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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Lichterglanz nach Geschäftsschluss
Zwischenüberschrift:
Die weihnachtlich geschmückte Große Straße im Advent 1957
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wer hätte das gedacht: Im Vergleich mit der historischen Aufnahme kommt die aktuelle Weihnachtsbeleuchtung der Großen Straße fast kümmerlich daher. 1957 wurde mit üppigen Lichtkaskaden richtig Gas gegeben.

Osnabrück Dabei war die Große Straße 1957 noch keine reine Shopping-Meile, sondern in erster Linie Verkehrsträger. Die Straßenbahnschienen und der geparkte VW-Transporter auf dem Foto deuten es an. Die Straßenbahn fuhr noch bis 1960, wenn auch gerade nicht durch dieses Bild. Die Bürgersteige wurden auf Hochbord geführt, und die Mittelstraße war dem rollenden Verkehr vorbehalten. Vorne rechts erkennt man am Wechsel der Pflasterung den Vorkriegsverlauf des Gehsteigs. Beim Wiederaufbau entschied sich der Rat für eine Zurücknahme der Baufluchten und somit für eine Entschärfung der S-Kurve zwischen Jürgensort und Georgstraße.

Zur Fußgängerzone mutierte die Große Straße erst 16 Jahre später. Ein erster Teilabschnitt der Großen Straße, zwischen Nikolaiort und Georgstraße, wurde 1972 fertiggestellt, im Folgejahr das zweite Teilstück bis zum Neumarkt. Am 4. Oktober 1973 übergab Oberbürgermeister Ernst Weber Osnabrücks ersten zusammenhängenden Fußgängerbereich von 710 Meter Länge an die Bürgerschaft.

Der Wandel in Verkehrs- und Einkaufskonzepten für die Innenstädte hatte die Verbannung des Verkehrs gefordert. Viele Einzelhändler waren zunächst dagegen, weil sie sich Sorgen um ihre Erreichbarkeit machten. Wie wir heute wissen, waren diese Sorgen unbegründet. Wohl niemand würde sich Kfz-Verkehr in der Großen Straße zurückwünschen.

Erlebnis-Shopping war 1957 noch kein Thema, die Konsum-Verlockungen fielen nach heutigen Maßstäben bescheiden aus. Wie auch anders? Den meisten Osnabrückern fehlte das Geld im Portemonnaie, um sich mehr als das gerade dringend Benötigte anzuschaffen. Pünktlich um 18.30 Uhr schlossen alle Geschäfte. Dann war die Große Straße leer. Osnabrück saß zu Hause am Abendbrottisch.

Wenn man die Hausfassaden mit dem Abstand von 61 Jahren vergleicht, entdeckt man fast keine Übereinstimmungen mehr. Lediglich die beiden ausgesetzten Erker am linken Bildrand sind wiederzuerkennen. Mit den Geschäften ist es nicht anders: Die meisten Namen ruhen heute auf dem Heldenfriedhof des Osnabrücker Einzelhandels.

Links an der Ecke zur Georgstraße warben die Buchhandlung Rackhorst und der Zigarrenladen K & O (Krüger & Oberbeck) um Kunden. Es folgen Wilhelm Bosse mit seinen Herrenhüten, das Sanitäts- und Bandagengeschäft von Bandagistenmeister Werner Berk, das alte, noch zweistöckige Verlagsgebäude von Meinders & Elstermann und dahinter Posamenten Schmidt. Auf der rechten Straßenseite lautet die Reihung, weniger zu erkennen als mithilfe des Adressbuches zu bestimmen: im Haus des Rechtsanwalts Hans Geelvink das Kinderbekleidungsgeschäft von Caroline Teschemacher, Feinkost Scheppelmann und die Kunst-Etage Herbert Pachaly, dann die Unos-Passage von Joseph Unverfehrt, der mit Lederwaren, modischer Bekleidung, Fotoapparaten und später auch Fernsehtruhen handelte.

Verbunden werden die beiden Straßenseiten durch weihnachtlichen Lichterschmuck, der lange vor Energiesparlampen und LED-Technik deutlich aufwendiger und stromfressender daherkam als der heutige. Anzahl und Leuchtstärke der Glühbirnen sind ein Anzeichen dafür, dass das Wort Energiekrise noch unbekannt war. Die überkam Deutschland bekanntlich im Herbst 1973 und bescherte den Autofahrern vier Sonntage mit Fahrverbot. Stadt und Werbegemeinschaften beschränkten sich freiwillig und schalteten die Weihnachtsbeleuchtung auf Sparflamme.

Der Stromverbrauch ist beim heutigen Lichterschmuck nicht mehr das Thema, sondern eher die Anschaffungskosten für die immer wieder dem Zeitgeschmack anzupassenden Leuchtmittel und die Kosten für Auf- und Abbau. Die Werbegemeinschaften leiden zudem darunter, dass sich längst nicht alle Ladeninhaber (beziehungsweise Filialleiter) an den Ausgaben beteiligen und lieber Trittbrettfahrer spielen.

Bildtexte:
Lange vor der ersten Energiekrise fiel die Weihnachtsbeleuchtung 1957 in der Großen Straße noch recht pompös aus. Der Blick geht von der Einmündung der Georgstraße (vorne links) zum Neumarkt.
Vergleichsweise bescheiden kommt die Festbeleuchtung heute daher.
Fotos:
Edeltraut Urban, Gert Westdörp
Autor:
Joachim Dierks


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