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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Das Landesarchiv am Standort Osnabrück besteht seit 150 Jahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vorher wurden auch schon wichtige Dokumente aufbewahrt, aber wahrscheinlich nicht so ordentlich und systematisch, wie man es von den Preußen mit ihren sprichwörtlichen Tugenden erwartet. Drei Jahre, nachdem Osnabrück preußisch geworden war, schlug 1869 die Geburtsstunde des Königlich Preußischen Staatsarchivs.

Osnabrück Aus preußischer wurde nach 1945 niedersächsische Akribie. Das Niedersächsische Staatsarchiv oder, wie es seit 2005 heißt, das Niedersächsische Landesarchiv am Standort Osnabrück (NLA OS) steht in dieser Tradition und begeht daher dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Für Standortleiterin Birgit Kehne und ihr Team ist dies ein Anlass, mögliche Schwellenängste abzubauen und das Archiv an der Schlossstraße 29 durch Tage der offenen Tür und andere Veranstaltungen auch beim breiteren Publikum bekannter zu machen.

Man muss nämlich keinen Doktorhut tragen oder als Student an seiner Masterarbeit sitzen, um die Bestände des Archivs nutzen zu können. Jedermann, der ein berechtigtes Interesse″ hat, darf das. Rein private Interessen zählen durchaus dazu also zum Beispiel, wenn man mehr über seine Vorfahren wissen möchte.

Als besonderen Service stellt das Archiv einen Leitfaden für Familienforscher″, Hinweise zur Nutzung von Standesamtsregistern″ und die beliebten Quellen zur Hof- und Familienforschung″ als ersten Wegweiser zu genealogisch ergiebigen Archivalien aus der Zeit vor 1800 zur Verfügung. Aber auch, wenn es einfach nur um die Fotokopie der Zeitungstitelseite des eigenen Geburtstages geht, erfährt man freundlichen Service.

Für die Nutzung des Archivs inklusive persönlicher Beratung wird eine kleine Gebühr fällig. Das Tagesentgelt liegt etwa in der Größenordnung eines Kinobesuchs. Wenn die Forschungen im öffentlichen Interesse liegen, also etwa der Heimatkunde dienen und später veröffentlicht werden sollen, kann die Gebühr aber auch entfallen.

Und was wird nun alles im NLA archiviert? Zum Archivgut gehören Unterlagen, die einmalig sind und Fragen zur Vergangenheit beantworten können. Also Akten, Amtsbücher, Karten, Pläne, Fotografien, Filme, Tonträger, Urkunden, Siegel. In erster Linie handelt es sich um ausgesuchtes Schriftgut der Landesbehörden, die in der Stadt Osnabrück sowie in den Landkreisen Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim ihren Sitz haben.

Nicht jedes Landgerichtsurteil, nicht jede Personalakte eines Lehrers, nicht jede Vermessungsunterlage wird allerdings für die Ewigkeit aufbewahrt. Zu den wichtigen Aufgaben der NLA-Archivare gehört es, in den Registraturen der Landesverwaltungen nach Ablauf der je eigenen Aufbewahrungsfristen eine Auswahl zu treffen. Handelt es sich um schriftliches Kulturgut, dem aufgrund seiner rechtlichen oder historischen Bedeutung ein bleibender Wert zukommt? Die Prozessakte des Polizistenmörders Bruno Fabeyer aus 1967 gehört sicherlich dazu, die eines kleinen Ladendiebs dagegen nicht″, verdeutlicht der stellvertretende Standortleiter Thomas Brakmann.

An die Übernahme des archivwürdigen Gutes schließen sich die konservatorische Behandlung, die systematische Erfassung, die Erschließung und Nutzbarmachung mittels Findbüchern und des im Internet verfügbaren Archivinformationssystems Arcinsys″ an.

Neben dem Behördenschriftgut übernimmt das NLA auch Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten, Familien-, Guts- und Adelsarchive sowie Schriftgut aus dem Bereich der Wirtschaft.

Eine Besonderheit des Standortes Osnabrück ist, dass hier über Kooperationsverträge auch Archivalien der Stadt und des Landkreises Osnabrück sowie der Osnabrücker Hochschulen verwahrt werden. Diese Institutionen stellen je eine Arbeitskraft und tragen die Sachkosten für ihren Bereich. Für den Benutzer hat das enorme Vorteile, da sich die Bestände teilweise ergänzen und alles unter einem Dach zu finden ist.

Beim Rundgang durch die Magazine drängt sich die Frage auf: Gibt es noch Platzreserven? Es kommt ja immer nur Neues hinzu, beim Verwahren für die Ewigkeit sind keine Abgänge vorgesehen. 10, 5 Kilometer Regallänge haben wir belegt, dazu 40 000 Karten und 25 000 Urkunden in Schubfächern. Noch haben wir zwei Kilometer frei″, weiß Archivarin Isabelle Guerreau. Entlastung könnte es demnächst geben, indem der Bestand an älteren Grundbüchern in den Neubau des NLA Stade abgegeben wird.

Mit Platzproblemen fing die Geschichte des Staatsarchivs auch gleich an. Die Altregistratur der Landdrostei Osnabrück, die im Königreich Hannover die Bestände des Hochstifts Osnabrück und der nach der Säkularisation hinzugekommenen Klöster und Stifte verwahrte, war sehr beengt im Schloss untergebracht. Von den sieben Räumen hatte nur einer einen Kamin und hätte beheizt und so als Büroraum benutzt werden können. Funktionierende Öfen waren jedoch nicht vorhanden. Fensterscheiben waren zerbrochen, Schreibpulte und Tische fehlten, ebenso Leitern und Schlösser in den Türen. Von der Decke rieselten Staub und Putz, draußen auf dem Flur polterten die Dragoner des im selben Schlossflügel untergebrachten Regiments.

Alles in allem ein wenig ermutigender Befund, der die neuen preußischen Landesherren 1868 daran denken ließ, alle Bestände in der Provinzhauptstadt Hannover zu konzentrieren. Doch dagegen protestierten der Osnabrücker Historische Verein, die Stadt und weitere geschichtlich interessierte Kreise. Der direkte Zugriff auf die urkundlichen Quellen erschien ihnen für die weitere historische Forschung unentbehrlich. Berlin gab nach und stimmte der Gründung eines Königlich Preußischen Staatsarchivs in Osnabrück zu. Am 13. Februar 1869 nahm es die Geschäfte auf, zunächst weiterhin im Schloss unter Hinzunahme einiger weiterer Räume. Eine grundlegende Verbesserung der räumlichen Situation trat erst mit dem Neubau des Gebäudes an der Schlossstraße im Jahr 1917 ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das zur Schlossstraße hin gelegene Verwaltungsgebäude vernichtend getroffen. Das zwar beschädigte, aber reparable Magazingebäude diente für den Neubeginn nach 1945 zehn Jahre lang als Provisorium auch für die Diensträume und die Benutzung. Die ausgelagerten Bestände wurden nach und nach zurückgeholt, zu größeren Kriegsverlusten war es nicht gekommen. Am 7. Oktober 1955 wurde das neue Verwaltungsgebäude an der Schlossstraße eröffnet.

Bildtexte:
Der Neubau″ des Staatsarchivs am Schlosswall/ Ecke Schlossstraße im Jahr 1918
(Zeichnung des Regierungsbaumeisters Kayser, Archiv NLA OS).
Das hohe Magazingebäude von 1917 ist erhalten, während das Verwaltungsgebäude links davor ein Nachkriegsneubau ist.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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