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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Straße soll weit früher fertig sein
 
Harte Zeiten für Anlieger und Pendler
Zwischenüberschrift:
Vollsperrung der Rheiner Landstraße nur noch 23 statt 30 Monate
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wenn in der Rheiner Landstraße ab Juli dieses Jahres die Kanalisation erneuert wird, ist eine Hauptschlagader der Stadt vom Verkehr abgeklemmt.

Seitdem die Maßnahme das öffentliche Licht erblickt hat, wird vor allem die Dauer des Projekts heftig diskutiert. Nun haben Stadt und Stadtwerke einen Maßnahmenkatalog auf die Beine gestellt, der die Abwicklung der Arbeiten um sieben auf 23 Monate verkürzen soll.

Geplant sind unter anderem 12- oder 16-Stunden-Schichten, auch an Samstagen, Bonuszahlungen bei vorzeitiger Beendigung der Arbeiten oder Strafabzüge, wenn die Unternehmen die Zeitvorgabe überschreiten.

Jetzt bleibt abzuwarten, welche Firmen bei einer europaweiten Ausschreibung diesen ausgesprochen sportlichen Zeitrahmen mitgehen werden.

23 statt 30 Monate Bauzeit wenn die Rheiner Landstraße einen neuen Kanal bekommt, wird sie voll gesperrt werden müssen zulasten der Baustellen-Anwohner, der Menschen, die an den Umleitungsstrecken leben, des Klinikums und nicht zuletzt derjenigen, die diese Hauptschlagader täglich nutzen. Ein Bündel von Maßnahmen macht die kürzere Bauzeit möglich.

Osnabrück Als die ersten Zeitschätzungen für Arbeiten an Osnabrücks westlichem Einfallstor bekannt wurden, war der Schrecken groß. Eine Sperrung der Rheiner Landstraße über mindestens zweieinhalb Jahre war für viele unvorstellbar. Entsprechend groß war der Druck auf die Akteure Stadt und Stadtwerke (SWO Netz) den Bleistift zu spitzen und sämtliche Varianten einer möglichen Bauzeitverkürzung durchzuspielen. Vor allem aus den Reihen der CDU, deren Fraktionsvorsitzender im Rat, Fritz Brickwedde, auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, wurde dem Vernehmen nach massiv auf eine möglichst kurze Bauzeit gepocht.

Spielräume ausgeschöpft

Nun, so heißt es seitens der SWO Netz, sind die Spielräume mit 23 Monaten ausgeschöpft. Das ist keine Standardbaustelle″, so Sprecher Marco Hörmeyer. Allein der zu erneuernde Regenwasserkanal ist mit über 2, 05 Meter Durchmesser mehr als mannshoch. Um ihn zu verlegen, müssen die Arbeiter sechs Meter in die Tiefe und vier Meter in die Breite buddeln. Jeder laufende Meter dieser Baugrube bringt Erdaushub für drei Lkw ans Tageslicht. Zwar ist die Rheiner Landstraße nicht Osnabrücks schmalste Piste, dennoch bleibt so wenig Raum, dass die Bagger nur an den Kopfenden der Grube arbeiten können. An eine halbseitige Sperrung der Straße oder das Umsetzen der Bäume sei bei den Dimensionen nicht zu denken gewesen, so Hörmeyer.

Wie aber kommt es nun zu der Verkürzung der Bauzeit um sieben Monate? Die zuvor genannten etwa 30 Monate beruhten auf ersten Schätzungen zu Anfang der Planungen″, führt Hörmeyer ins Feld. Mit der Konkretisierung der Planungen habe man sämtliche mögliche Maßnahmen in den Blick nehmen können. Folgende acht Punkte zählt Hörmeyer auf: 1. Maßnahmenstart von beiden Enden parallel (Rückertstraße Richard-Wagner-Straße); 2. Maximierung der eingesetzten Kolonnen (parallel vier Kolonnen für Kanal und zwei für die Grundstücksanschlusskanäle [GAK]); 3. phasenversetztes, paralleles Arbeiten von Leitungs- und Straßenbau; 4. phasenversetztes, paralleles Arbeiten von Hauptrohr und Nebenanlagen; 5. 12- oder 16-Stunden-Schichten (inklusive Samstag); 6. Alternative Verlegemethoden (Bohren von Hausanschlüssen); 7. Strafzahlung für Zeitüberschreitung in Höhe von 0, 2 Prozent der Auftragssumme pro Tag (maximal 5 Prozent); 8. Bonuszahlungen zur Beschleunigung.

