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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Endlich wieder Licht im Haus an der Rehmstraße
Zwischenüberschrift:
Reparatur nach drei Wochen ohne Strom geglückt / Eigentümer müssen mit Schadenersatzforderungen rechnen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Osnabrücker Rehmstraße geht eine entbehrungsreiche Zeit zu Ende: Nach fast drei Wochen ohne Strom konnten sie gestern zum ersten Mal wieder in ihren eigenen vier Wänden duschen, kochen und fernsehen.

OSNABRÜCK Dani, hast du es schon gemerkt? Es wird langsam wieder warm! Diese wenigen Worte, gesagt von einer Nachbarin zur anderen, haben an der Rehmstraße 121 ein besonderes Gewicht. Die ältere Dame, die sie ausspricht, tritt mit Winterjacke und Mütze aus dem Haus und steckt eine kleine Taschenlampe in ihre Handtasche. Dani, das ist Daniela Gallien, die gerade vom Gassigehen mit ihrer Hündin Gina nach Hause kommt. In den letzten Tagen war sie so etwas wie die inoffizielle Sprecherin der Mieter des Mehrfamilienhauses. Sie hat zahllose Anfragen der Presse beantwortet. Mit Erfolg.

Die Anwohner der Rehmstraße hatten seit dem 16. Januar keinen Strom mehr. An dem Morgen hatte ein Wasserschaden die Elektronik beschädigt. Die Berufsfeuerwehr Osnabrück vermeldete damals, dass der Keller in- folge eines Rohrbruchs einen halben Meter tief unter Wasser gestanden habe. Dadurch habe es eine elektrische Verpuffung gegeben, in deren Folge der Strom im kompletten Haus durch die Stadtwerke abgestellt werden musste. Für die Bewohner bedeutete das: kein elektrisches Licht, kein warmes Wasser und keine Heizung, und das über drei Wochen.

Der Hausflur, durch den Gallien ihre Gäste an diesem Dienstagnachmittag in ihre Wohnung führt, ist zwar immer noch dunkel. Doch durch die angelehnte Kellertür dringt schon ein Spalt Licht. Da unten wird noch fleißig geschraubt″, sagt Gallien. Ein paar Schritte weiter öffnet sie ihre eigene Wohnungstür. Drinnen ist es hell, stumm läuft der Fernseher, und in der Küche dreht sich die Trommel der Waschmaschine.

Daniela Gallien hat in ihrer Wohnung wieder Strom und warmes Wasser. Die Heizung wird langsam wieder warm. Dass es dazu kommen würde, hätte sie zwischenzeitlich kaum mehr zu träumen gewagt. Zuerst konnten sich die Eigentümer der Wohnungen nicht auf eine Reparaturfirma einigen. Dann sollte das Gutachten einer Versicherung abgewartet werden, die für den Schaden hätte aufkommen sollen. Als diese sich dann weigerte, befürchteten die Bewohner schon, dass sich die Entscheidungsfindung noch weiter verzögern könnte.

Doch nachdem unsere Redaktion auf den Fall aufmerksam gemacht hatte, berichteten auch überregionale Medien über das Haus an der Rehmstraße darunter Bild″, Süddeutsche Zeitung″, NDR, RTL und Sat1. Daniela Gallien stellte sich für sie alle als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Der Druck der Öffentlichkeit bewog die Eigentümer der Wohnungen offenbar letztendlich dazu, eine geplante Versammlung vorzuziehen und noch am selben Abend einen Reparaturauftrag an einen Elektroninstallationsdienst aus Georgsmarienhütte zu vergeben. Am letzten Donnerstag haben die Arbeiten im Keller des Mehrfamilienhauses begonnen, bereits am Wochenende hatten Klingel und Flurlicht zwischenzeitlich wieder funktioniert.

Zuletzt mussten die Handwerker noch einmal in jede einzelne Wohnung, um die Leitungen auf Feuchtigkeit zu überprüfen. Gegen halb elf Uhr am Dienstagmorgen war es dann so weit: Die Handwerker drückten einen Lichtschalter, und in der Wohnung von Daniela Gallien brannte wieder elektrisches Licht. Als sie das zuerst oben in der ersten Wohnung gemacht haben, habe ich gesagt: Macht bloß das Licht wieder aus! Wir sind das gar nicht mehr gewöhnt′″, sagt Gallien.

An die Kälte im Haus könne man sich allerdings nicht gewöhnen, sagen Daniela Gallien und ihre Nachbarn unisono. Zuletzt haben nur noch sechs bis acht Bewohner in dem Haus an der Rehmstraße ausgeharrt. Die entbehrungsreiche Zeit hat sie zusammengeschweißt, doch viele haben sich bei den winterlichen Temperaturen erkältet. Auch Galliens Hündin Gina hüstelt seit einigen Tagen, sie trägt ein Strickjäckchen und nimmt Hustensaft. Die Tierarztrechnung und die Kaufbelege für zwei mobile Öfen will Daniela Gallien ihrem Anwalt übergeben. Er soll für sie die Kosten bei ihrer Vermieterin einklagen. Außerdem will Gallien eine hundertprozentige Mietminderung für den Januar und die ersten Tage des Februars durchsetzen und Schadenersatzansprüche stellen. Vorerst ist Gallien aber erst einmal froh, dass die drei Wochen ohne Strom vorbei sind.

Bildtext:
Es ward wieder Licht: Die Bewohner in der Rehmstraße 121 haben wieder Strom.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Louisa Riepe


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