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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rückfall in die umweltpolitische Steinzeit
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur Diskussion um die Breite von Schutzstreifen für den Gewässerschutz haben uns weitere Zuschriften erreicht.

Mit breiter Mehrheit hat der Kreistag [. . .] beschlossen, dass entgegen dem Vorschlag der eigenen Fachbehörde und allen wissenschaftlichen beziehungsweise fachlichen Einwänden der uferbegleitende Spritzstreifen in den besonders geschützten FFH-Gebieten Else und Obere Hase bei Melle auf einen Meter reduziert wird. Dabei findet auch kein , Methodenwechsel′ statt, ein fünf Meter breiter Schutzstreifen müsste ja auch beprobt und überwacht werden, zumal bei den hohen Kosten für Pestizidanalysen mit 20 000 Euro nur sehr wenige punktuelle Beprobungen durchgeführt werden können.

Dieser Rückfall in die umweltpolitische Steinzeit schadet nicht nur der Natur, sondern wird voraussichtlich zu Strafzahlungen an die EU führen [. . .] und letztlich auch dem Image der Landwirte schaden: Massentierhaltung, Gülleprobleme, Stickstoffprobleme, Verweigerung von minimalen Umweltschutzauflagen, all das hat besonders in Niedersachsen dazu geführt, dass die Landwirtschaft mittlerweile in der Öffentlichkeit ein schlechtes Image hat.

Dass es auch anders geht, zeigen andere Bundesländer: In Baden-Württemberg ist es zum Beispiel seit dem 1. Januar verboten, den Uferbereich von Seen und Flüssen auf einer Breite von fünf Metern als Ackerland zu nutzen und das nicht nur in besonders geschützten Gebieten, sondern flächendeckend! In Zusammenarbeit zwischen Politik, Landwirten und Umweltschützern wurde hier eine Lösung gefunden, die allen etwas abverlangt, aber auch für einige Sparten der Landwirtschaft (Direkt-/ Regionalvermarkter, Bio-Bauern etc.) erhebliche Marketing-Vorteile bringt.″

Prof. Dr. Joachim W. Härtling

Osnabrück

Es verwundert doch sehr, dass eine Kreisverwaltung eine EU-Richtlinie eigenmächtig unterläuft [. . .]. Als Sinn einer Richtlinie versteht man doch, dass man sich nach ihr richte, wenn man sie anwendet. Zudem ist dieser Richtwert zugunsten von Natur- wie auch Gewässerschutz keinesfalls überzogen, denn allein die maschinelle Feldarbeit kann sicher nicht auf den Dezimeter genau positioniert werden (Bodenzustand, Windverhältnisse, Bewegungen der Maschine, Verhalten des Lenkenden).

Weiterhin offenbaren der Beschluss des Umwelt-Ausschusses und die Argumente der Befürworter des Ein-Meter-Streifchens ein luftig-duftiges Verständnis von Ökologie. Denn sie ignorieren offensichtlich, dass fließende Gewässer sehr beweglich sind in Zeit, Menge und genutztem Raum, obwohl all dieses jedem Menschen gut sichtbar sein sollte. Dazu muss einem nicht erst der Keller volllaufen oder das Auto fortgeschwemmt werden. Streifen von einem Meter Breite werden in unserer , ordentlich′ versiegelten Landschaft locker überflutet.

Wegen der erhöhten Fließgeschwindigkeit werden angrenzende Äcker verstärkt erodiert, und das Gewässer selbst wird davon getrübt. So gesehen, wartet schon die EU-Vorgabe mit gedrosselter Wirksamkeit auf. Eher unsichtbar und weniger bekannt ist, dass ein Fließgewässer mit dem örtlichen Grundwasser in Wechselwirkung steht. Das bedeutet: Je näher/ tiefer man mit Chemikalien an ein Gewässer herangeht, desto flotter gelangen diese ins Grundwasser. Selbst bei fünf Meter Abstand der Nutzfläche verlängert sich die Passage durch den Bodenkörper nur etwas, wobei man einen gewissen Abbau der Chemikalien erhofft.

Ein Ansatz des Naturschutzes inklusive Gewässerschutz lautet daher: Macht aus Abflusskanälen wieder naturnahe Fließgewässer! Das lässt sich mit Ein-Meter-Streifen garantiert nie verwirklichen, mit Fünf-Meter-Streifen gewinnt man zwar auch keine Goldmedaille, aber mit jedem weiteren Meter an Abstand steigen die Chancen. Der Weg dahin kann nur dem uralten Prinzip des Naturschutzes folgen: , Flächenkauf ist der beste Naturschutz′, verbunden mit einer fachspezifischen Pflege und mit Kontrolle von Boden, Wasser, Fauna und Flora im näheren Einzugsgebiet.″

Heinz Sperber

Osnabrück

Es geht im Kern um Natur- und Artenschutz an der Oberen Hase und der Else in Melle. Beide Bäche liegen zum Teil in einem FFH-Gebiet, also einer besonders ausgewiesenen Schutzzone. Über eine Grundannahme sollte es eigentlich keinen Streit geben, dass nämlich bei einem fünf Meter breiten Uferrandstreifen weniger Pestizide, Gülle und Erde (Schlamm) ins Fließgewässer gelangen können als bei einem nur einen Meter breiten Randstreifen. Hierbei spielen nicht nur die Treckerfahrkünste (GPS-gestützt) der Bauern, sondern auch das Wetter eine entscheidende Rolle. So besteht nach sehr starken Regenfällen die Gefahr, dass viele Stoffe ins Gewässer geschwemmt werden, die wir dort nicht haben wollen. Außerdem sind Uferabbrüche dabei nicht selten. Wer häufiger an Gewässerschauen des Unterhaltungsverbandes teilgenommen hat, kennt diese Phänomene.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf die endemische Bachforelle hinzuweisen, die in der Oberen Hase laicht und sich auf natürliche Art und Weise fortpflanzt. Eine Tatsache, die wir in unseren heimischen Gewässern fast gar nicht mehr konstatieren können. Für den erfolgreichen Laichprozess braucht die Bachforelle Kiesbetten, die frei sind von Erde oder Schlamm, damit sich der befruchtete Laich entwickeln kann. Ähnliches gilt für andere Salmoniden wie Lachs und Meerforelle.

