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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Beim Klima müssen alle mitziehen″
 
Wie warm wird es noch?
Zwischenüberschrift:
BDI-Chef drängt vor Gipfel in Kattowitz auf stärkere internationale Anstrengungen
 
Ab heute soll beim Weltklimagipfel in Kattowitz Tacheles geredet werden / Bewusstsein durch Dürresommer geschärft
Artikel:
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Originaltext:
Der Erde droht der Hitzschlag, warnen Klimaexperten. Aber wie kann die Erderwärmung mit katastrophalen Folgen noch verhindert werden? Antworten und verbindliche Regeln soll die UN-Klimakonferenz in Kattowitz geben.

Osnabrück/ Kattowitz Die Festlegung verbindlicher Regeln zur Begrenzung der Erderwärmung steht im Mittelpunkt des 24. UN-Klimagipfels im polnischen Kattowitz (Katowice). Die als historisch eingestuften Beschlüsse der Pariser Klimakonferenz von 2015 sollen durch klare Regeln zur Umsetzung und Überprüfung ergänzt werden. In Paris war beschlossen worden, die Erderwärmung auf unter 2 Grad, möglichst sogar auf 1, 5 Grad zu begrenzen.

Unterdessen wächst der Unmut vieler Menschen über den als zu zögerlich empfundenen Klimaschutz. Kurz vor Eröffnung der Konferenz in Polen demonstrierten am Wochenende in Berlin, Köln und Brüssel Tausende Menschen für eine Energiewende. In der Slowakei saßen zwölf Greenpeace-Aktivisten, die am Mittwoch auf den Kohleförderturm geklettert waren, weiter in Haft.

Auch Experten warnen, dass es beim Klimaschutz zu langsam vorangehe. Die USA haben sich als einer der größten Verursacher von Treibhausgasen sogar aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen. Beim G-20-Gipfel in Buenos Aires stand US-Präsident Donald Trump damit weiter isoliert da alle anderen Teilnehmer betonten am Samstag aber, das Klimaabkommen sei unumkehrbar. Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zuversichtlich über einen Erfolg der Klimakonferenz.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) drängt auf stärkere internationale Anstrengungen zum Klimaschutz. BDI-Präsident Dieter Kempf sagte unserer Redaktion: Wir in der deutschen Industrie stehen fest zum Pariser Klimaabkommen. Aber die Lücke zwischen Anspruch und Handlungen der Unterzeichnerstaaten ist noch immer groß. Auf dem Klimagipfel muss die Staatengemeinschaft als Ganzes stärker vorankommen.″

Kempf mahnte: In Europa sollten wir vorsichtig sein, dass wir aus ambitionierten Zielen nicht überambitionierte Ziele machen.″ Es sei richtig, voranschreiten zu wollen. Aber es sei falsch zu glauben, unser Kontinent könnte allein das Weltklima retten″. Denn die gesamte EU sei nur für knapp zehn Prozent der globalen CO2 - Emissionen verantwortlich, mit stark abnehmender Tendenz. Kempf forderte: Die Länder, die für die übrigen 90 Prozent verantwortlich sind, müssen jetzt mitziehen.″

Einsparziele, so der BDI-Präsident weiter, dürften kein Wunschdenken sein. Er warnte, niemand könne heute sagen, wie es nach der Abschaltung der Kernkraftwerke um die Versorgungssicherheit in Deutschland stehen werde. Heute profitieren wir noch von einem innereuropäischen Ausgleich in der Stromversorgung. Weil aber andere EU-Länder ebenfalls ihre Energieversorgung umstellen, droht die Versorgungssicherheit in Gefahr zu geraten.″

Kommentar
Regeln für alle oder für keinen

Regelbuch statt neue Ziele, gemeinsame Verpflichtung statt Belastung Einzelner: Die heute in Kattowitz beginnende UN-Klimakonferenz kann wegweisende Beschlüsse hervorbringen, sicher ist das aber bei Weitem nicht.

Bei den vergangenen Klimagipfeln sind immer wieder Zielwerte festgelegt worden, die vor allem eine über die Maßen zunehmende Erderwärmung verhindern sollten. In der Bilanz sind weder die Grenzen eingehalten noch ist der Wärmeanstieg verhindert worden.

Dabei lässt sich durchaus über die Frage streiten, wie hoch der naturgegebene Anteil an der Klimaveränderung ist und wie hoch der von Industrie und Gesellschaft. Veränderungen hat es immer schon über die Jahrtausende gegeben, die zunehmende Geschwindigkeit könnte Sorgen bereiten.

