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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
„Der Preis ist mehr als fragwürdig″
Zwischenüberschrift:
Vonovia in der Kritik: Osnabrücker Innung hält mehr als 50 000 Euro für neue Heizung für deutlich zu teuer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Wohnungskonzern Vonovia wird beschuldigt, über eine Tochterfirma drei- bis viermal zu hohe Kosten für eine neue Heizungsanlage abgerechnet und auf Mieter umgelegt zu haben. Warum der Osnabrücker Innungsobermeister einen Preis von mehr als 50 000 Euro für eine neue Heizung in einem Mehrfamilienhaus für deutlich zu hoch hält.

Osnabrück Es wird immer rätselhafter, warum Vonovia sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit dem Osnabrücker Bernd Mühle einließ. Der Mieter hatte gegen seinen Vermieter geklagt, weil er monatlich 117 Euro mehr Miete zahlen sollte, nachdem eine 37 Jahre alte Heizung ausgetauscht wurde (wir berichteten).

Was bisher geschah: Zum Prozessauftakt Anfang Januar machte die Richterin am Amtsgericht bereits deutlich, dass 37 Jahre für eine Heizungsanlage ein nicht unbeträchtliches Alter sind. Wenn darüber hinaus die Angaben des Klägers Mühle und seiner Lebensgefährtin Iris Sieker zutreffend sind, dass es in der Heizungsanlage nur ein Jahr vor dem Austausch zu einer Verpuffung kam und sie danach nur notdürftig repariert wurde, dann ist es nicht zulässig, mehr als 98 Prozent der Gesamtkosten der Anlage von 53 810 Euro auf die Mieter umzulegen. Da der zu berücksichtigende Instandhaltungsanteil in diesem Fall deutlich höher liegen würde, müsste die Mieterhöhung um monatlich 117 Euro deutlich gesenkt werden.

Die Vorwürfe: Hinzu kommt jetzt allerdings noch, dass die neue Heizungsanlage offenbar auch deutlich zu teuer war. Eine Vonovia-Tochterfirma hatte die Brennwertanlage Wolf CGB-50″ eingebaut. Ein Großhandelsunternehmen, das Heizungen an Installateure verkauft, beziffert den Preis für diese Heizung auf unter 6000 Euro. Auf Anfrage unserer Redaktion bezeichnet der Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Osnabrück, Kai Schaupmann, die eingebaute Anlage als Standardprodukt″. Nur die eingebaute Brennwertanlage an sich würde einschließlich Warmwasserbereitung, Abgassystem sowie notwendigem Zubehör circa 6000 bis 7000 Euro kosten. Hinzu kämen die Lohnkosten für den Einbau der Heizung sowie Installationsmaterialien. Schaupmann fasst zusammen: Ein marktüblicher Preis für diese Heizungsanlage liegt zwischen 12 000 und 15 000 Euro.″ Der von Vonovia genannte Preis von 53 810 Euro hingegen ist für ihn nicht nachvollziehbar und seinen Angaben zufolge mehr als fragwürdig″.

Interessant ist bei der Kostenaufstellung von Vonovia, die unserer Redaktion vorliegt, dass unter dem Punkt Baunebenkosten″ Ingenieurleistungen im Zusammenhang mit dem Einbau der Heizung in Höhe von 14 547 Euro beziffert werden. Schaupmann macht jedoch deutlich: Ein Ingenieur oder ein Architekt wird für den Einbau einer solchen Anlage nicht benötigt.″ Schließlich stelle die hydraulische Einbindung im Gesamtsystem keine Herausforderungen an den Fachhandwerker dar″. Für Schaupmann ist es unbegreiflich, warum in der Kostenaufstellung, die der Konzern an Mieter Bernd Mühle geschickt hatte, überhaupt Ingenieurkosten im Zusammenhang mit dem Einbau der Anlage aufgeführt werden. Schaupmann sieht es nun als Aufgabe des Gerichts, den vorliegenden Sachverhalt zu beurteilen″.

