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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Note sechs für Teilnahme an Demo?
 
Streikenden Schülern droht eine Sechs
Zwischenüberschrift:
Zehntausende Schüler protestieren für Klimaschutz / Schulleiter drohen mit Sanktionen
 
1200 bei „Fridays for Future″ / Forderungen auch an die Stadt Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Auf allen Kontinenten demonstrierten Schüler und Studenten gestern während der Unterrichtszeit für mehr Klimaschutz. In Deutschland gingen Zehntausende auf die Straße. Mehr als 1000 Schüler protestierten in Osnabrück. Schulleiter drohen derweil mit Sanktionen.

Osnabrück/ Berlin Politiker aller Parteien außer der AfD begrüßten gestern die Proteste. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bezeichnete die Aktionen der jungen Menschen als Weckruf″, für den sie dankbar sei. Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann (SPD) zeigte sich in einer Aktuellen Stunde des Bundestages beeindruckt″ von den Demonstranten. Sie freue sich darüber, dass die Schüler auf die Straße gehen und für Klimaschutz demonstrieren″, sagte auch Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zu den weltweiten Klimaprotesten in rund 1700 Städten. Allerdings mahnte Karliczek ebenso wie die CSU-Umweltpolitikerin Anja Weisgerber auch die Einhaltung der Schulpflicht an.

Genau damit kollidiert das politische Engagement der Schüler jeden Freitag aufs Neue. Und das ist auch so gewollt″, betont Jakob zur Heide. Der Delegierte der Osnabrücker Fridays-for-Future″-Bewegung wies bei der Protestveranstaltung darauf hin, dass es wichtig sei, durch die Streiks öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Klimaziele zu bekommen. Streiken nicht bloß, um zu schwänzen, sondern um etwas für die Umwelt und Zukunft zu erreichen, laute die Devise.

Viele Osnabrücker Schulen sehen die Wahrung ihrer staatlichen Erziehungspflicht gefährdet. Wir stellen sicher, dass die Regeln der Schulbehörde umgesetzt werden″, begründet Nils Fischer, Schulleiter des Gymnasiums In der Wüste″, die Maßnahmen an seiner Schule. Wer freitags zu den Streiks gehe, dürfe das nicht von seinen Eltern entschuldigen lassen. Und wer fehle, könne mit der Note 6 für die Mitarbeit in den betroffenen Stunden rechnen.

Mit dieser Handhabe ist Fischer nicht allein. An der Domschule könnten Fachlehrer ebenfalls die versäumten Stunden mit ungenügend″ bewerten, erklärten einige Schüler, die dennoch am Streik teilnahmen. Osnabrücker Schulleiter sehen sich in ihrer Marschroute durch einen Erlass der Landesschulbehörde bestätigt. Sie führten diesen lediglich aus, hieß es. Unterstützung kam unterdessen von der Lehrergewerkschaft GEW. Alle, die für die Klimapolitik verantwortlich sind, täten gut daran, das Belächeln oder Kleinreden der Protestierenden endlich zu beenden″, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth.

Bildtext:
GUTE STIMMUNG: Vor dem Theater in Osnabrück versammelten sich gestern mehr als 1000 Schüler.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Kein Streik, sondern Spaziergang
Nein, es ist keine Heldentat, während der Schulzeit für den Schutz des Klimas zu demonstrieren. Sonntagmorgens um acht vielleicht, das wäre bemerkenswert. Aber das Wochenende am Freitag etwas früher einzuläuten ist kein großes Opfer, insbesondere dann nicht, wenn daraus nicht einmal direkte Konsequenzen erwachsen.

Spaziergang wäre ansonsten die bessere Bezeichnung als Streik, schon allein, weil sich ein solcher innerhalb eines rechtlichen Rahmens bewegt. Den Schulbesuch zu verweigern ist schlicht verboten, egal ob Klimaschutz, religiöser Fundamentalismus oder eine andere Legitimation dafür herhalten soll.

Es ist übrigens auch wenig sozial, seine Lehrer zu nötigen, selbst Regeln zu brechen oder als Spießer beschimpft zu werden, der das Wohl der Welt gefährdet. Selbst die eifrigsten Klimaschutzeltern fänden es wohl nicht witzig, ihr Kind würde auf einer dieser Demos angefahren. Wetten, dass dann nach Aufsicht und Haftung gefragt wird? Bevor die Kinder am nächsten Montag mit dem Auto wieder zur Schule gebracht werden, alle einzeln am besten, und sich ihren chinesischen Kugelschreiber online bestellen.

Es gibt daher wenig Grund, vom Spazierengehen für das Klima über Gebühr beeindruckt zu sein. Das im Übrigen keineswegs erst- und einmalige Engagement ist nicht zu verniedlichen, ohne Frage. Politisches Interesse und Einsatz sind begrüßenswert. Jeder Mode hinterherzulaufen aber nicht, sich in kollektive Ängste hineinzusteigern ebenso wenig. Man sollte die Klima-Demos daher nicht überbewerten, nicht als Beobachter und nicht als Teilnehmer.

b.ewert@ noz.de

1000 bis 1200 Schüler streikten am Freitag nach Polizeiangaben in der Osnabrücker Innenstadt für eine bessere Klimapolitik. Einige von ihnen riskierten eine Sechs für die mündliche Teilnahme. Die Gangart an einigen Schulen verschärft sich.

