User Online: 3 | Timeout: 19:57Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gedenken an finnische Jäger
Zwischenüberschrift:
Auf Johannisfriedhof ruhende Weltkriegssoldaten 101 Jahre nach tödlichem Zugunglück geehrt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Gräberfeld für die Toten des Ersten Weltkriegs in der V. Abteilung des Johannisfriedhofs ist wenig bekannt und kaum beachtet. Ganz hinten rechts ruhen auch finnische Soldaten. 101 Jahre nach ihrem Tod bekamen die zwölf finnischen Jäger jetzt Besuch aus ihrer Heimat und wurden mit Kränzen geehrt.

Osnabrück Jäger″ sind in diesem Zusammenhang nicht Waidmänner, die Wild erlegen, sondern eine Truppengattung des Heeres. Jäger gehören wie Fallschirmjäger oder Gebirgsjäger zur Infanterie. Im Ersten Weltkrieg meldeten sich 1900 junge Finnen als Freiwillige zur Ausbildung im preußischen Jägerbataillon Nr. 27. Sie nahmen nicht nur an Lehrgängen teil, sondern kämpften auch auf deutscher Seite gegen Russland. Bürgerlich-demokratische Kräfte in Finnland hatten die Absicht, die gut ausgebildeten Jäger zum Kern einer eigenen Armee zu machen, die Finnland aus der russischen Oberherrschaft befreien sollte.

Zwölf dieser Jäger starben am 15. Januar 1918 bei einem Eisenbahnunglück zwischen Ostercappeln und Bohmte, als ein D-Zug aus Hamburg auf ihren Militärzug auffuhr. Insgesamt waren 31 Tote und 66 Verletzte zu beklagen, die meisten deutsche Soldaten auf dem Weg in den Urlaub. Mit militärischem Zeremoniell wurden die Finnen an der Seite ihrer deutschen Kameraden auf dem Johannisfriedhof beigesetzt.

In der finnischen Öffentlichkeit genießen die preußisch ausgebildeten Jäger eine besondere Verehrung, weil sie für die Erlangung der finnischen Unabhängigkeit vom zaristischen wie auch später vom bolschewistischen Russland stehen. Der Traditionsverband der finnischen Jäger hat dabei die zwölf in Osnabrück bestatteten Mitglieder nicht vergessen und schon beizeiten ihre Grabsteine mit dem Jäger-Ehrenkreuz in Bronze verziert.

Eigentlich schon zu ihrem 100. Todestag sollten die zwölf nochmals eine besondere Ehrung durch Aufstellen einer Gedenk- und Informationstafel auf dem Johannisfriedhof erfahren. Aus terminlichen Gründen gingen 101 Jahre ins Land. Doch das tat der Feierlichkeit keinen Abbruch, als jetzt eine hochrangige Delegation von neun ehemaligen Generälen und Offizieren der finnischen Jägerstiftung Kränze und Blumengestecke an den Gräbern niederlegte. Zwei Mitglieder der Delegation hatten eine besonders enge Beziehung, weil zwei der hier Ruhenden zu ihrer Verwandtschaft gehören. Eine Abordnung des Reservisten-Verbandes der Bundeswehr, der gemeinsam mit der Kriegsgräber-Fürsorge für die Pflege des Gräberfeldes einsteht, säumte mit brennenden Fackeln den Weg zu den Gräbern.

Der Präsident der Jägerstiftung, Generalmajor a. D. Jukka Pennanen, enthüllte gemeinsam mit Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep die Gedenktafel. Deren Zustandekommen geht auf die Zusammenarbeit von städtischer Friedhofsverwaltung , vertreten durch Eva Güse, mit dem Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof, vertreten durch Rainer Hafke und Niels Biewer, zurück.

Fillep bezeichnete die Veranstaltung als ein wunderbares Beispiel gelebten europäischen Zusammenhalts″ in der Friedensstadt . Pennanen dankte in perfektem Deutsch der Stadtverwaltung und den Osnabrücker Bürgern, dass sie das Gedenken an seine finnischen Landleute auch zu ihrer Sache gemacht hätten, und speziell der Witwe des Osnabrücker Geschichtsforschers Koch, dessen Untersuchungen zu den finnischen Jägern er für das finnische Nationalarchiv entgegennehmen durfte.

Gleichzeitig übergab er ein mit 1000 Euro dotiertes Stipendium an die Fachschaft Geschichte des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums, vertreten durch Lehrerin Sylvia Landscheidt, auf dass die Erinnerung an wichtige Epochen der europäischen Geschichte auch durch aktuelle Nachforschungen wach bleibe. Der in Osnabrück lebende finnische Theologe Juha Eerola stimmte Ein feste Burg ist unser Gott″ an, das erst auf Finnisch und dann auf Deutsch gesungen wurde. Ein Empfang im historischen Friedenssaal des Rathauses rundete den Besuch der finnischen Delegation ab.

Bildtexte:
Eine finnische Delegation war eigens für die Zeremonie angereist.
Die Gedenktafel geht auf eine Kooperation von Friedhofsverwaltung und Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof zurück.
Fotos:
David Ebener
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste