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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Opfer der Militärjustiz
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein für Ewald Schawe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Grenadier Ewald Schawe sollte hingerichtet werden. Fahnenflucht″ lautete das Urteil der Militärjustiz im Nationalsozialismus. Doch schon vorher traf ihn ein Bauchschuss – „ auf der Flucht″, wie es hieß. Jetzt erinnert ein Stolperstein an der Auguststraße 5 an ihn. Dort lebte der gelernte Förster mit seinen Eltern, bis er in den Krieg musste

Wie viele es ganz genau waren, ist nicht bekannt, denn gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verloren die Nationalsozialisten zwar die Übersicht über ihre Statistik, jedoch nicht ihre Brutalität. Die Militärjustiz verurteilte rund 30 000 Wehrmachtssoldaten zum Tode, weil sie desertiert waren, und 23 000 von ihnen wurden getötet. Es waren keine Hinrichtungen, sondern brutale Morde.″ Auf diese Feststellung legte Peter Niebaum von der HansCalmeyer-Initiative bei der Verlegung des Stolpersteins besonderen Wert. Eines dieser Opfer des Nationalsozialismus war Ewald Schawe.
Nur wenige Kilometer von seinem Elternhaus entfernt, im Reserve-Lazarett der Kaserne in Haste, starb der wegen Fahnenflucht Verurteilte am 13. April 1944 an den Folgen eines Bauchschusses. Er war 28 Jahre alt. Als Todesursache trug die chirurgische Abteilung des Lazaretts eine Bauchfellverletzung und eine Herz-Kreislauf-Schwäche ein. Hier war jemand der geplanten Vollstreckung des Todesurteils zuvorgekommen. Nach Unterlagen der Wehrmacht in Saalfeld hatte eine Heeresstreife der gefürchteten Feldgendarmerie Ewald Schawe fünf Tage vor seinem Tod in Osnabrück auf der Flucht angeschossen″.
Doch was damals im Frühjahr 1944 genau geschah, ist unbekannt. Auch was genau die Militärjustiz Ewald Schawe zuvor vorgeworfen hatte, ist nicht überliefert.
Im Urteil stand das Wort Fahnenflucht, doch eine genauere Begründung fehlt. Nach den spärlichen Unterlagen im Freiburger Militärarchiv war das Kriegsgericht einer Division 526″ zuständig.
Aus der Kriegszeit ist kaum mehr von Ewald Schawe bekannt, als dass er Grenadier war, 1943 von einem Granatsplitter in den Nacken getroffen wurde und dass er deshalb für etwa zehn Tage in einem Lazarett lag.
Über die Hintergründe des grausigen Geschehens lässt sich nur spekulieren. Aus unbekannten Gründen wurde er später Opfer eines justiziellen Terrors″, wie es Peter Niebaum formulierte. Seine Hans-Calmeyer-Initiative ist jetzt Patin des Stolpersteins für Ewald Schawe

Bildtext:
Ein schlichtes Haus in der Auguststraße: Hier wohnte Ewald Schawe.
Fotos:
Klaus Lindemann

Stolpersteine

Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich inzwischen knapp 600 Kommunen angeschlossen haben: auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Ewald Schawe hat Gunter Demnig jetzt während einer Zeremonie eingesetzt. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 3 23-22 87. Voraussichtlich noch im Herbst werden weitere Stolpersteine verlegt.
Autor:
Jann Weber


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