Diskussionswürdig scheint der Vorschlag zu sein, den Kohlenstoffdioxid-Preis moderat über die nächsten Jahre anzuheben und an anderer Stelle für Entlastung zu sorgen. Wichtig hierbei: Bürger und Wirtschaft dürfen nicht übermäßig belastet werden, idealerweise profitiert der deutsche Markt sogar von der Klimatechnologie.

Eines darf aber in und nach Kattowitz nicht passieren. Es werden Vorschriften geschaffen, die anschließend nur Deutschland pedantisch umsetzt, in Europa übersehen und von Nationen wie den USA und China schlicht ignoriert werden. Gefordert ist ein verpflichtendes Regelbuch für den internationalen Vergleich. Ansonsten können wir nationale deutsche Alleingänge nur als Tropfen auf den heißen Stein sehen, und sie schaden uns eher, als dass sie nutzen.

Hitze, Dürre und Unwetter in diesem Jahr haben den Klimawandel ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Doch die Treibhausgas-Emissionen steigen. Das Klimaabkommen von Paris alleine hilft nicht in den kommenden zwei Wochen muss die Weltgemeinschaft es mit Leben füllen.

Kattowitz Kattowitz ist als Ort für einen Klimagipfel auf den ersten Blick ziemlich ungeeignet. Die 300 000-Einwohner-Stadt liegt im oberschlesischen Industriegebiet, der Steinkohleregion Polens. Wir haben ein kohlebesessenes Land am Steuer″, kritisiert die Hilfsorganisation ActionAid.

Andererseits passt Kattowitz als Gastgeber genau deswegen. Denn viele Zechen sind inzwischen zu. Der Ort habe sich von einer Kohle- und Stahl-Stadt zu einer Stadt der Kultur, moderner Dienstleistungen, IT, Wirtschafts- und Bildungseinrichtungen″ entwickelt, lobt Ovais Sarmad vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen.

Tagebaue und Kraftwerke dichtmachen, neue Jobs für die Kohlekumpel, darum ringt gerade auch Deutschland und es muss eine globale Aufgabe im Kampf um das Weltklima sein.

Wenn Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) heute den Deutschen Pavillon auf dem 24. UN-Klimagipfel eröffnen, können sie keine Fortschritte beim deutschen Kohleausstieg verkünden. Das war anders geplant. Wenigstens ein paar Sofortmaßnahmen für das Klimaschutzziel 2020 hätten sie in der Tasche haben sollen, so wollte es die Bundesregierung. Und kurz sah es so aus, als könnten sie schon ein Gesamtkonzept für den Weg aus der Braun- und Steinkohle vorzeigen.

Aber die Kohlekommission, in der Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaftler und Klimaschützer an einem Tisch sitzen, dreht eine Extrarunde, weil die betroffenen Bundesländer konkretere Zusagen wollen. Dann brauchen wir halt etwas länger″, sagte Schulze. Allein dass es die Kommission gebe, sei das richtige Signal″. Die Verzögerung regt deutsche Klimaschützer auf, wird in Kattowitz registriert werden. Die Verzögerung wird aber nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Auch nicht, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht vorbeischaut.

Die Klimadiplomaten aus mehr als fast 200 Ländern haben große Aufgaben vor sich in den knapp zwei Wochen, die sie in Polen zusammensitzen. Ein Regelwerk muss her für die Umsetzung des Paris-Abkommens, in dem die Weltgemeinschaft sich das Ziel gesetzt hat, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad″, möglichst auf 1, 5 Grad, zu begrenzen. Schon jetzt hat sich die Erde bereits um etwa ein Grad erwärmt. Würden die Staaten ihre bisherigen Ankündigungen umsetzen, würden es wohl drei Grad mit katastrophalen Folgen.

Damit es so weit nicht kommt, sollen nun alle fünf Jahre ehrgeizigere nationale Klimaschutz-Pläne auf den Tisch gelegt werden, zwischendurch gibt es globale Bestandsaufnahmen, wo der Klimaschutz gerade steht. Dazu müssen die nationalen Berichte vergleichbar und verlässlich sein die Regeln dafür werden gerade erarbeitet. Wenigstens zu den Grundsätzen solle es bis Mitte Dezember einen Kompromiss geben, damit dieser Klimagipfel als Erfolg gelten kann.

