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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kreis will neue Stromtrassen abwenden
 
Landkreis lehnt zusätzliche Stromtrassen ab
Zwischenüberschrift:
Skepsis gegenüber Netzentwicklungsplan / Bürgermeister fordern „gerechte Verteilung der Lasten″
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Landkreis Osnabrück spricht sich gegen weitere Höchstspannungsleitungen in der Region aus. Im Osnabrücker Land würden bereits mehrere 380-Kilovolt-Leitungen gebaut, sodass für neue Vorhaben andere Trassen gesucht werden sollten, sagte Kreisrat Winfried Wilkens als Reaktion auf den jüngsten Entwurf des Bundes-Netzentwicklungsplans. Dieser hatte zwei zusätzliche Höchstspannungsleitungen ins Spiel gebracht, die möglicherweise durch das Osnabrücker Land führen könnten. Auch die Bürgermeister der Region lehnen weitere Stromautobahnen ab. Der Landkreis sei diesbezüglich bereits erheblich vorbelastet″, sagte Reinhard Scholz (CDU) als Sprecher der Bürgermeisterkonferenz und forderte beim Netzausbau eine gerechte Verteilung der Lasten″.

Zwei zusätzliche Höchstspannungsleitungen könnten künftig durch das Osnabrücker Land geführt werden das geht aus dem jüngsten Entwurf des Netzentwicklungsplans der Übertragungsnetzbetreiber hervor. Im Landkreis stößt das auf Widerstände.

Osnabrück In einer Pressemitteilung sprach sich der Landkreis Osnabrück umgehend gegen weitere Trassen in der Region aus. Kreisrat Winfried Wilkens führte darin insbesondere zwei Gründe an, warum andere Trassen gewählt werden sollten: Der Landkreis Osnabrück leistet nicht nur einen erheblichen Beitrag zur Energiewende durch den Ausbau erneuerbaren Energien. Im Osnabrücker Land wurden beziehungsweise werden auch bereits mehrere 380-Kilovolt-Leitungen gebaut.″ Der Landkreis werde sich deshalb im Konsultationsverfahren der Bundesnetzagentur zu den zusätzlichen Leitungen skeptisch äußern″, hieß es weiter.

Rückhalt der Kommunen

Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister teilen die Einschätzung von Kreisrat Wilkens voll und ganz″, sagte Reinhard Scholz (CDU), Bürgermeister der Stadt Melle und Sprecher der Bürgermeisterkonferenz der Städte und Gemeinden im Landkreis Osnabrück, auf Anfrage. Der Landkreis sei ein erheblich vorbelasteter Raum″ mit mehreren geplanten 380-kV-Höchstspannungsleitungen und vielen Umspannstationen. Natürlich wissen wir alle, dass die Energiewende neue Stromtrassen erfordert, aber wir wünschen uns eine gerechte Verteilung der Lasten″, sagte Scholz.

Kritik übte Scholz an den aktuellen Planungen für die 380-kV-Leitung, die von Bad Essen-Wehrendorf über das Umspannwerk Osnabrück-Lüstringen nach Gütersloh geführt werden soll. Diese war vom Gesetzgeber als Pilottrasse für eine Teilerdverkabelung ausgewiesen worden; in den aktuell ins Raumordnungsverfahren eingebrachten Entwürfen des zuständigen Netzbetreibers Amprion ist bislang aber nur ein vier Kilometer langer Teilabschnitt bei Osnabrück als Erdkabel verzeichnet. Sollte es dabei bleiben, sei das Gesetz Augenwischerei″ und habe nichts mit Redlichkeit der Politik zu tun″, beklagte Scholz. Wir Bürgermeister bleiben dabei, dass wir eine weitergehende Erdverkabelung auf der Trasse fordern″, stellte er klar.

Vorbehalte äußerte auch Frank Vornholt, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Keine 380-kV-Freileitung am Teuto″ und unabhängiger Landratskandidat aus Melle. Auch er setzt sich seit Jahren dafür ein, die 380-kV-Leitung von Wehrendorf nach Gütersloh möglichst als Erdkabel unterirdisch zu verlegen. Er befürchte, dass mögliche zusätzliche Leitungen in Zukunft entlang der derzeit in Planung befindlichen Trasse verlegt würden, sagte Vornholt auf Anfrage. Tatsächlich folgt auch der Planungskorridor für die neue 380-kV-Trasse dem Verlauf der bestehenden 220-kV-Leitung.

