User Online: 3 | Timeout: 03:54Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Für 2019 wollen wir hoffen …
Zwischenüberschrift:
Warum nicht nur Fritz Wolfs Neujahrswünsche aktuell geblieben sind
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Mit Humor und Weitblick setzte Fritz Wolf über viele Jahre in der NOZ-Silvesterausgabe seine Hoffnungen für das neue Jahr ins Bild. Dabei griff er oft zentrale Themen der kommenden zwölf Monate auf, die bisweilen noch heute aktuell sind.

Osnabrück. Die vierköpfige Fußgängergruppe ächzt vor Anstrengung: Während Mutter und Sohn schweres Gepäck tragen, schleppen ihre beiden Begleiter einen defekten Elektro-Triebwagen der Deutschen Bahn hinter sich her. Feste ziehen, wenn ihr den Anschluss in Bohmte haben wollt!″, versucht der Lokführer seine Helfer zu motivieren.

Zu Silvester 2000 erschienen, thematisiert die Karikatur treffend, wie Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den ehemaligen Staatsbetrieb zwischen 1999 und 2009 mit seinem rigiden Sparkurs in Grund und Boden sanierte: fragwürdige Folgen für die mobile Qualität und Pünktlichkeit inbegriffen. Ältere Bahnkunden erinnern sich mit Wehmut des selbstbewussten DB-Werbeslogans von 1966: Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Wir fahren immer.″

Typisch für Fritz Wolfs Friedenssehnsucht ist im selben Jahresausblick der letzte Nahost-Gipfel″, bei dem Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und Palästinenserführer Jassir Arafat ihre ausgedienten Waffen zu einem Berg auftürmen. Ein Jahr später setzte der Karikaturist das in Flammen stehende Afghanistan ins Bild, dem sich der lorbeerzweigbewaffnete Friedensengel 16 Jahre lang vergeblich zu nähern versucht hatte.

Auch die Frage nach der nötigen Balance zwischen digital und analog beschäftigte den Zeichner: Für 2001 ersann er einen NOZ-Leser, der gleichzeitig in die Zeitung schaut und seine Computertastatur bedient. Für den Neujahrs-Ausblick des Vorjahres hatte er bereits ein auf einer Parkbank sitzendes junges Liebespaar gezeichnet, das sich statt persönlichen Blickkontakt aufzunehmen per Handy Liebesschwüre in die Ohren säuselt. Dennoch kommunizieren die beiden deutlich unmittelbarer als die Autoren heutiger Whatsapp- oder Facebook-Posts.

Als Silvester-Evergreen von 2000 erweist sich Fritz Wolfs Pflege der deutschen Leitkultur: Der Anblick von Bayerns krachledern ausgestattetem Landesvater Edmund Stoiber beim Volkstanz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im schicken Dirndl schlägt den Bogen zum 2018 außer Rand und Band geratenen Heimatminister Horst Seehofer und zum seinerzeitigen Leitkultur″-Vordenker Friedrich Merz, der unlängst bei der Wahl zum CDU-Vorsitz das Comeback versuchte und seiner Kontrahentin Annette Kramp-Karrenbauer unterlag. Dieser ist auf dem politischen Parkett ein ähnlich harmonisches Verhältnis zum neuen CSU-Chef Markus Söder zu wünschen, wie es die Wolf′sche Karikatur suggeriert.

Waren die Zeichnungen Bestandteile der drei letzten ganzseitigen Wolf′schen Neujahrswünsche, so hatten sich diese längst zu einem heiß ersehnten Markenzeichen der NOZ-Silvesterausgabe entwickelt. Daher brachte der Verlag sie nicht nur im Zeitungsformat unter das Leservolk, sondern gestaltete mit ihnen Neujahrs-Leporellos für seine Mitarbeiter und Geschäftspartner. Zum Jahresausklang 2001 endete diese Tradition: Der inzwischen 83-jährige Karikaturist hatte die Arbeit an der Neujahrsserie bereits beendet, als er sich zum Jahresausklang einer Herzoperation unterziehen musste und am 23. Dezember an deren Folgen verstarb. Damit wurden seine letzten kolorierten Werke zu seinem eigenhändigen Nachruf.

Schon seit den 1950er-Jahren hatte er wiederholt grafische Elemente für ganze Zeitungsseiten entworfen, auf denen die Osnabrücker Lokalredaktion zunächst zu Karneval fantasievollem Nonsens freien Lauf ließ. Später entwickelte sich daraus Tills Silvesterpunsch″, dessen Aufmachung nach wie vor von Fritz Wolfs Design geprägt ist. Viele NOZ-Leser trauern ihrem täglichen Wolf″ auf Seite 2 auch 17 Jahre nach seinem Tod noch immer nach, gleichwohl müssen sie nicht ganz auf ihn verzichten: Tills″ unverändertes Antlitz ist in der täglichen Glosse der Osnabrücker Lokalredaktion auch eine Verbeugung vor Fritz Wolfs Lebenswerk.

Zur Person: Hermann Queckenstedt ist Sprecher des Fritz-Wolf-Kuratoriums und Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück.

Fritz Wolf
Die Neue Osnabrücker Zeitung″ widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf anlässlich seines 100. Geburtstags eine Karikaturen-Serie. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2018 ist im Forum am Dom die Ausstellung Friede den Menschen auf Erden! mit nicht nur weihnachtlichen Karikaturen von Fritz Wolf und Gerhard Mester zu sehen, die auch die Themen Flucht und Asyl aufgreift. Im Begleitheft (4, 80 Euro) sind die im Text angesprochenen Zeichnungen abgedruckt allerdings ohne die Folge von 1952. Einen Ausblick ins neue Jahr bietet indes der Fritz-Wolf-Kalender 2019, der im Forum am Dom, im Buchhandel und den Geschäftsstellen der NOZ zum Preis von 18, 90 Euro erhältlich ist.

Hinweise auf bislang unbekannte Zeichnungen in Privatbesitz erbittet die Fritz-Wolf-Gesellschaft nach wie vor unter Telefon 01 76-31 11 06 63 oder E-Mail post@ Fritz-Wolf.de
Autor:
Hermann Queckenstedt


Anfang der Liste Ende der Liste