Es geht etwa um die Frage, wie der Bestand und Schutz von Wäldern, die ja das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2 ) aus der Atmosphäre ziehen, angerechnet werden darf. Was technisch klingt, bedeutet nicht weniger, als das Pariser Abkommen auch wirklich mit Leben zu füllen.

Ziel Nummer zwei: 2020 sollen ehrgeizigere nationale Klimaschutzpläne vorliegen. Weil das Pariser Abkommen schneller in Kraft trat als geplant, war für dieses Jahr aber noch keine globale Bestandsaufnahme vorgesehen. Sie wird ersetzt durch den Talanoa-Dialog das Wort stammt aus Fidschi und bezeichnet einen lösungsorientierten, respektvollen Austausch. Egal, wie es heißt: Die Staaten sollen sich jetzt gegenseitig motivieren, ihre Ziele hochzuschrauben.

Außerdem geht es, wie immer bei Klimaverhandlungen, ums Geld. Und da gibt es gleich mehrere Baustellen. Unter anderem geht es um den milliardenschweren Grünen Klimafonds, der eifrig Projekte finanziert und deswegen demnächst wieder aufgefüllt werden muss. Deutschland hat hier schon vorgelegt. Statt wie bisher 750 Millionen Euro hat die Bundesregierung nun 1, 5 Milliarden ab 2019 zugesagt. Andere sollten das genauso machen, mahnt Entwicklungsminister Müller.

Viele Aufgaben also und eine schwierige Ausgangslage. Zwar hat die internationale Klimadiplomatie den Donald-Trump-Schock halbwegs verdaut der US-Präsident hat angekündigt, das Pariser Abkommen zu verlassen. In Verhandlungen verhalten sich die US-Delegationen nach Teilnehmerangaben unauffällig″. Mehrere US-Staaten, Städte und US-Unternehmen zeigen sich seit Trumps Amtsantritt erst recht engagiert. Unklar ist aber weiterhin, wer die milliardenschwere Finanzierungslücke schließen soll, die der US-Präsident reißen will.

Und dann ist da Brasilien, Heimat der Lunge der Welt″, wie das Amazonasgebiet als weltgrößter CO2 - Speicher genannt wird. Der künftige rechtspopulistische Staatschef Jair Bolsonaro will weitere Rodungen im Regenwald zulassen. Zudem spielt er mit dem Gedanken, ebenfalls das Pariser Klimaschutzabkommen zu verlassen.

Andererseits: Der Hitze- und Dürresommer in Europa hat den Klimawandel ins Bewusstsein der Menschen gerückt, die Folgen sind auch im Winter noch sichtbar der Rhein etwa hat noch immer zu wenig Wasser, um voll beladene Tankschiffe zu tragen. Der sogenannte 1, 5-Grad-Bericht der Vereinten Nationen hat überdeutlich gemacht, dass der Kampf um jedes Zehntelgrad sich lohnt, um den Anstieg der Meeresspiegel, die Zunahme von Wetterextremen und den Verlust der Artenvielfalt einzudämmen.

Bildtext:
Das Eis in der Antarktis schmilzt: Auf dem Weltklimagipfel in Kattowitz debattieren ab heute Hunderte Teilnehmer darüber, wie langfristig eine Erwärmung der Erde gestoppt werden kann.
Fotos:
dpa/ elzevir Films/ europacorp

Schwerpunkte des Weltklimagipfels

Regelbuch: Die Klimadiplomaten wollen sich auf Transparenzregeln und Berichtspflichten einigen: Geklärt werden muss, nach welchen Methoden die Länder ihren Treibhausgasausstoß erfassen sollen. Auch Transparenzvorschriften zu den versprochenen Klimahilfen für arme Länder müssen verabredet werden.

Talanoa-Dialog: Die Staaten überprüfen, wie die Welt bei der Minderung der Treibhausgase vorankommt. Bereits jetzt ist klar, dass die freiwilligen nationalen CO2 - Minderungsziele, die sich die Staaten in Paris gegeben haben, nicht ausreichen .

Finanzen: Laut Pariser Klimaabkommen sollen Industrieländer ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Erderwärmung in armen Staaten bereitstellen. In Kattowitz wird es um eine Konkretisierung dieser Zusagen gehen. Wer zahlt was? Wie viel davon fließt aus staatlichen Mitteln?
Autor:
dpa, Uwe Westdörp, Ralf Geisenhanslüke


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