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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt plant Öko-Umbau der Hase
 
Fließt die Hase bald über den Parkplatz?
Zwischenüberschrift:
Stadt will Flussbett für Fische bauen und hofft auf hohe Zuschüsse
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Fische und Kleinstlebewesen sollen die Hase auf ihrer ganzen Länge durchschwimmen können. Deshalb planen die Stadt Osnabrück und das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), die Staustufe am Herrenteichswall umzubauen. Vorgesehen ist, eine etwa drei Meter breite Umflut auf der östlichen Seite des Herrenteichswalls zu bauen. Die Kosten werden auf 3, 6 Millionen Euro geschätzt. Der Umweltausschuss stimmte zu, die Planungen voranzutreiben, drängt aber auch darauf, dass mindestens 75 Prozent der Kosten aus Förderprogrammen finanziert werden. Der naturnahe Hase-Bypass würde das Idyll am Herrenteichswall weiter aufwerten, aber auch 18 Autostellplätze kosten.

Ein idyllischer Winkel der Innenstadt soll noch idyllischer werden. Die Stadt will der Hase am Herrenteichswall einen Bypass legen, damit Fische flussaufwärts schwimmen können. Vor einem Jahr hätte die Stadt das spektakuläre Projekt fast umsonst bekommen, jetzt muss sie tief in die eigene Tasche greifen.

Osnabrück Die ökologische Durchlässigkeit der Hase auf ihrer ganzen Länge ist ein Projekt, an dem viele Ämter bis hinauf nach Brüssel seit über einem Jahrzehnt arbeiten. Weil die Umsetzung aufwendig und teuer ist, geht das Programm nur schrittweise voran. 2017 teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) der Stadt Osnabrück überraschend mit, das Geld aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitstehe, um Projekte zur ökologischen Entwicklung von Fließgewässern in urbanen Räumen mit bis zu 90 Prozent zu fördern. Die Laves-Mitarbeiter kannten die alten Pläne für die Hase zwischen Pernickelmühle und Herrenteichswall und schalteten schnell die Stadt auch, aber nicht schnell genug.

Denn inzwischen ist der Fördertopf weitgehend geleert. Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt, geht davon aus, dass das Projekt mit allen Nebenkosten bei 3, 6 Millionen Euro landen würde. 1, 6 Millionen Euro sind noch im Fördertopf, so- dass die Stadt gut zwei Millionen Euro selbst aufbringen müsste.Abbildung von 1802

Eine Summe, die den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses in der jüngsten Sitzung keineswegs den Atem raubte. Heiko Panzer (SPD) sprach von einem Zukunftsprojekt, das wir machen sollten″. Sebastian Bracke (Grüne) hält das Projekt unten den Aspekten Ökologie und Aufenthaltsqualität für sinnvoll″, und Wulf-Siegmar Mierke (UWG) bewertete die Investition als zielführend″, die die Stadt forcieren″ sollte. auch die CDU stimmte zu, die Planungen voranzutreiben und nach weiteren Fördermöglichkeiten Ausschau zu halten, um eine mindestens 75-prozentige Bezuschussung zu erreichen.

Pate für die Hase-Umflut stand eine Abbildung aus dem Jahr 1802, die einen Arm der Hase zeigt, der außerhalb der Stadtmauer von der damals noch existierenden Herrenteichsmühle bis zur Vitischanze floss. Diesen Gedanken griffen die Planer auf, um Fischen, Krebsen und anderen Wasserbewohnern einen Weg an der Wehranlage der Pernickelmühle vorbei zu öffnen. Die 1, 5 Meter hohe Staustufe muss erhalten bleiben, weil sonst der Grundwasserspiegel sinken würde, was die Standfestigkeit der Gebäude rundherum gefährdete.

Eine Fischtreppe am Wehr würde nach Angaben der Experten nicht genügen. Die Tiere würden im Staugewässer vor der Pernickelmühle nicht überleben, weil sie strömendes Wasser brauchen und ohne Strömung die Orientierung verlieren. Deshalb ist geplant, kurz hinter dem Haarmannsbrunnen einen Durchstich durch den Wall zu bohren und einen etwa drei Meter breiten und einen Meter tiefen Flusslauf auf der östlichen Seite der Stadtmauer zu schaffen. Auf Höhe des Iduna-Hochhauses soll es einen zweiten Durchstich geben. Von dort bis zum Wehr wird der Mini-Fluss auf etwa 80 Meter durch ein Becken unter dem heutigen Fußweg fließen. Spaziergänger könnten also über das fließende Wasser gehen und (mit etwas Glück) durch Gucklöcher den Fischen beim Aufstieg zusehen.

Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) nutzt die Fläche östlich des Herrenteichswalls als Parkplatz. Der Umflut würden nach Angaben der Planer 18 Stellplätze zum Opfer fallen. Die Stadt müsste der OPG die Flächen abkaufen und für die Einnahmeverluste entschädigen. Die Kosten von 390 000 Euro sind in der Gesamtkalkulation bereits enthalten.

Der Ausschuss empfahl einstimmig, die Planungen zu verfeinern und ein Planfeststellungsverfahren in Gang zu setzen. Das wird ein gutes Jahr dauern, sagte Gerdts.

Bildtexte:
Auf der Ostseite des Herrenteichswalls soll ein drei Meter breiter Flusslauf entstehen. 18 Stellplätze müssen dafür geopfert werden.
Die Staustufe an der Pernickelmühle ist für Fische unüberwindlich. Ein Bypass (Karte rechts) soll die Hase durchlässig machen.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Teures Erbe

Als unsere Vorfahren den Haselauf stauten, um Mühlen und Sägen anzutreiben, verschwendeten sie keinen Gedanken an die Lebewesen, denen die Staustufen den Weg flussaufwärts verwehrten. Heute sind wir ökologisch klüger und stehen vor der Frage, wie mit der teuren Erbschaft umzugehen ist.

Besondere Dringlichkeit liegt nicht vor, denn von einer akuten ökologischen Notlage kann keine Rede sein. Also das Erbe einfach ausschlagen und die Renaturierung der Hase an die nächste Generation weiterreichen? So einfach dürfen wir es uns nicht machen. So einfach kann die Stadt aber auch nicht 3, 6 Millionen Euro aus den Ärmeln schütteln. Daher ist es richtig, nach Fördermöglichkeiten zu suchen und erst dann die Bagger zu bestellen, wenn ein 75-prozentiger Zuschuss gesichert ist. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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