2012 war der Platz fertig, schon kurz darauf zeigten sich erste Schäden, vor allem im Rampenbereich splitterte das Holz oder brach ab. Im Rahmen der Gewährleistung ließ die Stadt Teile der Decks mehrmals erneuern, aber 2016 waren sie so kaputt, dass die Verwaltung sie zunächst für mehrere Monate einzäunen ließ und unter anderem Skateboardfahrer für die Schäden verantwortlich machte.

2017 ließ die Stadt dann sämtliche Decks mit einem Restpostenmaterial aus thermisch behandeltem Holz ausbessern für rund 13 000 Euro. Auf den Kosten blieb Osnabrück sitzen, weil der Hersteller, den die Stadt eigentlich in Regress hatte nehmen wollen, zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet hatte.

Dann kam der heiße Sommer 2018 und gab den Podesten endgültig den Rest. So schreibt die Verwaltung: Das Thermoholz zersplittert und zerkrümelt regelrecht.″ Nun stehen auf einem Podest ein paar Baken, ein anderes ist von rot-weißen Sperrelementen umgeben.

Kunststoffrecyclingbohlen sollen es nun richten wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Doch beschließen muss den 110 000 Euro teuren Austausch der Rat. Und nicht nur Thomas Thiele von der FDP schüttelte im Finanzausschuss jetzt den Kopf und forderte einen Abriss der Podeste. Auch der scheidende Bürgermeister Burkhard Jasper (CDU) sprach sich dafür aus, die Decks abzubauen und anders zu gestalten, anstatt dort noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, während SPD-Fraktionschef Frank Henning einer weiteren Nutzung der Podeste, vor allem durch Skater, durchaus etwas abgewinnen konnte.

CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde kritisierte Grieserts Warnung, die Stadt müsse bei einen Abbau eventuell Fördermittel zurückzahlen, als sehr vage″. Das möchten wir genau wissen″, forderte er vom OB. Es kann die Stadt Osnabrück niemand zwingen, diese Beläge zu erneuern, auch kein Fördermittelgeber.″ Und dann wählte auch Brickwedde scharfe Worte: Für diesen Schiet wollen wir kein Geld ausgeben.″

Grünen-Fraktionschef Volker Bajus konnte sich indessen nicht den Kommentar verkneifen, dass die Planungen für die Rosenplatz-Neugestaltung seinerzeit unter Grieserts Regie gemacht wurden, der damals noch Stadtbaurat war.

Die Posse um die Holzdecks ist also noch lange nicht beendet. Eine Beschlussempfehlung an den Rat gab der Finanzausschuss nicht ab. Das Thema wird geschoben, bis die Verwaltung Alternativen für die 110 000 Euro teure Erneuerung der Holzdecks vorlegt. Die rotten derweil weiter vor sich hin.

Bildtext:
Das Thermoholz zersplittert und zerkrümelt regelrecht″: Die Absperrung am Rosenplatz wird wohl noch eine ganze Weile weiterbestehen.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Fauler Zauber

Nahezu unempfindlich gegen natürliche Einflüsse sollte es sein, jenes wärmebehandelte Spezialholz, aus dem die Podeste am Rosenplatz gezimmert sind. Hart genug, um Wind und Wetter hartnäckig zu trotzen, außerdem konstant abweisend gegenüber allerlei Schädlingen und Pilzen. Tatsächlich entpuppen sich die Thermoholz-Decks als fauler Zauber: Nie hielt das Material, was die Stadt sich 2011 bei der Umgestaltung des Quartiers davon versprochen hat. Anstatt als schicke, bequeme Stadtmöbel zur Belebung dieser vom Straßenverkehr dominierten Ecke beizutragen, faulten, splitterten und brachen die rampenartigen Teile an allen Ecken und Enden und waren nach lächerlich kurzer Zeit so kaputt, dass sie aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt werden mussten.

Keine sieben Jahre nach dem Einbau steht der Rat nun vor einer mutmaßlich teuren Entscheidung: Entweder 110 000 Euro für Ersatzbretter aus Plastik ausgeben oder sämtliche Podeste entfernen lassen und damit unter anderem eine Rückzahlung von Fördermitteln riskieren, die bei ihrer Anschaffung geflossen waren. Schade und auch leichtfertig, dass der Oberbürgermeister seine eindringliche Warnung vor dem Abriss im Finanzausschuss nicht mit Fakten und Zahlen begründete. So ist keine echte Vergleichbarkeit der Handlungsoptionen gegeben. Und die Chance auf eine rasche Lösung des Problems vertan.

E-Mail: s.stricker@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn, Sebastian Stricker


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