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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Roncalli und das Stille-Post-Prinzip
Zwischenüberschrift:
Wieso der Zirkus eine dramatische Mitteilung veröffentlichte und die Polizei diese für übertrieben hält
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück/ Fulda Das Chaos um die Verspätung des Sonderzugs des Circus Roncalli scheint seinen Ursprung in einem Kommunikationswirrwarr zu haben.

Der 700 Meter lange Zug war am Donnerstag erst mit zehnstündiger Verspätung in Osnabrück angekommen. Er transportierte 1200 Tonnen Material für den Weihnachtscircus, den Roncalli vom 21. Dezember bis 6. Januar an der Halle Gartlage veranstaltet.

Die geplante Ankunftszeit war um 9 Uhr gewesen. Während der Zug ausblieb, trat Roncalli mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit, die sich dramatisch las: Am Abend zuvor sei es bei einem Halt in Fulda zu einer Manipulation der Bremsen gekommen, bei Weiterfahrt wäre es mit Sicherheit zu einer Entgleisung gekommen, ein Unglück habe im letzten Moment vermieden werden können. Und: Die Bundespolizei habe den Zug stillgelegt.

Dort wusste man freilich nur von einem gemeldeten Einbruch in die Lok und dem damit verbundenen Diebstahl eines Laptops. Von einer Stilllegung könne keine Rede″ sein, bekräftigte Pressesprecher Klaus Arend auch am Freitag. Zwar habe er mittlerweile erfahren, dass offenbar an einem Wagen eine Bremse entkoppelt worden sei. Das habe am Mittwoch seinen Kollegen gegenüber, die wegen des Diebstahls vor Ort waren, aber niemand geäußert.

Außerdem zog er die Schwere des Zwischenfalls in Zweifel. Wenn bei einem Zug die Bremsleitung entkoppelt werde, entweiche Luft, und die Wagen würden blockiert anders als bei einem Auto, an dem die Leitungen durchschnitten werden, hätte sich der Zug also gar nicht mehr bewegen und demzufolge auch nicht entgleisen können.

Roncalli-Sprecher Markus Strobl erklärte, er habe die Informationen, die er in seiner Mitteilung verwendete, über seinen Betriebsleiter Patrick Philadelphia bezogen. Der wiederum verwies auf das Transportunternehmen. Am Nachmittag legte Roncalli Screenshots eines Whatsapp-Chats vor, in dem Philadelphias Kontaktmann zum Transportunternehmen wiederum Schilderungen des Lokführers wiedergibt. Darin ist einerseits von Manipulationen der Bremsen und der Auslage von Bremsklötzen, sogenannten Hemmschuhen, die Rede. Andererseits schreibt der Kontaktmann, der Zug werde sich verspäten, da die BZ Mitte die Weiterfahrt verweigert hat″. Nach Auskunft einer Bahnsprecherin handelt es sich bei der BZ Mitte″ um die für Fulda zuständige Betriebszentrale der DB Netz AG und nicht um die Bundespolizei.

Wer bei der Bahn zu dem konkreten Vorfall nachhaken will, wird von der Betriebszentrale an die Bundeszentrale und von dort an das Frankfurter Regionalbüro verwiesen, das auch nichts Näheres weiß und wiederum die Bundespolizei für zuständig hält.

Im Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Transportunternehmens kristallisiert sich dann allmählich folgender Ablauf heraus: Nachdem der Einbruch registriert und die Polizei wieder abgerückt war, wurde bei einer Routinekontrolle das Problem bei den Bremsen bemerkt wie auch immer dieses nun entstanden war. Durch die doppelte Verzögerung aus Polizeieinsatz und Bremsreparatur lief der Fahrplan ab; ein neuer konnte dann erst am Donnerstag zu Bürozeiten beantragt werden. Bis dahin war bereits eine lange Kommunikationskette in Gang gesetzt, die anscheinend nach dem Prinzip Stille Post″ zu der dramatischen Pressemitteilung Roncallis führte.

Weniger klar ist bislang, wer für den Schaden aufkommt. Nach Angaben von Markus Strobl hat die Verzögerung den Zirkus 8000 Euro gekostet: für einen angemieteten Bagger, extra aus Köln nachgeholtes Personal und erzwungenermaßen gebuchte Hotelzimmer für die Mitarbeiter.

Bildtext:
Zehn Stunden später als geplant kam der Roncalli-Sonderzug mit dem Zirkusmaterial am Donnerstagabend in Osnabrück an.
Foto:
Hermann Pentermann
Autor:
Raphael Steffen


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