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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie die Stadt Wohnungsnot bekämpft
 
Neue Wohnungen für kleines Geld
Zwischenüberschrift:
Stadt baut jetzt selbst / Kaltmiete von 5,60 Euro pro Quadratmeter
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Kleines Projekt mit großer Symbolkraft: Die Stadt Osnabrück steigt selbst in den Wohnungsmarkt ein und baut im Stadtteil Wüste für 2, 8 Millionen Euro 21 Sozialwohnungen. Der Rat hat bereits im Dezember den Plänen für zwei Gebäude an der Kokschen Straße grundsätzlich zugestimmt, mit deren Bau möglichst noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Die Wohnungen sind dem Entwurf zufolge zwischen 50 und 75 Quadratmeter groß und sollen an Menschen mit niedrigem Einkommen vermietet werden. Die Kaltmiete soll nach der Kalkulation des Eigenbetriebes Immobilien der Stadt bei 5, 60 Euro liegen, was eine Monatsmiete von 280 Euro für eine 50-Quadratmeter-Wohnung ergibt. Das Bauprojekt geht zurück auf eine Wohnbauoffensive des Rates vom Mai vergangenen Jahres.

Die Stadt Osnabrück nimmt den sozialen Wohnungsbau nun selbst in die Hand. In der Wüste entsteht ein Haus mit 21 Wohneinheiten und unschlagbar niedrigen Mieten.

Osnabrück Die Stadt wird damit unternehmerisch tätig. Wichtigster Unterschied zum privaten Unternehmertum: Sie will mit dem Investment keine Gewinne erzielen, eine schwarze Null reicht ihr. Selbst erfahrene Politiker und Verwaltungsleute wie der Leiter des Eigenbetriebs Immobilien, Dirk König, können sich nicht erinnern, dass die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten vergleichbare Wohnbauprojekte auf den Weg gebracht hätte.

Das Grundstück im Hinterland der Kokschen Straße gehört der Stadt. Bäume und Büsche sind in den Winterwochen schon abgeräumt worden. Wann der Bau beginnt, ist noch nicht klar. Wenn es nach der Politik geht: so schnell wie möglich.

Geplant sind zwei Baukörper in Passivhausstandard mit insgesamt 21 Wohneinheiten, die durch Laubengänge erreichbar sein werden. Die Wohnungen sind zwischen 50 und 75 Quadratmeter groß. Zwei Wohnungen sind barrierefrei geplant. Die Baukosten schätzt der Eigenbetrieb Immobilien auf 2, 8 Millionen Euro.

Die Wohnungen sind Menschen vorbehalten, die über einen Wohnberechtigungsschein verfügen, also bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Für Alleinstehende zum Beispiel legt das niedersächsische Wohnraumfördergesetz die Grenze bei 17 000 Euro Jahreseinkommen fest. Die Sozialbindung der Wohnungen hält 30 Jahre an.

Nach der Kalkulation des Eigenbetriebs Immobilien können die Wohnungen an der Kokschen Straße für 5, 60 Euro pro Quadratmeter (kalt) vermietet werden. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung wird also 280 Euro monatlich kosten.

Zum Vergleich: Der Osnabrücker Mietpreisspiegel sieht für Neubauwohnungen dieser Größe eine Kaltmiete von 7, 91 Euro pro Quadratmeter vor das entspricht einer Monatsmiete von 395 Euro.

Möglich ist die niedrige Miete, weil die Stadt mit sehr spitzem Bleistift rechnet, den Grundstückspreis niedrig ansetzt und auf eine Verzinsung des Eigenkapitals verzichtet. Der Eigenbetrieb kann staatliche Fördermöglichkeiten wie ein zinsloses Darlehen (bis zu 85 Prozent des Gesamtbetrages) und einen Tilgungsnachlass von 15 Prozent nach zwanzig Jahren in Anspruch nehmen.

Dass die Stadt sozialen Wohnungsbau selbst in die Hand nimmt, geht auf einen Beschluss des Rates vom Mai 2018 zurück. Darin werden die städtischen Tochtergesellschaften aufgefordert, nach Möglichkeiten zu suchen, auf eigenen Grundstücken Wohnungen zu bauen.

Weiter heißt es in dem Beschluss des Stadtrates: Der Eigenbetrieb Immobilien erwirbt und mietet Gebäude und initiiert Neubauten, um Wohnraum für sozial Schwache zur Verfügung zu stellen.″ Das Projekt an der Kokschen Straße ist das erste sichtbare Ergebnis dieses Beschlusses.

Der Neubau wurde in den Sitzungen der Fachausschüsse von allen Fraktionen gutgeheißen. Finanzchef Thomas Fillep sagte im Finanzausschuss, Ziel sei, das Projekt mit einer schwarzen Null abzuschließen. Das Kostenwagnis″ liege bei der Stadt. Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke (UWG) sagte, es sei wichtig, eine Hausgemeinschaft als Mieter zu finden, welche nicht nach wenigen Jahren bereits eine Sanierung erforderlich macht″.

Bildtext:
Die Stadt macht in Immobilien: Auf diesem Grundstück an der Kokschen Straße entstehen zwei Passivhäuser mit zusammen 21 Wohneinheiten für Menschen mit niedrigem Einkommen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Den nächsten Schritt machen

Es ist fast schon absurd: Da sammelt das Osnabrücker Bündnis für bezahlbaren Wohnraum monatelang Unterschriften, um zu erzwingen, dass die Stadt eine Wohnungsbaugesellschaft gründet. Und jetzt geht die Stadt von selbst daher und fängt in der Kokschen Straße bereits an zu bauen. Einfach so.

CDU/ BOB, FDP und UWG/ Piraten haben in den vergangenen Jahren mit einer Einstimmenmehrheit die Neugründung einer Wohnungsbaugesellschaft verhindert, gegen den Hausbau hatten sie nichts. Da stimmten sie wie alle anderen Fraktionen dafür. Das passt nicht zusammen.

Der Hausbau mit Sozialwohnungen an der Kokschen Straße ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der Bedarf ist viel höher. 2013 waren noch 2068 Mietwohnungen in Osnabrück sozial gebunden, bis Ende 2020 werden es nur noch halb so viele sein, so lauten die Prognosen.

Mehr Häuser in Eigenregie zu bauen beziehungsweise zu kaufen, zu bewirtschaften und zu vermieten würde allerdings den Eigenbetrieb Immobilien in der Stadtverwaltung überfordern. Und mal hier und mal da auf andere kommunale Beteiligungsgesellschaften wie die Stadtwerketochter Esos zu setzen wäre ein unsystematisches Herumdoktern.

Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zu gründen ist der nächste konsequente Schritt, dem sich die Gegner bislang verweigert haben.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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