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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Theater zum Museum machen?
Zwischenüberschrift:
Schauspielfans lassen sich die 80 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahmen erklären
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Nach einer zweistündigen Führung zur Theatersanierung″, einem umfassenden Blick hinter die Kulissen, verstanden viele Teilnehmer, warum dafür Kosten in Höhe von 80 Millionen aufgewandt werden sollen.

Osnabrück Hans-Werner Jastram ist positiv überrascht: Unsere Fragen wurden mit großer Offenheit beantwortet″, sagt der 78-jährige Rentner. Gerade hat er das Osnabrücker Theater besucht und sich erklären lassen, warum es 80 Millionen Euro kosten soll, um das Haus technisch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Das ist ja ein ungeheurer Betrag″, sagt der Wallenhorster Theaterfan. Aber in dem Gebäude ist offenbar viel marode, was der Zuschauer so gar nicht mitbekommt. Und ich habe das Gefühl, als würde die Sanierung gewissenhaft und mit der nötigen Sorgfalt geplant. Nicht so wie bei der Gorch Fock″, meint Jastram und bezieht sich damit auf das Schulschiff der Bundeswehr, bei dem die Sanierungskosten explodiert sind.

Staunend steht er jetzt mit anderen Besuchern in einem Raum im Keller des Theaters. Hier sind die großen Elektroschränke untergebracht, mit denen der Betrieb von Scheinwerfern im Bühnenraum gewährleistet werden soll. Altmodisch sehen sie aus. In einer Ecke des Kellerraums entdeckt er auf einem Tisch ein Modul aus einem der Schränke, das offenbar nicht mehr funktionsfähig ist und ausgewechselt werden müsste. Die Technik ist aus den 1980er-Jahren. Wenn etwas kaputt geht, müssen wir es selbst reparieren, weil es für diese Dimmerschränke keine Ersatzteile mehr gibt″, erklärt Jens Griese. Er ist der Chef des Gebäudemanagements und versucht den knapp 30 Besuchern zu erklären, warum die Sanierung des Kulturhauses so teuer sein wird.

Führung zur Theatersanierung″ heißt das Angebot an die Bürger, sich vor Ort mit den Bedingungen vertraut zu machen, unter denen das Theaterteam Produktionen realisiert. Griese zeigt den neugierigen Teilnehmern die schadhaften Gussrohre an den Decken, aus denen bisweilen Abwasser tropft. Vorbei an der veralteten Lüftungsanlage im Keller geht es zum Inspizientenpult neben der Bühne, der Schaltzentrale des Theaters. Auch hier bekommt man das Gefühl, als habe der Zahn der Zeit mächtig an der Technik genagt. Im Orchesterproberaum erfährt man darüber hinaus, dass es im Sommer zu heiß wird und die Akustik durch großflächig verlegte Estrichböden beeinträchtigt ist.

Warum legt man das ganze Gebäude nicht einfach still und macht daraus ein Theatermuseum″, fragt ein Teilnehmer an der Führung. Matthias Köhn, der kaufmännische Direktor des Hauses, reagiert gelassen auf die provokante Frage. Als Antwort beschreibt er die drei Varianten, mit denen man auf die derzeitige Situation des Theaters reagieren kann: Entweder machen wir weiter wie bisher und reparieren, was akut defekt ist, oder wir bauen irgendwo in der Stadt ein ganz neues Theater. Die dritte Variante, die Sanierung, ist, so haben Sachverständige errechnet, die kostengünstigste″, erklärt Köhn.

Bis unter das Dach des Bühnenturms, wo sich in 18 Meter Höhe der sogenannten Schnürboden befindet, steigen die Teilnehmer der Führung. Wer schwindelfrei ist, kann von hier auf die Bühne herunterschauen, wo gerade Beleuchtungsproben für das Stück Bauhaus/ Bolero″ stattfinden. Ich bin seit Jahrzehnten begeisterter Theatergänger. Obwohl ich hier auch häufig als Statist tätig war, habe ich gerade Dinge erfahren, von denen ich vorher nichts wusste″, erklärt Bernd Brinker aus Osnabrück nach der Führung. Mehr noch als zuvor plädiert er für die Sanierung obwohl sie so teuer ist.

Im Oberen Foyer zeigt Köhn auf einer Leinwand noch einmal alle Fakten zur Sanierung und stellt sich weiteren Fragen der Besucher. Abschließend spendieren die Zuhörer Applaus. Offenbar sind jetzt alle bereit, der Aufforderung des kaufmännischen Direktors zu folgen: Seien sie Botschafter für die Sanierung des Osnabrücker Theaters!

Bildtext:
Warum so teuer? Über die notwendigen Sanierungsmaßnahmen informiert das Osnabrücker Theater interessierte Besucher bei speziellen Führungen durch das Schauspielhaus.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Tom Bullmann


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