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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn alle mit anpacken
Zwischenüberschrift:
Friedhof Atter wird zum Modell für Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Verwahrlosen die Friedhöfe in Osnabrück? Der Brandbrief, in dem der Runde Tisch Atter Ende 2017 den miserablen Pflegezustand″ des Friedhofs in Atter beklagte und vor einer Verwahrlosung auch anderer Friedhöfe warnte, hat etwas in Bewegung gesetzt.

Osnabrück Für die Pflege der Friedhöfe ist der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) zuständig. Dessen Chef Axel Raue traf sich vor einem Jahr mit den Absendern des Briefes auf dem Friedhof in Atter, gab aber zu verstehen, dass angesichts der politisch gewollten Personalreduzierungen beim OSB kein besserer Pflegestandard möglich sei. Raue schlug in dem Gespräch vor, den offensichtlichen Mangel durch ehrenamtlichen Einsatz der Atteraner zu beheben. Der OSB wäre bereit, Geräte und Material bereitzustellen und die Freiwilligen versicherungstechnisch abzusichern.

Plötzlich ein Pilotprojekt

Eine Idee, die Oberbürgermeister Wolfgang Griesert wenig später in seinem Antwortschreiben an den Runden Tisch Atter begeistert aufgriff: Stadt und OSB hätten hohes Interesse am Gelingen eines Pilotprojektes zur Pflege unseres Friedhofes in Atter mit Unterstützung der Vereine in Atter″. Griesert beendete seinen Brief mit den Worten: Vielleicht wird das Jahr 2018 für ein erstes Kooperationsprojekt der Bürgerinnen und Bürger in Osnabrück zur Aufrechterhaltung unserer Friedhofskultur stehen.″

Es ist so gekommen. Hermann Tormöhlen und Sylvia Bönninghaus-John führen heute mit einer Spur Genugtuung und Stolz über den Gottesacker. Vor einem Jahr noch hatte Tormöhlen angekündigt: Hier werde er sich auf keinen Fall beerdigen lassen wenn nicht grundlegende Besserung eintrete. Jetzt zeigt Tormöhlen Fotografien: vorher, nachher. Aufnahmen vom Dezember 2017 zeigen schiefe Kantsteine und von Gras überwucherte Schotterwege. Mauern bröckeln, und auf den Freiflächen zwischen den Gräbern sprießt das Kraut. Aktuelle Aufnahmen bieten das Bild eines gepflegte, in Ehren alt gewordenen Friedhofs und idyllischen Ruheraums mitten im Wald, auf dem jetzt auch andere Bestattungsformen möglich sind. Gleich am Haupteingang ist ein Urnengemeinschaftsgrab geschaffen worden, das es bislang nicht gab.

Der Wandel ist nicht von heute auf morgen eingetreten. Acht Arbeitseinsätze hat es nach den Worten Tormöhlens gebraucht. Der erste fand Mitte März 2018 an einem Freitagnachmittag im Schneetreiben statt. Etwa ein Dutzend Helfer packten mit an. Der OSB hatte Fachpersonal, Arbeitsgeräte und Kleinbagger zur Verfügung gestellt. Es sprach sich in Atter rum, dass die Arbeit auch Spaß macht. So kamen zu den weiteren Terminen zwischen 15 und 18 Helfer. 250 bis 300 Stunden, so schätzten Tormöhlen und Bönninghaus-John, haben die Ehrenamtlichen geleistet.

In diesem Jahr soll es weitere Arbeitseinsätze geben, allerdings nicht so eng getaktet wie 2018. Das Gröbste ist ja gemacht″, sagt Tormöhlen, auch wenn einzelne Gewerke wie die Renovierung der Friedhofsmauer ins Stocken geraten seien. Jetzt gehe es darum, den Pflegestandard zu halten.

Eva Güse, beim OSB zuständig für Bestattungswesen und Friedhöfe, ist ebenfalls angetan vom Engagement der Atteraner. Es ist schön, dass sich die Bürger so für ihre Stadt engagieren″, sagte Güse. Dass Atter ein Modell für andere Stadtteile sein kann, hält Güse im Gespräch mit unserer Redaktion für möglich. Allerdings: Die Erfahrung aus der Atter-Aktion ist, dass die Kooperation dem OSB einen hohen Betreuungsaufwand″ beschert, wie Güse erklärt. Termine mussten abgestimmt, die Arbeiten vorbereitet, passendes Material und Arbeitsgerät punktgenau geliefert werden. Aber wir sind für die Bürger da und machen das gern, wenn es so gut angenommen wird.″

Den Pflegestandard zu halten ist für den OSB auf allen Friedhöfen eine Herausforderung. Denn die Zahl der Erdbestattungen geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Dadurch sinken auch die Gebühreneinnahmen und der Flächenbedarf auf den Friedhöfen, was den Pflegeaufwand wiederum erhöht. Die finanzielle Lücke schließt die Stadt aus Steuergeldern, zuletzt mit etwa 1, 7 Millionen Euro pro Jahr.

Bildtext:
Der Friedhof Atter wurde durch Ehrenamtliche in Form gebracht. Im Bild: Sylvia Bönninghaus-John und Hermann Tormöhlen vom Runden Tisch Atter.
Dezember 2017.
JANUAR 2019.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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