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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
In den Fängen des Rassenwahns
Zwischenüberschrift:
Richard Werner starb bei einem Todesmarsch in der Nähe von Auschwitz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ende 1944 kam der letzte Brief. Danach hörte die Familie nichts mehr von Richard Werner, und sie erfuhr erst viel später, dass er im Januar darauf bei einem Todesmarsch in der Nähe von Auschwitz ums Leben gekommen war. Jetzt erinnert ein Stolperstein im Bürgersteig am Blumenhaller Weg 44a an ihn. Dort war sein Zuhause, bis die Nationalsozialisten ihn verschleppten.
Was hatten die Nationalsozialisten gegen ihn? Es war leicht, durch das Raster ihrer Ideologie in Ungnade zu fallen. Wen sie im Rassenwahn als Ausländer″ und Halbjude″ bezeichneten, befand sich schließlich in Lebensgefahr. Der Arbeiter Richard Werner war 1923 von Tschechien nach Osnabrück gezogen, er war vom Judentum zum Christentum konvertiert und Mitglied der evangelisch-reformierten Gemeinde geworden. Er heiratete die verwitwete Auguste Schleuder, die drei Kinder mit in die Ehe brachte; ein viertes hatten sie gemeinsam. Seinen Lebensunterhalt verdiente Richard Werner als Metallarbeiter bei der Firma Franz Brink in Eversburg.
Spätestens in der Pogromnacht am 9. November 1938 begannen die Nationalsozialisten, den Diskriminierungen mit Worten nach und nach Taten folgen zu lassen. Nachdem sie die Synagoge in Brand gesteckt hatten, war Richard Werner eines der Opfer ihrer Judenverfolgung in der Nacht zum 10. November 1938. Sie verhafteten ihn, sperrten ihn in das Polizeigefängnis an der Turnerstraße und ließen ihn später wieder frei. Doch sie bedrängten ihn weiter.
Die Nationalsozialisten unterstellten ihm Spionage alleine deshalb, weil er Tscheche war. Der Werkmeister Franz Heidemann seines Arbeitgebers in Eversburg berichtete später, dass Richard Werner mehrfach von der Gestapo zu Verhören abgeholt wurde. Es habe manchmal Wochen gedauert, bis er wieder entlassen wurde. Nach dem Krieg berichtete ein ehemaliger Angehöriger der Gestapo, dass Richard Werner bis zu seiner Deportation insgesamt acht bis neun Monate eingesperrt wurde.
Im August 1944 verschleppten die Nationalsozialisten Richard Werner in das Konzentrationslager Auschwitz. Kurz vor Kriegsende lösten die Nationalsozialisten das Lager auf. Die SS zwang etwa 56 000 Häftlinge zu einem Fußmarsch, der als Todesmarsch in die Geschichte einging, denn viele starben dabei. Einer von ihnen war Richard Werner. Er war 54 Jahre alt.
Marianne Schleuder, Stieftochter von Richard Werner, sprach nach dem Krieg kaum über dieses Schicksal. Sie war Mitglied der evangelisch-reformierten Gemeinde, die jetzt Patin des Stolpersteins für dieses Opfer des NS-Regimes ist. Pastor Günter Baum berichtete über sie: Sie ist vergangenes Jahr mit fast 90 Jahren gestorben. Die Geschichte ihres Stiefvaters, den sie immer nur Vater nannte, vertraute sie unter Tränen einem meiner Kollegen an. An ihn zu erinnern hat sie uns als Vermächtnis aufgegeben.″ Der Pastor erfüllte den Auftrag. Und zur Verlegung des Stolpersteins reiste auch Richard Werners Enkel Karl-Heinz Schleuder aus Grasberg bei Bremen an. Er war ein kleiner Junge, als die Nationalsozialisten seinen Großvater verschleppten.

Bildtexte:
Hier wohnte Richard Werner mit seiner Familie, bevor die Nazis ihn verschleppten. Die evangelisch-reformierte Gemeinde ist Patin des Stolpersteins am Blumenhaller Weg 44a. Pastor Günter Baum erfüllte den Auftrag von Werners verstorbener Tochter.
Vor dem Unglück: Richard Werner mit seinem Enkel KarlHeinz Schleuder, der sieben Jahrzehnte später auch bei der Stolpersteinverlegung dabei war.
Foto:
Klaus Lindemann

Stolpersteine

Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, aller Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher 598 Kommunen anschlossen; außer in Deutschland auch in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Norwegen, den Niederlanden und der Ukraine. Dort liegen inzwischen 26 000 Stolpersteine, in Osnabrück sind es knapp 120. Gunter Demnig hat die ersten 8000 Gedenksteine selbst hergestellt, doch wegen der wachsenden Beteiligung gab er die Produktion an einen Bildhauer in Berlin ab. Einmal im Jahr besucht er Osnabrück, um Stolpersteine zu verlegen so auch den für Richard Werner. Meist lässt sich der Künstler von Berufsschülern vertreten, während er zwischen Oslo und Rom unterwegs ist. Für künftige Verlegungen erbittet das Büro für Friedenskultur Hinweise von Zeitzeugen über NS-Opfer: Telefon 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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