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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schutzstreifen müssten sogar noch viel breiter sein
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu den Artikeln Bauern gegen fünf Meter Spritzschutz Chemie auf dem Acker: CDU und SPD halten Ein-Meter-Schutzstreifen an Gewässern für ausreichend″ (Ausgabe vom 26. Februar) und Breiterer Schutzstreifen gefordert Verbände: Mehr Gewässerschutz″ (Ausgabe vom 27. Februar) haben uns weitere Leserbriefe erreicht.

„[. . .] Nach einem Gespräch mit dem Chef des Bauernverbandes Landvolk im Kreis Osnabrück strich Landrat Lübbersmann mal gerade den in der Vorlage stehenden Fünf-Meter-Schutzstreifen auf einen Meter zusammen, sekundiert von CDU und SPD. Bei der , präzisen Pflanzenschutz-Technik′ in der Landwirtschaft seien die für die Umsetzung der europäischen FFH-Richtlinien Gewässer-Schutzstreifen vorgesehenen fünf Meter doch gar nicht notwendig.

Dass Landwirte ihre Interessen vertreten und es da auch immer wieder zu Konflikten mit dem Naturschutz kommt, ist ja in Ordnung. Sie denken halt von ihren Betrieben aus wirtschaftlich und nicht in erster Linie vom Standpunkt des Naturschutzes aus. Dass aber unser Landrat offenbar auch nicht weiß (unterstützt von den Parteienvertretern), wozu die Richtlinien für die FFH-Gebiete dienen sollen, befremdet einen schon. Wann begreifen wir denn endlich, und auch die entsprechenden Chefs von Landvolk und Bauernverbänden, dass es in der Natur Zusammenhänge gibt?

Der Fünf-Meter-Bereich ist bereits ein Kompromiss. Um wirklich alle landwirtschaftlich bedingten Beeinträchtigungen der Gewässer auszuschließen es geht ja nicht nur ums Spritzen mit Pestiziden, sondern auch um Düngung und überhaupt die landwirtschaftliche Bearbeitung und Nutzung –, müsste der Streifen wesentlich breiter sein und auch die in die Fließgewässer einmündenden Gräben zum Teil mit einbezogen werden. [. . .]

Der Gewässerrandstreifen dient eben nicht nur dem Erhalt der Bachneunaugen und anderer geschützter Fischarten, sondern der Streifen ist insbesondere auch für Insekten und andere Kleinlebewesen von großer Bedeutung. [. . .]

Die Bedrohung der Insekten wurde gerade im letzten Jahr immer mehr publik von Betroffenen wie Gärtnern und Obstbauern mit dringendem Handlungsbedarf vorgetragen. Somit ist der Randstreifen ein für verschiedene Naturhabitate vernetzendes Bindeglied und dem damit einhergehenden Austausch von Kleinlebewesen aller Art. Er ist somit auch für die Landwirtschaft nicht ohne positive Bedeutung.

Ich glaube nicht, dass Landrat Lübbersmann, die Parteienvertreter und die Landwirte das nicht wissen. Aber versuchen kann man es ja mal, für etwas Eigeninteresse einen Schutzzweck kurzerhand durch Streichung einer Vorgabe auszuhebeln. Es trifft ja auch nur unsere Nachkommen, wenn wir eine verwüstete Welt hinterlassen. Vielleicht müssen wir tatsächlich erst noch lernen, höher zu springen.″

Konrad Lohrmann Bad Essen

Der in dem Entwurf einer Beschlussvorlage für den Kreis-Umweltausschuss von der Kreisverwaltung geplante Fünf-Meter-Schutzstreifen zur Umsetzung der europäischen , Natura-2000-Richtlinie′ im , Landschaftsschutzgebiet Else und Obere Hase′ entspricht den Vorgaben der Europäischen Union und ist hinsichtlich der Pufferwirkung gegenüber Stoffeinträgen aus fachlicher Sicht auch mindestens notwendig.

Eine Einschränkung auf lediglich einen Meter breite Schutzstreifen an Gewässern wie ihn SPD und CDU nun für das , Landschaftsschutzgebiet Else und Obere Hase′ vorschlagen ist aus fachlicher Perspektive nicht begründet und nicht begründbar.