Mühles Rechtsanwalt Andy Weichler fordert Osnabrücks größten Wohnungsvermieter auf, die Miete wieder zu senken. Wenn die Heizung gegenüber dem marktüblichen Preis viermal zu teuer ist, dann sind im Ergebnis nur Modernisierungskosten von maximal 30 Euro monatlich umlagefähig, nicht wie bisher von 117 Euro″, erläutert Weichler. Darüber hinaus geht der Osnabrücker Rechtsanwalt davon aus, dass lediglich eine defekte 37 Jahre alte Heizungsanlage ausgetauscht wurde. Diese Kosten waren im Rahmen der Instandhaltung gar nicht umlagefähig″, zeigt sich Weichler überzeugt.

Gleichzeitig geht der Rechtsanwalt für Zivilrecht darauf ein, dass die offenbar überhöhten Kosten für die Heizungsanlage noch ein juristisches Nachspiel haben könnten: Wenn sich herausstellen sollte, dass die Mieter vorsätzlich getäuscht wurden, so würde der Anfangsverdacht eines Betruges bestehen, und die Staatsanwaltschaft würde Ermittlungen aufnehmen.″

Das sagt Vonovia: Die Vonovia-Sprecherin Bettina Benner weist darauf hin, dass es sich noch um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt. Auf die Fragen unserer Redaktion, warum 14 547 Euro für Ingenieurkosten berechnet wurden, obwohl für den Einbau dieser Heizung laut Schaupmann kein Ingenieur benötigt wird, und warum die Kosten für die Heizung auf 39 263 Euro beziffert werden, obwohl ein marktüblicher Preis offenbar nur bei einem Drittel dieser Kosten liegt, antwortet Benner: Der Austausch von Heizkesseln erfolgt auf Basis von Einheitspreisen, die vertraglich mit den Dienstleistungen fixiert und regelmäßig auf Basis von Marktpreisinformationen unter anderem über Ausschreibungen ermittelt überprüft beziehungsweise angepasst werden.″ Berücksichtigt würden Materialkosten und Kosten für Handling und Montage″. Vonovia werde sich die Abrechnungen noch einmal im Detail ansehen.

Bildtexte:
Ein marktüblicher Preis für diese Heizungsanlage liegt zwischen 12 000 und 15 000 Euro″, sagt der Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Osnabrück, Kai Schaupmann.
Vonovia soll die Mieterhöhung zurücknehmen: Dafür kämpfen Bernd Mühle (Mitte) und Iris Sieker gemeinsam mit Anwalt Andy Weichler (r.) vor Gericht.
Fotos:
David Ebener, Swaantje Hehmann

Kommentar
System oder Einzelfall?

Ist der Fall nur die Spitze des Eisbergs? Es drängt sich der Eindruck auf, dass Vonovia über Tochterfirmen bewusst zu viel abrechnet, denn Vonovia kann dafür gleich zweimal abkassieren.

Einerseits fließen die Gewinne der Tochterfirmen in die Bilanz der Konzernmutter. Andererseits wälzt Vonovia die überhöhten Kosten über die Modernisierungsumlage auf die Mieter ab. Im aktuellen Fall soll Mieter Bernd Mühle monatlich 117 Euro mehr zahlen, weil die Kosten für eine Heizungsanlage in einem Miethaus in Osnabrück-Wüste offenbar mehr als dreimal zu hoch angesetzt wurden.

Vielleicht ist es aber auch nur ein Einzelfall. Deutschlands größter Wohnungsvermieter hat mehr als 400 000 Wohnungen. Zehntausende wurden saniert, 543 davon 2018 in Osnabrück. Wenn Vonovia bei der Abrechnung einer Sanierungsmaßnahme ein Fehler unterlief, sollte der Dax-Konzern das jetzt einräumen. Ansonsten könnte es sein, dass die Staatsanwaltschaft bald die Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts des Betrugs aufnimmt.
Autor:
Jean-Charles Fays


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