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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Falsche Obdachlosenzeitung im Umlauf
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Straßenzeitung „Abseits!?″ empört über unseriöse Konkurrenz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Sie haben die Zeitungspacken manchmal in einem Kinderwagen, sind zum Teil minderjährig und sprechen nur gebrochen Deutsch die Verkäuferinnen einer dubiosen Obdachlosenzeitung. Das Üble bei ihrem Auftritt: Sie behaupten,
die Osnabrücker Straßenzeitung Abseits!?″ gebe es nicht mehr. Straßenträumer″ sei der Nachfolger.

Mit Konkurrenz könnten wir umgehen. Aber das ist eine Frechheit″, stellt Thomas Kater, Sozialarbeiter und verantwortlicher Redakteur der Abseits!?″ fest. Die Osnabrücker Straßenzeitung wird von ehemals Wohnungslosen und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Tageswohnung an der Bramscher Straße gemacht. Am 29. Juli vor genau 15 Jahren erschien die erste Ausgabe, am Samstag, 18. September, soll das Jubiläum mit einem großen Straßenfest gefeiert werden. Und jetzt so was.
Aufmerksam auf den Straßenträumer″ wurden Verkäufer der Abseits!?″. Das sind wohnungslose oder ehemals wohnungslose Menschen, die von den 1, 10 Euro Verkaufspreis 55 Cent für sich behalten dürfen. Karl Fiedler, der seinen Stammplatz am Domhof hat, wurde am vergangenen Samstag von Marktbeschickern angesprochen. Denen wiederum war der Straßenträumer″ angeboten worden mit dem Hinweis, die Zeitung sei Nachfolger von Abseits!?″.
Fiedler schaute sich um und entdeckte am Theater in Richtung Nikolaiort eine etwa 16-jährige Jugendliche. Von Fiedler angesprochen, verwies sie auf Mutter″, eine Frau mit einem Kinderwagen, in dem nach Fiedlers Aussage mindestens zwei Packen Zeitungen lagen. Ein Kind hat er nicht gesehen. Beide zeigten ihm einen undefinierbaren Ausweis. Ich habe sie gebeten, etwas zu warten, damit ich das überprüfen kann″, sagte Fiedler: Aber sie sind verschwunden.″
Wenigstens Sie gibt es noch″, wurde Wieland Wesiger, Abseits!?″- Verkäufer an der Krahnstraße, von einem Stammkunden freudig begrüßt. Dieser hatte, im Glauben, etwas Gutes zu tun, kurz zuvor einen Straßenträumer″ erstanden und dabei gehört dass es die Abseits!?″ nicht mehr gebe. Wir befürchten, dass mehrere Kunden darauf hereingefallen sind″, sagte Kater.
Straßenträumer Überregionale Ausgabe für deutschsprachige Länder″ mit Sitz in Darmstadt ist bislang vorwiegend in Süddeutschland verkauft worden. Der Inhalt ist äußerst dürftig: ein paar groß gedruckte Kalendersprüche, Gedichte und ein Artikel″ zum Thema Obdachlosigkeit, von dem ganze Passagen aus Wikipedia stammen.
Ob oder wie viel die Verkäufer vom Solidaritätspreis″ 1, 50 Euro erhalten, wird nicht mitgeteilt. Bei Abseits!?″ zum Beispiel steht es schon auf der Titelseite. Dafür ist ein Hinweis auf die Gewerbeordnung, § 55a, Absatz 10 unübersehbar groß gedruckt: Eine Reisegewerbekarte braucht nicht, wer Druckwerke auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten feilbietet.″ Rechtlich ist nichts gegen den Verkauf einzuwenden außer in Rheinland-Pfalz. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier hat bereits im Februar 2008 den Verkauf von Straßenträumer″ untersagt. Angeblich geht der Verkaufserlös an eine Suppenküche und eine Kleiderkammer für Obdachlose in Darmstadt. Den dortigen Behörden sind diese Einrichtungen jedoch nicht bekannt. Auch die Gemeinnützigkeit könne der Verein Straßenträumer″ nicht nachweisen. Eine Aufsichtsbehörde wie in Rheinland-Pfalz gibt es in anderen Bundesländern nicht.
Der Herausgeber, der früher bereits mit anderen angeblichen Obdachlosenzeitungen wie Food für you″, StraMax″ oder Streetworker″ auf dem Markt war, war von der Neuen OZ weder auf dem Festnetz noch am Handy für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bildtext:
Links ist die echte Osnabrücker Straßenzeitung Abseits!?″ zu sehen, rechts der angebliche Nachfolger.Thomas Kater von den Sozialen Diensten SKM weist darauf hin, dass sich alle Abseits!?″- Verkäufer jederzeit mit einem Ausweis samt Foto legitimieren können.
Foto:
Michael Hehmann

KOMMENTAR
Neue Masche mit dem Mitleid

Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann Geschäftemacher auch in Osnabrück auf die Masche mit Straßenzeitungen kommen. Die Menschen geben in der Regel gerne, wenn sie wissen, dass sie damit etwas Gutes tun. Und in diesem Fall bekommen sie sogar etwas zurück. Beim Straßenträumer″ handelt es sich allerdings nur um ein billig zusammengeschustertes Druckwerk.
Dass die Verkäufer das Papier aber offensichtlich als Nachfolger der Osnabrücker Straßenzeitung Abseits!?″ anpreisen, erfüllt mindestens den Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs.
Das wiegt umso schwerer, als Abseits!?″ in Osnabrück einen guten Ruf hat. Viele Kunden haben ihre Stammverkäufer. Man kennt sich, hält auch mal ein Schwätzchen. Allein gegen den Verkauf dieser angeblichen Obdachlosenzeitung ist rechtlich nichts zu machen. Wohl aus gutem Grund ist darin dick zu lesen, dass die Anbieter keine besondere Erlaubnis brauchen. Also: Augen auf beim Kauf von Straßenzeitungen. Wer 1, 50 Euro für die falsche Zeitung ausgibt, tut wahrscheinlich nur der Privatkasse des windigen Herausgebers etwas Gutes.
Autor:
Ulrike Schmidt


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