Zwei Unterschiede gebe es allerdings, erläuterte Vornholt: Zum einen handele es sich bei den im Netzentwicklungsplan genannten Leitungen um Gleichstromtrassen, die weniger Kabel und damit weniger Platz benötigten als die 380-kV-Wechselstromleitung. Zum anderen gelte für diese Gleichstromtrassen der Erdkabelvorbehalt, das heißt, sie müssten unterirdisch verlegt werden anders als die aktuelle 380-kV-Trasse, die eben nur für eine Teilerdverkabelung ausgewiesen sei. Es ist also gut möglich, dass die 380-kV-Leitung jetzt als Freileitung gebaut wird und in einigen Jahren direkt daneben ein Erdkabel für die neue Gleichstromtrasse verlegt wird″, warnte Vornholt.

Kritik an Salamitaktik″

Aus planerischer Sicht sei absolut verwerflich″, dass die Netzentwicklung nicht in ihrer Gesamtheit betrachtet werde, kritisierte Vornholt. Bereits im Netzentwicklungsplan von 2014 sei ein Gleichstrom-Korridor durch das Osnabrücker Land verzeichnet gewesen auf mehrfache Anfragen der BI habe Amprion aber stets beteuert, dass dieser nicht erforderlich sei; nun zeige sich, dass der Korridor doch benötigt werde. Dieses Abkoppeln der Verfahren voneinander″ führe zu einer deutlichen Mehrbelastung bei der Planung. Diese Salamitaktik ärgert mich″, sagte Vornholt.

Ausdrücklich lobten Scholz und Vornholt die Unterstützung durch den Landkreis. Das Zusammenspiel sei exzellent″, sagte Scholz; die Bürgermeister fühlten sich bei der Netzentwicklungsplanung sehr gut vertreten″. Auch BI-Sprecher Vornholt würdigte die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit″. Er gehe davon aus, dass der Landkreis in der Angelegenheit weiterhin eine sehr laute und sehr starke Rolle″ einnehmen werde, sagte er.

Bildtext:
Als Erdkabel sollen die im jüngsten Entwurf des Netzentwicklungsplans vorgesehenen zusätzlichen Höchstspannungstrassen verlegt werden möglicherweise durch das Osnabrücker Land.
Symbolfoto:
dpa/ Julian Stratenschulte

Stromautobahnen in der Region
Um den im Norden überschüssig erzeugten Strom in den Süden zu verteilen, sind den Übertragungsnetzbetreibern zufolge zusätzliche Gleichstrom-Erdkabel notwendig. Im neuen Entwurf des Netzentwicklungsplans, der ein Szenario für das Jahr 2030 aufzeigt, sehen sie deshalb zwei zusätzliche Stromtrassen vor. Eine konkrete Empfehlung für Verläufe dieser Stromautobahnen″ gibt es nicht, allerdings wird die Verbindung vom Startpunkt Heide/ West (Schleswig-Holstein) über Wilhelmshaven 2 (Niedersachsen) nach Uentrop (Nordrhein-Westfalen) als eine Art breite Wolke dargestellt. Diese führt von Heide über das Meer nach Wilhelmshaven und von dort gen Süden bis Uentrop. In der Breite reicht sie vom Emsland nahe der niederländischen Grenze im Westen bis nach Bremen im Osten. Auch das Osnabrücker Land liegt in dem möglichen Trassengebiet.

Bereits in Planung sind im Gebiet des Landkreises mehrere 380-kV-Leitungen, die für Wechselstrom ausgelegt sind:

von St. Hülfe bei Diepholz nach Bad Essen-Wehrendorf,

von Wehrendorf ins Umspannwerk Osnabrück-Lüstringen,

von Lüstringen nach Gütersloh,

von Lüstringen nach Westerkappeln und

von Cloppenburg nach Merzen.

Der Landkreis verweist in seiner Mitteilung zudem auf seine kürzlich vorgelegte Treibhausgasbilanz, der zufolge der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromsektor bereits bei 80 Prozent liege. Das selbst gesteckte Ziel, bis 2030 hundert Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu produzieren, werde der Landkreis demnach erreichen.
Autor:
Constantin Binder


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