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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Selbsthilfegruppen sollen raus aus der City
Zwischenüberschrift:
Umzug zum Kreishaus geplant / Stadt hat andere Pläne für das Haus der Gesundheit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
44 Selbsthilfegruppen aus Stadt und Landkreis Osnabrück treffen sich regelmäßig im Haus der Gesundheit in der Hakenstraße. Voraussichtlich Ende des Jahres werden sie diese Räume in der Osnabrücker Innenstadt verlassen müssen. Die Empörung ist groß.

Osnabrück Die Stadt kann doch nicht einfach unsere Anlaufstelle dichtmachen″, sagt Martina Hollmann. Die Mittvierzigerin ist in der Lymphselbsthilfe aktiv, die sich regelmäßig im Haus der Gesundheit trifft eine von gegenwärtig 44 Selbsthilfegruppen in der Region, die wöchentlich oder einmal im Monat die zentral gelegenen Gruppenräume nutzen. Im Schnitt haben diese Gruppen zehn Teilnehmer. Sie erhalten bei ihrer Arbeit Unterstützung von dem mit drei Mitarbeiterinnen besetzten Selbsthilfebüro.

Dieses Büro soll ins Kreishaus am Schölerberg ziehen. Und dort wollen Stadt und Landkreis auch den Selbsthilfegruppen Besprechungsräume zur Verfügung stellen, wie Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises, unserer Redaktion auf Anfrage bestätigte.

Das Kreishaus komme für ihre Gruppe aufgrund seiner abgelegenen Lage aber nicht infrage, betont Martina Hollmann, und das werde von vielen Gruppen so gesehen. Und ihre erst vor wenigen Monaten neu gedruckten Flyer könnten sie dann wegen falscher Adressdaten entsorgen.

Anlass des Ganzen ist, dass das Haus der Gesundheit aufgegeben werden soll, sodass dieser Standort für die Planungen eines künftigen Schulstandortes berücksichtigt werden kann″, wie Riepenhoff mitteilte. Seit Jahren gibt es Überlegungen, die Förderschule Rolandsmauer, Hauptschule Innenstadt und Möserrealschule zusammenzulegen. Der Gesundheitsdienst soll ins Gebäude der Landkreisverwaltung ziehen und zieht die Selbsthilfegruppen mit. Der Termin stehe noch nicht fest und hänge vom Baufortschritt des neuen Anbaus an das Kreishaus ab, so Riepenhoff. Die Gruppen wurden allerdings bereits Ende Januar vom Gesundheitsdienst darüber informiert, dass ihnen die Gruppenräume in der Hakenstraße voraussichtlich ab Ende des Jahres nicht mehr zur Verfügung stehen.

Gisela Löhberg, Leiterin der Selbsthilfegruppe Pflegende Angehörige, spricht für mindestens drei weitere Gruppen, wenn sie darauf hinweist, dass ein Wegfall der Räume in der Innenstadt einen massiven Einschnitt in die Arbeit der Betroffenen bedeuten würde. Sie gibt zu bedenken, dass die bisherigen Räume sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit Fahrrad und Auto gut erreichbar seien, wohingegen das Kreishaus für viele Menschen eine längere und bei Umstiegen mit dem Bus auch zeitaufwendigere Anfahrt bedeute: Zeit, die gerade pflegende Angehörige oft nicht hätten. Würde man auf Cafés ausweichen, bestünde eine Verzehrpflicht und, weitaus problematischer, so Löhberg, die unverzichtbare Vertraulichkeit wäre nicht gewährleistet. Ein weiterer Vorteil der Gruppenräume im Haus der Gesundheit sei ihre Neutralität hinsichtlich religiöser oder weltanschaulicher Orientierungen.

Wenn ich mich recht erinnere″, so Löhberg, gab es vor 15 Jahren eine Vereinbarung zwischen Stadt und Landkreis Osnabrück über die Zusammenlegung der Gesundheitsdienste, in der ein Büro in der Innenstadt als Kontaktstelle zugesagt wurde.″ Eine solche Vereinbarung sei durchaus verbindlich, erklärte dazu auf Nachfrage Landkreissprecher Riepenhoff, sie könne aber zwischen den Betroffenen einvernehmlich geändert werden.

Eine Initiative der Selbsthilfegruppen hat sich unter anderem an den Sozial- und Gesundheitsausschuss des Osnabrücker Rates gewandt. Dessen Vorsitzende Anke Jacobsen (Grüne) betonte in der Sitzung am Mittwochabend: Ich halte es für sehr wichtig, weiterhin für einzelne Gruppen ein Angebot in der Stadt vorzuhalten.″ Karin Heinrich, Fachbereichsleiterin Soziales bei der Stadt, sagte, die Stadt schätze die Arbeit der Selbsthilfegruppen. Wir nehmen uns der Sache an und gucken, was es für Optionen gibt.″ Pressesprecher Riepenhoff teilte mit, Gesundheitsdienstleiter Gerhard Bojara habe bereits bei der Stadt angeregt zu prüfen, ob noch weitere städtische Räume von Selbsthilfegruppen genutzt werden könnten.

Bildtext:
Das Haus der Gesundheit in der Hakenstraße wird aufgegeben. Mit dem Gesundheitsdienst sollen auch die Selbsthilfegruppen ans Kreishaus am Schölerberg ziehen.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Am Rand

Dass die Empörung über einen drohenden Umzug der Selbsthilfegruppen aus dem Zentrum Osnabrücks ins abgelegene Kreishaus so groß ist, hängt sicher zum einen mit der schwierigeren Erreichbarkeit zusammen. Doch noch entscheidender dürfte sein, dass die Betroffenen dadurch das Gefühl bekämen, als Randgruppen auch noch räumlich an den Stadtrand gedrängt zu werden.

Die meisten Gruppen sind klein. Es gibt eine Selbsthilfegruppe für Hochsensible, für Eltern von Schlaganfallkindern, für Stotterer. Drei Beispiele von 44. Die Zahl der Betroffenen ist oft niedrig umso wichtiger ist für sie die Möglichkeit, sich mit Leidensgenossen auszutauschen, da es für ihre sehr speziellen Probleme meist kein großes Hilfenetz gibt. Dass die Existenz der Selbsthilfegruppen wertvoll ist, wird niemand bei Stadt und Landkreis bestreiten. Um sie weiter in ihrer Arbeit zu ermutigen, sollte eine bessere Raumlösung gefunden werden.
Autor:
Sandra Dorn, Petra Pieper


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