Die Bauern haben dagegen ihre Interessen eindeutig besser vertreten und den Landrat Lübbersmann davon , überzeugt′, auf jeweils vier Meter Uferrandstreifen zu verzichten. Dem Natur- und Artenschutz hat Herr Lübbersmann (CDU) damit keinen Gefallen getan! Es wäre besser gewesen, die Fünf-Meter-Zone einzuhalten und den Bauern für demnächst entgangenen Ertrag Entschädigungen anzubieten.

Umweltschutz geht uns alle an, und deshalb sollten die Lasten auf möglichst vielen Schultern ruhen. Über großzügige Blühstreifen an Fließgewässern würden sich viele Kreaturen freuen, auch die so arg gebeutelten Insekten. Sehr gespannt sind alle umweltbewussten Bürgerinnen und Bürger auf die ersten Ergebnisse der Beprobungen des Landkreises an den angesprochenen Bachläufen (Methodenwechsel).″

Gerhard Koch

Osnabrück

Während in der Ausgabe der , NOZ′ vom 14. März berichtet wird, dass 250 Forscher aus 70 Ländern sechs Jahre lang geforscht haben und dabei herausfanden, dass circa 25 Prozent aller weltweiten Todesfälle auf vernachlässigten Umweltschutz zurückzuführen sind, in der gleichen Ausgabe eine Umfrage ergab, dass 87 Prozent aller Bürger bereit wären, die Landwirte finanziell zu unterstützen, wenn sie umweltverträglicher/ nachhaltiger wirtschaften würden, fällt Landrat Lübbersmann eben mal die Entscheidung, dass die Gewässerrandstreifen nur auf einer Breite von einem Meter statt der zuvor geforderten fünf Meter Breite nicht mit Pflanzenschutzmitteln und Dünger behandelt werden dürfen.

Zuvor klagen die betroffenen Landwirte über massive Einnahmeeinbußen, wobei es nicht so ist, dass sie diese Randstreifen nicht bearbeiten dürften. Hier dürfte der Ertrag lediglich um eventuell circa 30 Prozent geringer ausfallen. Auf der anderen Seite werden seit Jahren von vielen Landwirten die für die Natur so wichtigen Grünstreifen an öffentlichen Wegen und Straßen immer stärker mit unter den Pflug genommen, teilweise bis an die Bankette. Erhalten die Kommunen hierfür Zahlungen von den Landwirten? Wohl kaum. [. . .]″

Heiko Wloch

Ostercappeln

Zum Wahlkampfthema avanciert offensichtlich die Absicht von CDU und SPD, den Schutzstreifen an Gewässern von Natur- und Landschaftsschutzgebieten nicht auf fünf Meter zu verbreitern, sondern bei einem Meter zu belassen. Eine durchaus gerechtfertigte Entscheidung, betrachtet man die Diskussion mit gesundem Menschenverstand.

Der einen Meter breite Schutzstreifen garantiert, dass keine Pflanzenschutzmittel ins Gewässer gelangen. Das ist durch das Fachrecht abgesichert. Durch den Fünf-Meter-Streifen wird die Gewässerqualität nicht verbessert. Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig. Alle Neuzulassungen und Verlängerungen von Pflanzenschutzmitteln werden von Fachleuten genau unter die Lupe genommen und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt beurteilt. Mithilfe umfassender Analysen wird die Verträglichkeit auch hinsichtlich Oberflächengewässer und Grundwasser geprüft und bewertet. Die gesetzlichen Vorgaben und Mindestabstände an Gewässern begründen sich aus diesen vorangegangenen Untersuchungen, die in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel strenger geworden sind.

Neben dem BVL beschäftigen sich auch andere unabhängige Institute, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung, mit dem Thema Pflanzenschutz. Wie bei der Ausbringung von Düngemitteln ist auch die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln dank moderner Ausbringungstechnik heute deutlich präziser als noch vor einigen Jahren.

Als Landwirte sind wir in der Pflicht, gesunde Lebensmittel nachhaltig zu erzeugen, und das machen wir. Wir gehen verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen um. Wird die Produktion ins Ausland verlagert, weil uns in Deutschland immer mehr Fläche verloren geht, müssen Verbraucher ihren Qualitätsanspruch aufgrund von lascheren Vorgaben zum großen Teil deutlich zurückschrauben. Ganz zu schweigen von der miesen Ökobilanz der mehrere Tausend Kilometer entfernt produzierten und importierten Lebensmittel.

Für den Bau von Siedlungen, Industrie und Straßen gehen uns Landwirten ohnehin in Deutschland täglich 74 Hektar verloren. Das entspricht in etwa der Größe eines durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebes. Wir ernähren Menschen und wollen auch zukünftig unsere Arbeit gut machen Wahlkampf hin oder her.″

Stefan John

Hunteburg
Autor:
Prof. Dr. Joachim W. Härtling, Heinz Sperber, Gerhard Koch, Heiko Wloch, Stefan John


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