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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine Million Euro für Forschung zum Grün
 
Wie wichtig sind Osnabrücks grüne Finger?
Zwischenüberschrift:
Hochschule und Stadt erforschen für eine Million Euro die Areale, die manch einer gern bebauen würde
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Stadt forciert ihre Baulandentwicklung. Mit jedem neuen Baugebiet verschwinden jedoch wertvolle Grünflächen. Stadt und Hochschule wollen diese grünen Finger jetzt erforschen, bekannter machen und besser nutzen.

Wer Osnabrück aus der Luft betrachtet, kann sie sehen: Grün- und Ackerflächen, die wie Finger in die Stadt hineinragen. In ihnen steckt Konfliktpotenzial: Sollen sie als Frischluftlieferanten und Erholungsgebiete erhalten bleiben oder als Bauland genutzt werden?

Osnabrück Während die Stadt angesichts des Mangels an bezahlbaren Wohnungen ihre Baulandentwicklung forciert, will die Hochschule zusammen mit dem Fachbereich Umwelt und Klimaschutz die Bedeutung der grünen Finger für das Stadtklima näher erforschen und das Bewusstsein der Bevölkerung dafür schärfen. Ein satter Millionenbetrag steht für dieses Projekt zur Verfügung: 1, 12 Millionen Euro hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt ohne dass die Stadt einen Eigenanteil leisten muss.

Hinzu kommen noch mehr als 140 000 Euro vom Bundesumweltministerium dafür, dass die Stadt außerdem ein Freiraumentwicklungskonzept entwickelt. Viel Geld also dafür, dass die Grünflächen stärker in den Fokus rücken und zwar als Flächen, die grün bleiben, und nicht als potenzielle neue Baugebiete.

Die grünen Finger werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt, umfassen aber auch Wald, Parks, Friedhöfe oder Kleingartenanlagen.

Sie versorgen die Stadt mit Frischluft und ermöglichen dadurch Anpassungen an den Klimawandel″, wie es die Hochschule Osnabrück in ihrem Förderantrag formulierte. Klimaresilienz″ lautet der Fachbegriff dafür. Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, hatte zuletzt im außergewöhnlich heißen Sommer 2018 auf die Bedeutung dieser Frischluftschneisen hingewiesen, die auch im aktuellen Stadtklimagutachten hervorgehoben wurde.

Landwirte ins Boot holen

Die Forscher der Hochschule und Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Umwelt wollen die grünen Finger zum einen im Bewusstsein der Bevölkerung verankern, sie erhalten und erlebbar machen″, wie Hochschulprofessor Hubertus von Dressler kürzlich im Stadtentwicklungsausschuss erläuterte, etwa durch geführte Wanderungen. Zum anderen wollen sie auf die Landwirte zugehen, die diese Flächen nutzen denn genutzt werden sollen sie, nur eben nicht als Bauland.

Mit Kooperationsbetrieben sollen in Pilotprojekten Anbau- und Vermarktungsmethoden weiterentwickelt werden. So könnten die in Osnabrück ansässigen Landwirte verstärkt direkt vor Ort ihre Produkte vertreiben. Auch neue Anbaumethoden, etwa auf dem Dach von Supermärkten, können die Forscher sich vorstellen. Von Dressler bringt es so auf den Punkt:_„ Wie kann die Landwirtschaft die Klimaresilienz unterstützen?

Ziel des Forschungsprojektes von Hochschule und Stadt ist es, die grünen Finger als Freiräume zu sichern übrigens kein neues Thema. Schon 1990 und 1997 beschloss der Rat der Stadt, die grünen Finger zu erhalten.

Doch die Areale wecken immer wieder Begehrlichkeiten bei der Baulandentwicklung. Bis 2020 will die Stadt Planungsrecht für 3000 neue Wohneinheiten schaffen so lautet die bisherige Beschlusslage des Stadtrats. Für die morgige Ratssitzung hat die CDU/ BOB-Gruppe jedoch einen Antrag angekündigt, mit dem diese Zahl sogar auf 5000 Wohneinheiten erhöht werden soll. Der Nutzungsdruck auf die Grünflächen wächst also weiter.

Aktuellstes Beispiel dafür ist ein geplantes Baugebiet am Friedensweg östlich des Schinkeler Friedhofs. Die Stadt hat dort einem Landwirt im Frühjahr 2018 rund 16 Hektar Land abgekauft. Nur: Wie groß dieses Baugebiet tatsächlich wird, ist noch offen. Es würde ein Stück aus dem grünen Finger schneiden, der in den Schinkel hineinragt und die Innenstadt mit Frischluft versorgt. Und dieser Prozess ist für das Stadtklima aus Sicht des Fachbereichs Umwelt so bedeutsam, dass er meint, das Areal sollte gar nicht bebaut werden. Wie dieser Konflikt zwischen dem Wunsch nach mehr Wohnungen und dem Klimaschutz ausgeht, ist noch offen. Und es dürfte nicht der letzte sein.

Bildtext:
Auch Kleingartenkolonien wie Deutsche Scholle in der Wüste zählen zu den grünen Fingern der Stadt.
Foto:
Archiv/ Gründel

Kommentar
In die Höhe

Zwei Interessen der Stadt Osnabrück prallen aufeinander: Umwelt- und Klimaschutz versus Baulandentwicklung. Und wohl noch nie war dies so konfliktträchtig wie aktuell: Es herrscht nun mal ein erheblicher Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Ein Gutachten aus dem Jahr 2015 attestierte der Stadt einen Bedarf an 8000 neuen Wohneinheiten bis zum Jahr 2030.

Lebenswert wird Osnabrück aber nur bleiben, wenn es auch Grünflächen zur Erholung gibt ein Argument zum Schutz der grünen Finger, das wohl jedem Städter sofort einleuchtet. Doch auch die klimatische Bedeutung der Grünflächen wird wachsen. Der heiße Sommer 2018 war vermutlich nur ein Vorgeschmack auf das, was der Klimawandel noch bringen wird.

Dass die grünen Finger die Innenstadt mit Frischluft versorgen, dass es ohne sie noch stickiger und heißer wäre, ist ein Punkt, den das Forschungsprojekt von Hochschule und Stadt der Bevölkerung bewusst machen will.

Das eine Million Euro schwere Forschungsprojekt muss Konflikte zwischen bauwütigen Politikern und Naturschützern dabei nicht zwangsläufig befeuern im Gegenteil, sie können auch an einem Strang ziehen.

Die grünen Finger zu bewahren muss nämlich keinesfalls bedeuten, auf weitere Wohnungen zu verzichten. In Osnabrück wird immer noch viel zu wenig in die Höhe gebaut. Das zu ändern kann die Lösung sein.
Autor:
Sandra Dorn


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