User Online: 2 | Timeout: 13:28Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kauft die Stadt das Flatauer-Haus doch noch?
Zwischenüberschrift:
SPD, Grüne, Nussbaum-Gesellschaft und Bürgerverein wollen Rat umstimmen / Morgen Kunst-Aktion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Streit im Rat um die Zukunft des Hauses Herderstraße 22 geht weiter. Eine knappe Mehrheit hatte vor zwei Wochen gegen den Ankauf des Gebäudes gestimmt. Doch die SPD-Fraktion will diesen Beschluss nicht hinnehmen. Sie hat einen Antrag gestellt, Neuverhandlungen mit der Eigentümerin aufzunehmen. Auch sonst regt sich in der Stadt vielerorts Kritik an der Entscheidung.

Osnabrück Die SPD-Fraktion fordert in ihrem Antrag, dass der Ratsbeschluss vom 12. März aufgehoben wird. Vor gut zwei Wochen hatte der Rat entschieden, das Haus nicht zu kaufen. Diese Entscheidung stieß vielerorts auf Unverständnis.

Auf Anfrage unserer Redaktion äußert sich nun auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zu dem Thema: Ich hätte gern die Chancen und Möglichkeiten ausgelotet. Zu verbindlichen Ergebnissen ist diese Initiative aber leider nicht gekommen. Eine Besichtigung des Hauses durch Fachleute unseres Immobilienbetriebes war ernüchternd. Meine Versuche, eine Stiftung für den Erwerb zu begeistern, waren erfolglos″, sagt er. Vonseiten der Verwaltung gab es laut Griesert in der Ratssitzung vom 12. März keinen konkreten Vorschlag zum Umgang mit dem Haus.

Das Haus an der Herderstraße steht seit rund 15 Jahren leer. Einst gebaut von der jüdischen Unternehmerfamilie Flatauer, musste diese es 1938 auf Druck der Nazis zu einem Spottpreis verkaufen. Von den neuen Besitzern wurde das Haus als Mieteinnahmequelle genutzt, in den vergangenen Jahren jedoch von der damals schon sehr alten Besitzerin stark vernachlässigt. Mit ihrem Tod im vergangenen Herbst bot sich der Stadt nun ein Ankauf von den Erben der Immobilie für rund 340 000 Euro an. Doch der Rat votierte dagegen.

Die SPD-Fraktion möchte weiterhin am Ankauf der Immobilie festhalten. Der Oberbürgermeister und die Verwaltung werden beauftragt, Ankaufsverhandlungen mit den Eigentümern der Immobilie erneut aufzunehmen. Ein Kaufpreis ist auf Grundlage der Verhandlungen zu ermitteln und den zuständigen Gremien mitzuteilen″, heißt es in dem Antrag. Und weiter: Darüber hinaus werden der Oberbürgermeister und die Verwaltung beauftragt, Stiftungen, Sponsoren und Mäzene anzusprechen, um zusätzliche Fördergelder etc. zu akquirieren, damit eine Renovierung der Immobilie zeitnah herbeigeführt werden kann.″

Dem Haus droht ansonsten vermutlich der Abriss. Die Verwaltung hat sich im Februar selbst ein Bild vom Zustand des Hauses gemacht und eine Begehung durchgeführt. Es sei in einem desolaten Zustand, so das Fazit.

Doch noch ist keine Entscheidung für die weitere Nutzung des Hauses in Sicht, denn der Antrag muss erst am 30. April den Verwaltungsausschuss passieren, bevor über ihn im Rat abgestimmt wird. Die Entscheidung gegen den Ankauf des Hauses hatte nicht nur bei der SPD für Unmut gesorgt. Auch der Bürgerverein Katharinenviertel, die Felix-Nussbaum-Gesellschaft und die Fraktion der Grünen taten in der vergangenen Woche ihr Unverständnis kund.

Deutlich äußerte sich Karin Jabs-Kiesler als Ehrenvorsitzende der Nussbaum-Gesellschaft und Patin der Stolpersteine, die 2008 vor dem Haus Herderstraße 22 für die Familie Flatauer verlegt wurden: Aus meiner Sicht ist die Entscheidung des Rates eine Katastrophe. Wir sind im Bauhausjahr. Das ist schon ein starkes Stück!

Jabs-Kiesler engagiert sich seit Jahren für eine lebendige Erinnerungskultur. Man müsse nicht aus dem ganzen Haus eine Gedenkstätte machen, sagt sie. Ein Teil könnte ein Ort der Erinnerung sein und ein anderer Teil als Wohnraum genutzt werden. Sie hofft, dass die Öffentlichkeit sich für den Erhalt des Hauses einsetzt.

Eine ähnliche Vorstellung hat der Künstler Manfred Blieffert. Mein Vorschlag wäre, dort einen Raum zur Dokumentation einzurichten und den Rest des Hauses zu vermieten. Wenige Hundert Meter entfernt macht Thorsten Heese in der Villa Schlikker eine hervorragende Erinnerungsarbeit″, sagt er.

Ihn berühre die Geschichte des Hauses und der Familie Flatauer. Blieffert arbeitet derzeit an einem Projekt zum Thema Heimat und Flucht. Dafür sammelt er mit seinem Druckfahrrad Äußerungen aus der Öffentlichkeit und verarbeitet sie auf Plakaten. Das passt aktuell zu meinem Thema, denn das Haus an der Herderstraße 22 war auch einmal Heimat für Menschen″, sagt er. Er will am morgigen Sonntag von 15 bis 19 Uhr mit einer Druckaktion vor der ehemaligen Flatauer-Villa auf das Thema Heimat eingehen und sich für den Erhalt des Hauses einsetzen. Das kommt nicht wieder. So ein Haus mit so einer Geschichte ist ein steinerner Zeitzeuge″, mahnt Blieffert.

Bildtext:
Karin Jabs-Kiesler ist Patin der Stolpersteine, die vor einigen Jahren zum Gedenken an die jüdische Familie Flatauer vor dem Haus Herderstraße 22 verlegt wurden. Sie fordert, dass das Gebäude erhalten bleibt.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Corinna Berghahn, Kathrin Pohlmann


Anfang der Liste Ende der Liste