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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Karussellauto-Satire nicht zu stoppen
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NOZ-Artikel sorgt für Aufregung im Internet
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Kleinbild
Originaltext:
Ein Artikel aus unserer Osnabrücker Lokalausgabe sorgt für Aufregung im Netz: In Osnabrück würden Karussellautos künftig verboten als Signal für mehr Nachhaltigkeit. Leser der gedruckten Ausgabe wissen es: Bei dieser Nachricht″ handelt es sich um Satire!

Osnabrück So viel sei vorab betont: Die Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung freut sich natürlich, wenn auch ihre lokalen Nachrichten überregional Verbreitung und Beachtung finden. Nun passiert genau das allerdings mit einem Scherzartikel.

Nachhaltige Belustigung

Karussellautos sind jetzt tabu″: Mit dieser Zeile betitelten wir unsere ausgedachte Meldung. Auf Fahrgeschäften dürften Kinder ihre Runden künftig weder auf Wildtierfiguren noch auf Miniaturautos drehen, heißt es im Text. Der Rat habe dieses Osnabrücker Signal für Nachhaltigkeit in der Kinderbelustigung″ in nicht öffentlicher Sitzung verabschiedet.

Wenn Erziehende ihre Kinder auf ein klimaschädliches Rennauto setzen oder auf den Rücken eines wilden Tigers, erleben die Aufwachsenden das Autofahren oder die Ausbeutung von Wildtieren als etwas Positives″, zitierten wir aus einer natürlich ersonnenen gemeinsamen Erklärung von SPD und Grünen.

So ein Schwachsinn″

Ausgedacht hatte sich diesen Nonsens Redakteur Arne Köhler. Er verhehlt auch nicht, dass ihm die Idee bei einem Besuch des Osnabrücker Weihnachtsmarktes gekommen ist und dass dabei zwei oder drei Becher Glühwein eine Rolle gespielt haben. Aber was dann geschah, hatte er nicht erwartet.

Ziemlich dick aufgetragen

Ein Foto des Artikels zog in den vergangenen Tagen weite Kreise und wurde zigfach in sozialen Netzwerken geteilt. Wir brauchen dringend eine Abkehr von der Ökoreligion!″, schrieb ein Nutzer. Der alltägliche Wahnsinn greift immer mehr um sich und hat jetzt Osnabrück erfasst″, kommentiert ein anderer. Besonders intensiv diskutiert wurde über das Foto auf der Facebook-Seite Kirmes-Rummel″. So einen Schwachsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört. Sind doch alles ökologische E-Autos″, schreibt eine Nutzerin.

Tatsächlich zeigt das Foto des Artikels nur einen kleinen Ausschnitt der ersten Lokalseite, die an Silvester traditionell mit Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei″ überschrieben ist. Dabei handelt es sich um ein Satireformat, das ähnlich dem Portal Postillon″ viel diskutierte Nachrichten aufgreift und weiterspinnt nur mit lokalen Inhalten.

Wir setzen uns zusammen und überlegen, welche Ereignisse sich besonders dafür eignen, sie überspitzt weiterzudrehen″, erklärt Rainer Lahmann-Lammert, Redakteur der Neuen OZ, der die Satireseite seit Jahrzehnten koordiniert. Die Karussellgeschichte hielt ich für dermaßen dick aufgetragen. Dass gerade die nun so weite Kreise zieht, spricht fast für sich.″

Es gibt aber auch Leser, die die ausgedachte Kirmesverfügung gar nicht mal so abwegig finden. Sie regen ein ernsthaftes Nachdenken über die satirische Schnapsidee an.

Online? Lieber nicht

Seit Gründung der Neuen Osnabrücker Zeitung 1967 gibt es die Silvesterpunsch″-Tradition. Seit 1970 erscheint die Seite in heutiger Form. Um Missverständnisse zu vermeiden, werden die Artikel nur im Kontext der Zeitungsseite veröffentlicht und nicht in unserem Onlineportal. Übrigens: Nicht nur im Internet, auch in Leserbriefen machten einige Leser ihrer Empörung Luft.

Am 2. Januar wird die Flunkerei von der lokalen Glosse Till″ regelmäßig als Scherz entlarvt. Alles nur Spaß. Till gibt zu, dass es ihm höllisches Vergnügen bereitet, wenn doch jemand darauf hereinfällt″, schrieb der Ironiespezialist in diesem Jahr.

Tatsächlich ist die Karussellmeldung aber beileibe nicht die erste Silvesterpunsch-Nachricht, die Leser für voll nehmen. Hier eine kleine Auswahl der erfundenen Geschichten:

Über die künftige Gestaltung des Neumarkts wird seit Jahrzehnten diskutiert offenbar traute bei Erscheinen der Rotlichtmeilen-Punschidee manch ein Leser der Politik inzwischen alles zu, erinnert sich Redakteur Lahmann-Lammert. Bei einem Termin sprach mich ein Projektentwickler an. Endlich bewege sich mal was.″

Boris Pistorius galt seinerzeit als bodenständiger, in Osnabrück verwurzelter Oberbürgermeister. Klar, dass die Meldung über einen Porsche als Dienstwagen für Furore sorgte″, sagt Lahmann-Lammert. Pistorius sei im Folgejahr regelmäßig von erbosten Bürgern auf seinen Dienstwagen angesprochen worden. Irgendwann hat er sich bei uns beschwert.″

• „ Wer aus der Friedensstadt kommt, zeigt das künftig auch auf dem Nummernschild″: Mit dieser Nachricht provozierte die Lokalredaktion 2007 einen Andrang in der Zulassungsstelle. Es gab wirklich Leute, die dort mit abmontierten Schildern aufliefen und das FOS-Kennzeichen ordern wollten″, erinnert sich Lahmann-Lammert. Die Mitarbeiter hätten redlich Mühe gehabt, sich der verärgerten Kommentare zu erwehren.

Keine Meldung zum Neumarkt ist zu abstrus, um nicht geglaubt zu werden. Nachdem in Hannover 2007 eine Hochstraße demontiert wurde, kündigte die NOZ kurzerhand ihre Weiterverwendung über dem Osnabrücker Neumarkt an. Monate später erreichte die Redaktion die Kopie eines Artikels aus dem Fachblatt eines Verbands der Betonwirtschaft, dessen Autor dem Satireartikel auf den Leim gegangen war. Der Tenor seiner Geschichte: Osnabrück gehe mit gutem Vorbild voran.

Bildtexte:
SCHERZARTIKEL: Liebe Leser, diese Meldung hat sich die Redaktion, einer Silvestertradition folgend, nur ausgedacht.
" Rotlichtmeile unter dem Neumarkt": ein Punschartikel von 2010 (links).
" Statt Tunnel jetzt eine Hochstraße für den Neumarkt": Tills Fake von 1998 (rechts).
Fotos:
NOZ
Autor:
Meike Baars


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