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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Gedenkstätte für Elfriede Scholz
Zwischenüberschrift:
Vor 75 Jahren wurde Remarques Schwester von den Nazis hingerichtet
Artikel:
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Originaltext:
Am 75. Jahrestag ihrer Hinrichtung in Berlin-Plötzensee ist eine Gedenkstätte für Elfriede Scholz auf der Grabstelle ihrer Mutter Anna Maria Remark auf dem Hasefriedhof eingeweiht worden.

Osnabrück Es brauchte kein Tuch, um die Gedenkplatte zunächst zu verhüllen, um sie dann feierlich im Zuge der Einweihung wieder enthüllen zu können: Das besorgte der Schnee, der sich am dritten Adventssonntag gnädig und gleichmäßig auf alle Grabstätten des Hasefriedhofs gesenkt hatte. Somit auch auf das frühere Reihengrab in der IV. Abteilung, Feld C, Nummer 26/ 1, in dem Anna Maria Remark 1917 bestattet worden war.

Mit Handfeger

Die Enthüllung″ des jüngst eingebauten Gedenksteins besorgte Niels Biewer vom Förderkreis Hasefriedhof Johannisfriedhof unter Zuhilfenahme eines Handfegers.

Die Idee, der Schwester und der Mutter des Schriftstellers Erich Maria Remarque eine Doppel-Gedenkstätte einzurichten, geht auf Jürgen Milchert, Professor für Freiraumplanung an der Hochschule Osnabrück, und seine Studenten zurück. Ihr Seminarthema war Ein Garten für Elfriede Scholz″. Scholz war von Roland Freislers Volksgerichtshof 1943 wegen defätistischer Äußerungen über den Kriegsausgang zum Tode verurteilt und am 16. Dezember 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden. Alle Bemühungen der Familie auf Herausgabe des Leichnams, um ihn in Osnabrück bestatten zu können, blieben ohne Ergebnis. Bernd Stegemann von der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft berichtete aus einer Quelle, der zufolge die Leiche nach der Hinrichtung in das Anatomische Institut der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität kam, dort seziert und nach der Verbrennung auf dem Friedhof Alt-Glienicke anonym vergraben wurde.

Die Idee der Seminaristen war, Scholz einen Erinnerungsort bei ihrer Mutter auf dem Hasefriedhof zu geben, sie hier virtuell zu bestatten″ und damit den Wunsch der Familie nachträglich zu erfüllen. Derartige Scheingräber″ gibt es häufiger in vergleichbaren Fällen als Orte des Gedenkens an markante Persönlichkeiten, ohne dass tatsächlich deren Überreste dort begraben liegen.

Durch Spenden

Um die Gedenkstätte Wirklichkeit werden zu lassen, schlossen sich die Freunde vom Friedhofs-Förderkreis und Milcherts Studenten zu einer Initiative mit der Remarque-Gesellschaft, dem für die Friedhöfe zuständigen Osnabrücker Servicebetrieb sowie dem städtischen Kulturbüro zusammen. Viele engagierte Bürger folgten dem gemeinsamen Spendenaufruf und gaben Geld, das dann noch einmal vom Spendenfonds der Stadtwerke aufgestockt wurde.

So konnten die Sandstein-Pultplatte, eine Info-Tafel und ein umlaufender Sandstein-Fries finanziert werden. Der Fries trägt die Aufschrift Für Menschlichkeit, Toleranz und das Recht des Einzelnen auf eine eigene Meinung.″ Es ist ein Satz, den Erich Maria Remarque dem KZ-Häftling Nr. 509 im Roman Der Funke Leben″ in den Mund gelegt hat. Es ist der Roman, den Erich Maria Remarque seiner ermordeten Schwester Elfriede Scholz widmete.

Bürgermeister Uwe Görtemöller zog einen Vergleich: Wenn Erich Maria Remarque einer der großen Söhne unserer Stadt gewesen sei, dann dürfe man heute sagen, dass Elfriede Scholz zu den großen Töchtern von Osnabrück gehöre. Ihr einziges Vergehen, weshalb sie von der Nazi-Justiz ermordet worden ist, war ihr offen und ehrlich geäußertes Nein zum Völkermord im Zweiten Weltkrieg – ‚ Wehrkraftzersetzung′ haben das die braunen Machthaber genannt″, sagte Görtemöller.

Marlene-Dietrich-Lied

Liedermacher und Sänger Günter Gall verlieh der Feierstunde einen würdigen musikalischen Rahmen, indem er eine Eigenvertonung des Kästner-Gedichts Primaner in Uniform″ vortrug und anschließend, zum Mitsingen für alle, das Anti-Kriegs-Lied Sag mir, wo die Blumen sind″ anstimmte. Auch dieses Lied hat Remarque-Bezug: Es wurde von Remarques zeitweiliger Liebschaft Marlene Dietrich populär gemacht. In der letzten Strophe heißt es: Sag mir, wo die Gräber sind, wo sind sie geblieben? Für dasjenige von Elfriede Scholz gibt es nun eine Antwort. Es ist heimgekehrt″, es hat seinen Platz bei der Mutter auf dem Hasefriedhof gefunden. Der Gedenkort wird dafür sorgen, dass sie nicht vergessen wird.

Bildtexte:
FREI GEFEGT: Der Gedenkstein zur Erinnerung an Elfriede Scholz, Schwester von Erich Maria Remarque, ist am Sonntag auf dem Hasefriedhof eingeweiht worden. Elfriede Scholz wurde am 16. Dezember 1943 in Berlin hingerichtet.
Eine Büste von Elfriede Scholz
GÜNTER GALL.
Fotos:
David Ebener
Autor:
Joachim Dierks


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