Osnabrück Der Dauerregen am Vormittag konnte die jungen Protestierenden nicht in die Knie zwingen: Mehr als 800 Schüler versammelten sich bereits um 10 Uhr vor dem Theater in Osnabrück eine neue, lautstarke Größenordnung der Klimastreiks. Sie starteten den internationalen Demonstrationstag mit Musikworkshops, Gesprächsrunden zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie dem Austausch über die Fridays-for-Future″-Bewegung.

Wir haben heute quasi einen alternativen Schulunterricht gemacht″, betont Mitorganisator Jan Küter-Luks, Schüler am Gymnasium In der Wüste″. Dem regulären Unterricht blieben sie nämlich erneut fern. Ihnen ist der Klimaschutz wichtiger, und der komme in der Schule zu kurz, so der Osnabrücker Abiturient. Die Streiks richteten sich aber nicht gegen die Schulen, sondern hätten höhere Ziele: Climate justice, now!″, schallte es über den Theatervorplatz. Die Streikenden wollen nachhaltige politische Entscheidungen von Stadt, Land und Bund sehen. Schließlich gehe es um ihre Zukunft.

Bei der Kundgebung wurde deutlich, dass die Osnabrücker Schulen sehr unterschiedlich mit dem Streik umgehen. Von der Ursulaschule beteiligten sich ganze Klassen einschließlich der Lehrer an der Aktion. Von der Domschule wurde berichtet, dass zwei Schüler pro Klasse an den Aktionen teilnehmen dürften. Sie sollten am Montag davon berichten. Am Gymnasium Carolinum und am Gymnasium In der Wüste″ müssen Teilnehmer der Proteste hingegen mit einer Sechs für die verpassten Stunden rechnen.

Dabei sehen viele der Streikenden ihre Schulleiter eigentlich an ihrer Seite, schließlich hätten ihre Schulen einige Umweltaktionstage und Nachhaltigkeitsschwerpunkte. Anfangs hätten die Schüler am Wüstengymnasium auch ihre Plakate in der Schule drucken können, so Fischer. Aber den Unterricht zu schwänzen, das könne man nicht akzeptieren.

Die streikenden Osnabrücker, so die Argumentation der Landesschulbehörde, könnten ihren Klimaschutzzielen doch auch nach der Schule nachkommen. Fischer vertritt die Auffassung, dass der staatliche Erziehungsauftrag das Recht der Handlungsfreiheit der Schüler und das elterliche Erziehungsrecht einschränke.

Die Landesschulbehörde hat aber auch eingeräumt, dass eine kurzzeitige Beurlaubung wegen der Teilnahme an einer Demonstration möglich ist″, wenn die Ziele nicht in der Freizeit verfolgt werden könnten und zugleich dem Bildungsauftrag der Schule entsprächen. Nils Fischer vom Gymnasium In der Wüste″ argumentiert, dass seine Einrichtung eine zertifizierte Umweltschule sei, die viele Angebote zu den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit anbiete. Für den Klimaschutz könnten sich die Schüler also auch in der Schule engagieren und müssten dazu nicht streiken gehen.

Seine Schule schaffe durch AGs und Aktionstage kein tieferes Umweltbewusstsein, findet Schülervertreter Jan Küter-Luks. Zwar gebe es Aktionen zur Nachhaltigkeit, die seien für die meisten Schüler allerdings nur ein willkommener Anlass, keinen regulären Unterricht zu haben. Ein Bewusstsein für den Klimaschutz entwickele sich daraus nicht. Der Abiturient betont:

Im Gegensatz zu ihren Rektoren und zur Schulbehörde sehen die Streikenden deshalb keine Alternative zu ihren Aktionen. Allein aufgrund der medialen Aufmerksamkeit halten sie an Fridays for Future″ fest, wie es Mitorganisator Jakob zur Heide ausdrückt.

Die beim Streik anwesenden Schüler nehmen die möglichen Konsequenzen bereitwillig in Kauf. Der Klimaschutz sei ihnen wichtiger: Irgendjemand muss ja etwas tun. Mir ist es deshalb wert, die unentschuldigten Fehlstunden zu riskieren″, bekennt eine Schülerin des Ratsgymnasiums.

Wie geht es weiter?

Die Schüler sind bereit, weiter für ihre Ziele auf die Straße zu gehen und dafür zu schwänzen. Ihre Umweltschutzambitionen müssten auch hier in Osnabrück Folgen haben, machen sie geltend. An die Stadt Osnabrück stellen sie fünf Forderungen, darunter den Ausbau der Radwege, die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und den Ausstieg der Stadtwerke aus der Kohleverstromung.

Der Streik und die Demonstration in Osnabrück waren Teil der internationalen Protestbewegung. Allein in Deutschland fanden in mehr als 200 Städten Aktionen statt. Derweil hat es in den Städten und Gemeinden im Landkreis Osnabrück am Freitag offenbar keine Schülerproteste gegeben. Das Artland-Gymnasium in Quakenbrück plant erst für die kommende Woche eine Aktion. Vor fünf Wochen hatte die Schülervertretung des Greselius-Gymnasiums in Bramsche eine Demo organisiert. In Bad Essen zeigte sich am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion Sylva Schlie, die Leiterin des Gymnasiums, verwundert, dass es derzeit seitens der Schülerschaft keine Bestrebungen gebe, sich an den Protesten zu beteiligen.

Bildtext:
Bunt und laut war es auf dem Theatervorplatz. Mit ihren Schildern zeigten die Schüler, welche Sorgen der Klimawandel ihnen bereitet.
Foto:
David Ebener
Autor:
dpa, AFP, Filix Westhoff, Burkhard Ewert


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