Sportlicher Zeitplan

Hörmeyer geht nicht davon aus, dass sich diese acht Punkte erheblich auf die Kosten der Baustelle auswirken werden. Ohnehin bleibe nun abzuwarten, wie die Unternehmen innerhalb der europaweiten Ausschreibungen auf diesen sehr sportlichen Zeitplan″ reagieren. Nachdem der Verwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung am Dienstag die Planungen abgesegnet habe, werde die Ausschreibung im Februar veröffentlicht. Die Vergabe soll im Mai erfolgen. Der Baubeginn ist im Juli.

Wir wollen in den Sommerferien beginnen, um mit der Sperrung der Kreuzung Rückertstraße durch zu sein, wenn die Ferien zu Ende sind″, kündigt Hörmeyer an, den Schulbetrieb möglichst von den Baumaßnahmen zu verschonen. Von da an werden sich die Kolonnen stadtauswärts wühlen. Gearbeitet wird parallel an zwei Enden: zum einen zwischen Rückertstraße und Richard-Wagner-Straße und zeitgleich zwischen Richard-Wagner-Straße und Lindemannskamp bzw. im weiteren Verlauf zwischen Lindemannskamp und Mozartstraße. Während dieser Zeit wird die Rheiner Landstraße voll gesperrt sein. Wobei die Kreuzung Richard-Wagner-Straße nur zwei Monate in der Zeit vor Ostern gesperrt sein wird. Die Kreuzung Rheiner Landstraße/ Mozartstraße bleibt durchgängig befahrbar .

Erste Überlegungen, wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet werden kann, sind bereits erfolgt. Die Feinplanung kann aber noch kleinere Änderungen mit sich bringen. Wichtiges Kriterium war die Erreichbarkeit des Klinikums auf dem Finkenhügel. In allererster Linie ging es uns dabei selbstverständlich um die Patienten″, so Brickwedde. Jegliche Zeitverluste oder andere den Krankentransport behindernde Probleme sollten ausgeschlossen werden. Dashaben wir erreicht.″ Seinen Worten nach soll auf der Wilhelmstraße eigens eine Spur für Rettungsfahrzeuge geschaffen werden.

Keine Mehrkosten

Wenngleich das Patientenwohl im Vordergrund gestanden habe, so sei es aber auch wichtig gewesen, einen wirtschaftlichen Schaden durch die Mammut-Baustelle vom Klinikum abzuwenden, so Brickwedde. Fatal wäre seiner Meinung nach gewesen, wenn sich Krankenwagen wegen schlechter Erreichbarkeit des Klinikums den Weg zu anderen Häusern gesucht hätten.

Eine Kostensteigerung für die Anlieger durch die nun ins Auge gefassten Beschleunigungsmaßnahmen erwartet Brickwedde nicht. Die Anlieger sollten sich da keine Sorgen machen.″ Es handele sich um übergeordnete städtische Ziele, die mit der Beschleunigung verfolgt würden. Brickwedde: Das können wir nicht den Anliegern aufdrücken.″

Bildtext:
Noch fließt der Verkehr auf der Rheiner Landstraße. Ab Juli wird die Piste wegen Kanalbauarbeiten für 23 Monate voll gesperrt.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Blaupause für weitere Großbaustellen

Das werden harte Monate für die Anlieger der Rheiner Landstraße, für Pendler und natürlich auch für die Menschen, die an den Umleitungsstrecken wohnen. Aber klagen nutzt nichts. Der Kanalbau ist alternativlos.

Nicht nur, dass der Kanal in die Jahre gekommen und ziemlich marode ist, er ist vor allem für seine zukünftigen Aufgaben völlig unterdimensioniert. Am Finkenhügel entsteht neue Wohnbebauung, Flächen werden versiegelt, Regenwasser muss ebenso abgeführt werden wie das Schmutzwasser. Nicht umsonst misst der neue Kanal einen doppelt so großen Querschnitt wie der alte.

So bitter es auch ist, die Betroffenen müssen die Bauarbeiten hinnehmen. Umso wichtiger ist deshalb, dass Stadt und Stadtwerke die Sorgen und Nöte erkannt haben und nun alles daransetzen, die Bauzeit zu verkürzen. Dass die möglicherweise entstehenden Mehrkosten nicht zulasten der Anlieger gehen dürfen, ist selbstverständlich.

Und wenn es dann einmal so schön geklappt hat mit der Bauzeitverkürzung, können Stadtwerke und Stadt die Rheiner Landstraße ja als Blaupause für weitere Großbauwerke nehmen. Vielleicht hat die ewige Diskussion um die Dauer von Straßenbaustellen dann ja ein Ende. Oder ist das jetzt zu optimistisch?
Autor:
Dietmar Kröger


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