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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimagipfel einigt sich auf neues Regelwerk
 
Erleichterung nach dem Gipfel
Zwischenüberschrift:
Diplomaten feiern Klima-Ergebnisse von Kattowitz / Guterres: Frage von Leben und Tod
Artikel:
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Originaltext:
Kattowitz Der Weltklimagipfel in Polen hat nach zwei Wochen zäher Verhandlungen ein umfassendes Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen. Es soll helfen, die Erderwärmung und ihre fatalen Folgen wie Dürren, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen einzudämmen. Das in Kattowitz (Katowice) von fast 200 Staaten gebilligte Dokument legt fest, dass alle Länder regelmäßig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstoßen und was sie dagegen tun.

UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem soliden″ Ergebnis, mahnte aber zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Er lud für September zu einem großen UN-Treffen ein, bei dem die Staats- und Regierungschefs Farbe bekennen sollen. Das gut 130 Seiten starke Regelbuch setzt das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015 praktisch um. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Die internationale Zusammenarbeit hat keine Konjunktur. Beim Klimagipfel schafft es die Weltgemeinschaft trotzdem, sich zusammenzuraufen. Ist der Aufbruch für mehr Klimaschutz damit geschafft?
Kattowitz Als der entscheidende Hammerschlag ertönt, ist die Erleichterung der Diplomaten spürbar. Sie klatschen sich selbst Applaus, manche nehmen sich lange in den Arm. In zahllosen Debatten, lautem Streit, vertraulichen Runden und Plenarsitzungen haben sie nach zwei Wochen das Klimaschutzabkommen von Paris mit Leben gefüllt. Denn was ist ein Ziel wert ohne einen Weg dorthin? Aus dem polnischen Kattowitz (Katowice) reisen die Delegierten nach Hause in 196 Länder, im Gepäck ein 133-seitiges Regelwerk für den Klimaschutz.

Und der ist nicht weniger als eine Frage von Leben und Tod″, wie UN-Generalsekretär António Guterres mahnt. Die Welt ist seit dem 19. Jahrhundert nicht einfach ein Grad wärmer geworden. Extreme Wetterlagen werden häufiger Dürren wie in Afrika, unerträgliche Hitzewellen mit Hunderten Toten wie in Pakistan, Waldbrände wie jüngst in Kalifornien. Hinzu kommen stärkere Stürme und Orkane. Die Verhandlungen standen trotz der Dringlichkeit unter schwierigen Vorzeichen. US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen eingeleitet, aber die Amerikaner sitzen noch mit am Tisch sehr aktiv, wie Teilnehmer berichteten. China hat sich nicht zur Klimaschutz-Lichtgestalt entwickelt, zu der viele das Land nach Trumps Wahl hochloben wollten. Brasilien bekommt einen Präsidenten, dem zugetraut wird, ebenfalls das Abkommen zu verlassen jedenfalls könnte Jair Bolsonaro den fürs Klima so wichtigen Regenwald noch schneller abholzen lassen als bisher.

Mit dieser Ausgangslage ein weltweit gültiges Regelwerk von solcher Tragweite zu beschließen und es nicht bei Sonntagsreden zu belassen, ist kein Selbstläufer. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), Kopf der deutschen Delegation, spricht von einem Erfolg für den Multilateralismus″, der Zusammenarbeit der Staaten: Wir haben erreicht, dass sich zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lässt.″ Die neuen Regeln bestimmen, wie die Länder über Erfolge, Misserfolge und Pläne beim Einsparen von Treibhausgasen berichten müssen.

Begleitet wird die Mammut-Veranstaltung, zu der mehr als 32 000 Menschen angereist sind, von düsteren Warnungen und dramatischen Appellen. Der äthiopische Verhandlungsführer Gebru Jember Endalew, der auf dem Gipfel für rund eine Milliarde Menschen in den ärmsten Staaten spricht, berichtet vom Elend in seiner Heimat. In vielen Landstrichen falle in Folge der Erderwärmung monatelang kein Regen. Äthiopien stehe an der Frontline″ des Klimawandels. Dass die Treibhausgasemissionen weltweit weiter steigen, sei ein Skandal. Auch der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber wird pathetisch. Wir rasen wirklich auf eine Wand zu″, sagt er. Und der Crash könnte letztlich das Ende unserer Zivilisation herbeiführen.″

Was viele Klimaschützer und arme Staaten sich gewünscht hätten von dieser Konferenz, das ist ein klares und glaubwürdiges Signal, dass der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen jetzt schneller sinkt. So ein Signal gehe von Kattowitz aber nicht aus, beklagen Umweltverbände. Die Regierungen der Welt brauchen viel mehr Druck von ihren Bürgerinnen und Bürgern, endlich mit dem Klimaschutz Ernst zu machen″, sagt Michael Schäfer vom WWF.

Übrigens: Der Gipfel allein produzierte nach Schätzungen der Stadt Kattowitz rund 55 000 Tonnen CO2.

Kommentar:
Auf Wiedervorlage

Neue Klimakonferenz, alte Erkenntnis: Die globale Erwärmung, die größte Herausforderung der Zukunft, wird mehr verwaltet als bekämpft. Vielleicht ist das auch einfach die ehrlichere Herangehensweise. Denn dass der Klimawandel tatsächlich noch gestoppt oder auch nur spürbar abgebremst werden kann, glauben nur noch die wenigsten.

Insofern wiederholt sich das Bild vergangener Jahre. Allein der Umstand, dass es in Kattowitz gelungen ist, sich überhaupt auf ein Abschlussdokument zu einigen, wird als herausragender Erfolg gesehen so als wären diese Konferenzen in erster Linie einer Art Selbstzweck verpflichtet und nicht der Weltrettung. Es spricht Bände, wie erbittert um eine angesichts der Größe des Problems nachrangige Formulierung gerungen wurde. Den Menschen in Bangladesch kann es egal sein, ob der Weltklimabericht formal begrüßt″, zur Kenntnis genommen″ oder nur ob seiner rechtzeitigen Fertigstellung begrüßt″ wird.

Das Grunddilemma bleibt, dass ernsthafte Maßnahmen weiter im Ermessen der einzelnen Staaten liegen. Heißt: Wer nicht will, der muss nicht; einheitliche Messsysteme hin, Transparenzregeln her. Und wenn eine unwillige Regierung dann am Pranger steht, ist ihr das im Zweifel schnuppe. Siehe USA. Zudem wurden, wie gewohnt, etliche Fragen vertagt. Neues Jahr, neue Konferenz und wohl wieder alte Erkenntnis.
Autor:
dpa, AFP, Maik Nolte


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