In Zeiten von wachsender gesellschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit für Biodiversität, wie gerade aktuell aus dem Volksbegehren für Insektenschutz in Bayern deutlich wurde, wird eine solche Einschränkung nicht der ökologischen Verantwortung gerecht, die auch die Landwirtschaft übernehmen sollte. Abgesehen von einer möglichen Abpufferung stofflicher Gewässerbelastungswirkungen, die vor allem von den angrenzenden zumeist konventionell bewirtschafteten Acker- und Gründlandflächen über die hier massiv ausgebrachten organischen und mineralischen Dünger sowie die unterschiedlichsten Pestizide ausgehen, haben breitere, möglichst ungenutzte Randstreifen an Gewässerrändern auch weitere wichtige ökologische Funktionen: Möglichst struktur- und artenreiche Gewässersäume sind in unseren weitgehend ausgeräumten Agrarräumen von enormer ökologischer Bedeutung, weil sie wichtige Rückzugsbiotope für zahlreiche und unterschiedlichste Spezies nicht nur aus den Klassen der Insekten und Spinnentiere sind. Auch hierfür würde ein Meter Breite nicht annähernd ausreichen.

Abgesehen von den hier nur angerissenen fachlichen Gründen, die klar gegen eine Reduktion der Breite von Gewässerrandstreifen auf einen Meter sprechen, gibt es auch pragmatische rechtliche Gründe für den Landkreis, eine solche Reduktion über eine entsprechende Schutzgebietsverordnung nicht zuzulassen: Es drohen im Falle einer Nichteinhaltung von EU-Naturschutzrichtlinien gerade in FFH-Gebieten deren Aberkennung und damit in der Folge empfindliche Strafzahlungen nach Brüssel.″

Dr. Andreas Lechner Prof. Dr. Joachim Härtling Dr. Laura Herzog Dr. Jörg Klasmeier Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl Osnabrück

Wer solche Politik macht, braucht sich über das aktuelle Insekten- und Vogelsterben nicht zu wundern! [. . .]

In Lehrbüchern der Ökologie und Geografie ist nachzulesen, dass zu einem Fließgewässer sowohl der Wasserkörper als auch seine Ufer und die angrenzende Aue gehören. Der in der FFH-Richtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie der EU für alle Mitgliedstaaten vorgeschriebene günstige Erhaltungszustand von Fließgewässern kann nur gewährleistet werden, wenn auch eine gewisse Dynamik des Gewässers und seiner Ufer ermöglicht wird.

So benötigt zum Beispiel der Eisvogel Steilwände an Uferabbrüchen, um dort seine Bruthöhle zu bauen. Die fließgewässer- und auentypische Zonierung der Ufervegetation, die zahlreichen Insektenarten und Vögeln wertvolle Lebensräume bietet, wird durch die Bewirtschaftung bis auf einen Meter an das Gewässer heran zerstört.

Ackerbau direkt an Fließgewässern ist nicht nur wegen der möglichen Abdrift von Pestiziden problematisch, sondern auch aus Klimaschutzgründen. Durch die vielerorts [. . .] vorhandenen Entwässerungsgräben und die regelmäßige Belüftung kommt es beim Umpflügen zur CO2-Freisetzung. Bei Starkregen werden zudem nicht nur Pestizide, sondern auch Bodenpartikel mit dem daran gebundenen Phosphor in Bäche und Flüsse gespült [. . .]. Breite Schutzstreifen [. . .] verhindern solche Einträge und sichern die Biodiversität. Aus fachlicher Sicht müssten sie mindestens zehn Meter breit sein, wenn die natürliche Dynamik geschützter Fließgewässer berücksichtigt werden soll und sogar das ist noch wenig!

Prof. Dr. Kathrin Kiehl Osnabrück

Bildtext:
Ein Landwirt spritzt junge Pflanzen mit einem Pflanzenschutzmittel.
Foto:
imago/ Wolfgang Zwanzger
Autor:
Konrad Lohrmann, Dr. Andreas Lechner, Prof. Dr. Joachim Härtling, Dr. Laura Herzog, Dr. Jörg Klasmeier, Prof. Dr. Claudia Pahl-Wostl, Prof. Dr. Kathrin Kiehl


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