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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Baukosten schießen durch die Decke
 
Turnhalle wird viel teurer als geplant
Zwischenüberschrift:
Warum die Baukosten immer weiter steigen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Baukonjunktur läuft heiß. Schmerzliche Folge für alle Auftraggeber: Die Baukosten steigen. Das bekommt auch die Stadt Osnabrück zu spüren, die für zwei Großprojekte erheblich tiefer in die Stadtkasse greifen muss. Der Neubau der Turnhalle der Berg- und Waldschule Lüstringen wird voraussichtlich um 25 Prozent teurer. Aus vier Millionen werden nach aktueller Planung rund fünf Millionen Euro. Die marode, 60 Jahre alte Turnhalle ist seit anderthalb Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Abriss soll in den Osterferien beginnen. Einen Kostensprung gibt es auch beim Bau einer Kindertagesstätte in der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße. Statt 5, 1 Millionen Euro sind es dort 6, 5 Millionen. Am Dienstagabend befasste sich der Finanzausschuss mit den beiden Fällen.

Die Marktgesetze funktionieren: Weil die Baufirmen zurzeit viel zu tun haben, lassen sie sich gut bezahlen. Sichtbar wird das an zwei Projekten der Stadt. Die ursprünglichen Kalkulationen sind nichts mehr wert.

Osnabrück Die 60 alte Sporthalle der Lüstringer Waldschule und der Bergschule ist so marode, dass sie im August 2017 von heute auf morgen gesperrt werden musste. Bei der routinemäßigen Kontrolle der Statik hatten Experten gravierende Verwerfungen im Tragwerk festgestellt. Die Halle wurde wegen Einsturzgefahr sofort geschlossen.

Als der Stadtrat vor fast genau einem Jahr den Neubau einer Zweifeldhalle mit kleiner Tribüne beschloss, kalkulierte der Eigenbetrieb Immobilien mit Gesamtkosten von 3, 9 Millionen Euro. Von einer Kostenannahme″ war damals die Rede, die jetzt durch eine Kostenberechnung″ präzisiert wurde. Aus 3, 9 Millionen sind binnen eines Jahres 4, 9 Millionen Euro geworden. Die Kostensteigerung beruht im Wesentlichen auf der Fortschreibung der Planung und der Berücksichtigung der aktuellen wirtschaftlichen Lage im Bauhandwerk in der Region″, teilte die Verwaltung den Politikern schriftlich mit.

Auch in einem zweiten Fall, mit dem sich gestern der Immobilienausschuss zu befassen hatte, klaffen ursprüngliche Annahme und berechnete Kosten erheblich auseinander. Die Kindertagesstätte, die in Osnabrücks derzeit größtem Baugebiet in der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße entstehen soll, wird 6, 5 Millionen Euro kosten 1, 4 Millionen Euro mehr als zunächst gedacht. Wir merken die Baukonjunktur immer stärker″, sagte Dirk König, Leiter des Eigenbetriebs Immobilien, im Ausschuss. Die Preissteigerungen liegen nach unserer Meinung auch deutlich über dem durchschnittlichen Index von 4, 8 Prozent.″ Der Markt sei überhitzt″.

Fritz Brickwedde (CDU) empfahl einen Blick nach Holland, wo billiger gebaut werde. Müssen wir aus jedem Bauwerk ein individuelles Kunstwerk machen? Können wir mehr auf standardisierte Bauteile zugreifen?″, fragte Brickwedde. Thomas Thiele (FDP) sagte, standardisiertes Bauen heiße auch, dass wir es nicht allen immer recht machen können″.

Christian Staub, Bauunternehmer aus Osnabrück und Präsident des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen, sieht in der guten Baukonjunktur nur einen von mehreren Gründen für die steigenden Preise. Ein wichtiger Faktor seien die Gebühren für die Bodenentsorgung, sagte er unserer Redaktion. Die Kosten für Erdarbeiten und Deponierung des Aushubs sind nach seinen Angaben in zwei Jahren um 40 Prozent explodiert. Heute machten die Erdarbeiten beim Bau eines Einfamilienhauses einen Anteil von zehn Prozent der Gesamtkosten aus, früher waren es ein bis zwei Prozent. Höhere Energiestandards und die neue Gewerbeabfallordnung mit schärferen Trennungsvorschriften seien weitere Kostentreiber″, so Staub. Und im Mai 2018 gab es im Baugewerbe eine Lohnerhöhung um gut sieben Prozent.″ Die sei gewiss nötig gewesen, um den Berufsstand attraktiv zu halten, wirke sich aber auch auf die Endpreise aus.

Bildtext:
Die Turnhalle der Waldschule Lüstringen ist seit August 2017 wegen Einsturzgefahr gesperrt. Der Neubau wird, wie sich jetzt herausstellt, um eine Million Euro teurer als ursprünglich gedacht.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
In der Pflicht

Wer sich als privater Bauherr bei den Kosten seines Eigenheims um 25 Prozent verschätzt, muss entweder neu planen oder sich von vielen schönen Träumen trennen. Und was macht eine Stadt? Kann sie, wenn die Kosten plötzlich durch die Decke gehen, einfach alles wieder auf Anfang stellen?

Wohl kaum. Das gilt insbesondere für das Turnhallen-Projekt in Gretesch-Lüstringen. Es ist schon ein Armutszeugnis für Osnabrück, dass eine Sporthalle wegen akuter Einsturzgefahr sofort geschlossen werden muss. Die Stadt steht im Wort. Sie kann nicht einfach die Planungen für Schulbauten und Turnhallen anhalten, auch wenn′s plötzlich einige Millionen Euro mehr kostet.

Man mag Raffgier im Baugewerbe beklagen, Vorschriften für überzogen kleinlich halten oder blauäugige Planer kritisieren. Tatsache ist: So funktioniert der Markt.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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