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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spielhalle in der Krahnstraße?
 
Stadt will die Krahnstraße verteidigen
Zwischenüberschrift:
Restaurant soll einer Spielhalle mit Wettbüro weichen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadt stellt für ein Herzstück der Innenstadt einen neuen Bebauungsplan auf, um Fehlentwicklungen zu verhindern. Der Bebauungsplan Nummer 640 unter dem Namen Nikolaizentrum″ soll sicherstellen, dass in dem Quartier zwischen Krahn-straße und Hakenstraße zusätzliche Wohnungen entstehen und unerwünschte Geschäfte verhindert werden können. Der bisherige Bebauungsplan habe Lücken und biete keine Rechtssicherheit, sagt die Bauverwaltung. Alarmiert wurde die Baubehörde durch eine Anfrage, die auf ein Geschäftshaus an der Krahnstraße zielt: Ein Unternehmer will dort eine Spielhalle und ein Wettbüro betreiben. Wäre das der Anfang vom Ende von Osnabrücks heimlicher Hauptstraße″, wie die Werbegemeinschaft die Einkaufsmeile gerne nennt?

Spielhalle und Wettbüro in der Krahnstraße? Das wollen die Stadtplaner in Osnabrück auf jeden Fall verhindern. Denn: Wo sich solches Gewerbe ansiedelt, setzt sich oft eine Abwärtsspirale in Gang.

Osnabrück Die Kaufleute in der Krahnstraße sprechen gern und oft von Osnabrücks heimlicher Hauptstraße″. Die Meile ist traditionell geprägt von inhabergeführten Fachgeschäften, einer lebendigen Shoppingkultur und einer Werbegemeinschaft, die zu den agilsten in der Stadt gehört. Besonders sichtbar ist das alljährlich in der Weihnachtszeit an der besonderen Beleuchtung zwischen Nikolaiort und Rathaus.

Doch dann plötzlich das: Am 15. November ging im Rathaus ein Antrag auf Erteilung eines Bauvorbescheids″ für die Nutzungsänderung eines Restaurants an der Krahnstraße ein. Der Antragsteller zeigte darin an, das Gebäude an der Ecke Krahnstraße/ Hakenstraße für den Betrieb einer Spielhalle und eines Wettbüros nutzen zu wollen. Einst wurde in dem Haus edle Mode verkauft, dann zog im Oktober vergangenen Jahres ein Restaurant ein, dessen Betreiber ein halbes Jahr später wechselte. Der Geschäftsführer des Restaurants weiß von einer geplanten Nutzungsänderung nichts, wie er unserer Redaktion sagte. Das Geschäft laufe gut, der Mietvertrag habe eine zehnjährige Laufzeit.

Das Bauamt der Stadt informierte Ende November den Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung und schlug vor, mit dem Planungsrecht der angedachten Umnutzung einen Riegel vorzuschieben. Insbesondere die Häufung von bestimmten Vergnügungsstätten (dazu zählen insbesondere Nutzungen mit erotischem Bezug, aber auch Spielhallen) trägt in der Regel nicht zu einem positiven städtebaulichen und stadtgestalterischen Gesamteindruck bei″, heißt es in der Vorlage der Verwaltung für die Ratsmitglieder. Die Ansiedlung solcher Vergnügungsstätten könne einen sogenannten Trading-down-Effekt in Gang setzen, also eine Abwärtsspirale, die weitere Billiganbieter anzieht oder Leerstände hinterlässt.

Neue Kategorie

Das rechtliche Mittel, eine solche Entwicklung zu verhindern, ist der Bebauungsplan. Die Politik hat beschlossen, im beschleunigen Verfahren einen neuen Bebauungsplan (Nummer 640 Nikolaizentrum″) aufzustellen. Das Baugesetzbuch lässt ein beschleunigtes Verfahren zu, wenn sich nichts Wesentliches im Plangebiet ändert. Dann kann auf einzelne Verfahrensschritte wie die Umweltprüfung oder frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung verzichtet werden.

Das Bauamt schlägt vor, das 14 Hektar große Quartier zwischen Krahnstraße, Nikolaiort, Redlingerstraße, Kamp, Dielingerstraße und Hakenstraße als urbanes Gebiet″ auszuweisen. Das ist eine neue Gebietskategorie, die der Gesetzgeber 2017 eingeführt hat, um das Planen und Bauen in Innenstädten zu erleichtern.

Die Stadt hat damit die Möglichkeit, Spielhallen, Wettbüros und andere unerwünschte Nutzungen in diesem Gebiet auszuschließen. Außerdem kann sie Wohnnutzungen in diesem zentralen Teil der Stadt rechtssicher verankern.

Öffentliche Auslegung: Der Bebauungsplan 640 ist im Internet einsehbar und liegt bis Freitag, 18. Januar, im Fachbereich Städtebau, Dominikanerkloster, Hasemauer 1, montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr aus. Jeder kann Bedenken und Anregungen äußern. Weitere Infos unter Telefon 05 41/ 3 23 26 51.

Bildtext:
Die heimliche Hauptstraße Osnabrücks: die Krahnstraße. Die Stadt will verhindern, dass sich dort Vergnügungsstätten ansiedeln, die einen schleichenden Niedergang der Einkaufsstraße einleiten könnten.
Foto:
Jörn Martens/ Archiv

Kommentar
Vorsicht

Ein Geschäftsmann hält die Krahnstraße für einen geeigneten Standort für eine Spielhalle. Was ist davon zu halten?

Spielstätten und Wettbüros gelten als die Vorboten des Niedergangs. Sie breiten sich dort aus, wo Anbieter der gehobenen Kategorie sich abgewandt haben und die Mieten nachlassen. Nun wäre es dramatisch übertrieben, in der Spielhallen-Nachfrage bereits ein Signal für einen schleichenden Niedergang der heimlichen Hauptstraße″ zu sehen. Nein, die Krahnstraße ist ein lebendiges Stück Osnabrücker Einkaufskultur und nicht nur in der Weihnachtszeit ein Leuchtturm mit Strahlkraft. Die Kaufmannschaft arbeitet seit Jahren hart daran, diesen Ruf zu bewahren.

Aber: Die Gefahr ist schon in Sichtweite. Wenn der neue Neumarkt fertig ist, wird sich der Schwerpunkt der City nach Süden verlagern. Dann könnte die Entwicklung einsetzen, die die Stadt jetzt noch mit einer schnellen Bebauungsplanänderung verhindern kann.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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