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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo finanziell am Limit: Stadt muss helfen
Zwischenüberschrift:
Warum der Zoo Osnabrück ab 2020 einen kommunalen Millionenzuschuss benötigt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sponsorenlandschaft abgegrast, Besuchergrenze erreicht: Der Zoo Osnabrück ist finanziell am Limit. Aus eigener Kraft kann er dringend nötige Umbauten wie die Vergrößerung der Elefantenanlage nicht mehr stemmen. Deshalb soll jetzt die Stadt mit einem Millionenzuschuss helfen.

Osnabrück Ab 2020 würden 500 000 Euro pro Jahr aus öffentlicher Hand gebraucht, erklärte Zoogeschäftsführer Andreas Busemann am Mittwochabend beim Förderkreistreffen im Rathaus. Die Mittel sollen in die Vergrößerung der Elefantenanlage fließen, für die der Zoo etwa sechs Millionen Euro aufbringen muss. Neue Haltungsvorgaben machten den Umbau notwendig. Bleibe er aus, drohe der Verlust der Dickhäuter. Der Manager warnte: Investieren wir nicht, werden uns die anderen Zoos überholen. Dann das Ruder wieder rumzureißen wird noch teurer und sehr viel schwerer.″

Nur mit einem Zuschuss der Kommune sei es möglich, die letzten Schwachstellen″ am Schölerberg zu beseitigen, mittelfristig die viel zu geringe Eigenkapitaldecke″ zu stärken und den Zoo auf diese Weise zukunftssicher zu machen, so Busemann weiter.

Natürlich werde der Zoo Osnabrück weiterhin alles tun, um selbst Geld reinzuholen durch neue Tiere, neue Veranstaltungen, neue Sponsoren. Aber Zoos seien einfach nicht aus sich heraus rentabel. Wenn das so wäre, hätte jede Stadt einen.″ Münster beispielsweise fördere den laufenden Betrieb seines Allwetterzoos demnächst mit 4, 8 Millionen Euro jährlich und gebe außerdem 20 Millionen Euro für Investitionen dazu. In Hannover kämen 3 Millionen Euro jährlich aus öffentlicher Hand, plus 35 Millionen Euro Investitionszuschuss.

Controlling-Experte Joachim Dallwig, Mitglied im Beirat und Finanzbeirat der gemeinnützigen Zoogesellschaft Osnabrück, stellte fest: Der Zoo hat alles getan, was geht, um schwarze Zahlen zu schreiben.″ Doch trotz einer kreativen und ausgefeilten″ Unternehmensstrategie mit hohen Besucherzahlen, hohen Sponsoring- und Fundraising-Erlösen sowie geringen Personal- und Energiekosten würden Abschreibungen in Höhe von zwei Millionen Euro jährlich eine positive Bilanz verhindern.

Zoopräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Sliwka stellte der Stadt als Gegenleistung für den erbetenen Zuschuss eine größere Beteiligung an der gGmbH in Aussicht. Wenn die Stadt uns unter die Arme greift, können wir ihren Anteil von 5 auf mindestens 25 Prozent erhöhen und Aufsichtsratsmandate gewähren.″

Um die wirtschaftliche Bedeutung des Zoos für die Region zu belegen, fertigte das Institut für Tourismus in diesem Jahr ein Gutachten an. Ergebnis: Auf rechnerisch 110 Vollzeitstellen im Zoo kommen etwa zweimal so viele in der Region, zusammen also ungefähr 320. Das sind bald 50 mehr als im Jahr 2009. Im selben Zeitraum stiegen die jährlichen Besucherzahlen von 900 000 auf über eine Million und mit ihnen die Wertschöpfungseffekte auf insgesamt 15, 2 Millionen Euro. Gut ein Sechstel davon entfallen auf Tourismusausgaben. Zum Hintergrund: Etwa die Hälfte der Zoobesucher wohnt weder in der Stadt noch im Landkreis Osnabrück.

Zooexperte Anthony Sheridan, bekannt für seine seit 2009 erscheinende Rangliste europäischer Zoos, bescheinigte dem Zoo Osnabrück die großartige Leistung″, sich trotz eines vergleichsweise kleinen Einzugsgebiets und niedriger Zuschüsse diesmal in die Liga der besucherstärksten Zoos emporgearbeitet zu haben. Im kürzlich erschienenen Sheridan-Ranking 2018 belege der Zoo Osnabrück deutschlandweit Platz 10 von 33. Europaweit sei er jetzt die Nummer 22 von 30.

Bildtext:
Um die Elefanten langfristig im Zoo behalten und sich am Zuchtprogramm beteiligen zu können, muss das Dickhäutergehege vergrößert werden.
Foto:
Archiv/ David Ebener

Kommentar
Mitspracherecht erkaufen

Beim Geldverdienen macht dem Zoo Osnabrück keiner was vor, seit Andreas Busemann vor 20 Jahren die Geschäfte übernommen hat. Immer wieder fiel dem findigen Manager und seiner Mannschaft etwas Neues ein, um die chronisch knappen Kassen aus eigener Kraft zu füllen. Mit etwas Glück, jeder Menge Geschick und Genialität gelang es so, den Tierpark mittlerweile Stolz der Stadt und Anziehungspunkt einer ganzen Region finanziell unabhängig zu machen von jenen teils irrsinnig hohen kommunalen Zuschüssen, wie sie bei anderen Zoos landauf, landab üblich sind.

Doch jetzt scheint am Schölerberg das Ende der Fahnenstange erreicht. 200 Sponsoren, eine Million Besucher pro Jahr: Mehr geht nicht. Alle Einnahmequellen sind ausgeschöpft. Für die letzte Mammutaufgabe die dringend notwendige Vergrößerung der Elefantenanlage braucht der Osnabrücker Zoo deshalb die Unterstützung der Stadt. Und die sollte den erbetenen Zuschuss gewähren. Weil der Zoo und alles, was daran hängt, es ihr wert sind. Und weil sie sich so mehr Mitspracherecht erkaufen kann. Denn auch die Frage, inwiefern das hoch professionell geführte Unternehmen Zoo in seiner althergebrachten Vereinsstruktur noch richtig aufgehoben ist, muss man sich in Osnabrück allmählich stellen.
Autor:
Sebastian Stricker


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