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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mieten für Einzelhändler ziehen an
 
Hohe Mieten verdrängen die Einzelhändler
Zwischenüberschrift:
Welche Folgen stark steigende Gewerbemieten für inhabergeführte Geschäfte in der Osnabrücker 1-a-Lage haben
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Mieten für Einzelhändler in unserer Region ziehen deutlich stärker an als im Bundesschnitt. Das geht aus dem gewerblichen Immobilienmarktbericht der IHK hervor. Demnach beträgt der Anstieg in der Stadt Osnabrück insgesamt 14 Prozent und im Landkreis elf Prozent. Die Nettokaltmiete für Einzelhandelsflächen in der Stadt stieg in den vergangenen vier Jahren auf 14, 24 Euro pro Quadratmeter. Für gewerbliche Neuvermietungen in Bramsche zogen die Preise auf zehn Euro, in Georgsmarienhütte auf 10, 25 Euro und in Melle auf 8, 22 Euro pro Quadratmeter an. In der Osnabrücker 1a-Lage auf der Großen Straße liegen Ladenmieten sogar bei bis zu 110 Euro pro Quadratmeter. Inhabergeführte Geschäfte in Osnabrücks bester Lage kritisieren die stark steigenden Mieten.

Stark steigende Mieten treffen nicht nur private, sondern auch gewerbliche Mieter. Wer sich Mieten von bis zu 110 Euro pro Quadratmeter in der Osnabrücker 1-a-Lage noch leisten kann, wie inhabergeführte Geschäfte damit umgehen und warum gewerbliche Mieten für den Einzelhandel auch im Landkreis Osnabrück stärker als im bundesweiten Schnitt steigen.

Osnabrück Holger Bulk hat den Kampf aufgegeben. An der Espresso-Bar, an die er unsere Redaktion zu einem Gespräch im hinteren Ladenbereich des Traditionsgeschäfts für Taschen, Koffer und Accessoires gebeten hat, zeigt er sich resigniert. Noch vor zwei Monaten hat er auf ein Umdenken auf Vermieterseite gehofft. Mieten sollten heutzutage flexibel sein und sich an der Geschäftsentwicklung orientieren″, hatte der 49-jährige Geschäftsführer gefordert und prognostiziert: Ansonsten wird das Sterben der kleinen inhabergeführten Geschäfte weitergehen und sich weitere Filialisten ansiedeln.″ Dass er selbst im November 2018 Insolvenz anmelden würde, hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. Er hatte darauf hingewiesen, dass der Mietvertrag noch bis Ende 2019 laufe, die steigenden Mieten aber nicht zur aktuellen Situation im Einzelhandel passen würden. Dazu stehe er mit dem Vermieter im Dialog. Doch es hat alles nichts genutzt. Nach fast neun Jahren als Geschäftsführer wird er das Kapitel Leder Rabe schließen. Auf eine soziale Komponente darf man bei gewerblichen Vermietern heutzutage nicht mehr hoffen″, resümiert er und hofft, dass ein Branchenkollege das Fachgeschäft, das seit 1948 in der Osnabrücker Innenstadt ansässig ist, weiterführt und seine neun Mitarbeiter ihre Arbeit fortsetzen können.

Zu seinem Unglück wurde für Arbeiten an Versorgungsleitungen auch noch für drei Monate eine Baustelle vor seinem Geschäft errichtet. Davon einen Monat direkt vor meinem Schaufenster″, klagt er. Das hatte den Trend der immer geringeren Kundenfrequenz durch den zunehmenden Onlinehandel noch weiter verschärft. Außerdem habe er als Einzelhändler eine ganz andere Kostenstruktur als die großen Ketten: Die können diese Mieten noch bezahlen.″ Sein Blick wandert zur Modekette Snipes, die vis-à-vis in diesem Jahr eingezogen ist. Es ist Wahnsinn, was da los ist″, sagt der Osnabrücker und spielt darauf an, dass Sneaker als Hauptprodukt des Geschäfts gerade voll im Trend liegen.

Auch der Geschäftsführer des Osnabrücker Juweliers Oeding-Erdel in der Großen Straße, Kai Limburg, beklagt das Mietpreisniveau: Das Quartier hat gelitten. Es gibt hier nicht mehr die Top-Textiler, sondern nur noch die durch das Onlinegeschäft subventionierten Mittelpreis-Textiler.″ Dennoch würden die Mieten steigen. Für Familienunternehmen seien die mittlerweile aufgerufenen Mieten aber kaum noch zu erwirtschaften.

Andreas Grüß sagt als Experte für einzelhandelsgenutzte Immobilien in 1-a-Lagen deutscher Innenstädte und Geschäftsführer des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklerunternehmens Lührmann Osnabrück: Ich kenne kaum inhabergeführte Einzelhändler, die sich Mieten von 110 Euro pro Quadratmeter in der Osnabrücker 1-a-Lage leisten können. Alle namhaften Vermietungen gehen an Ketten wie etwa Müller oder Snipes.″ Als 1-a-Lage bezeichnet Grüß den Bereich zwischen Peek & Cloppenburg und H& M also die Einkaufsmeile in der Großen Straße. Im Trend seien aktuell etwa Kosmetikanbieter, Geschäfte für Damenunterwäsche wie Hunkemöller oder Läden der Sneaker-Branche. Nachdem in diesem Jahr bereits Snipes eröffnet habe und auf 600 Quadratmetern Sneaker und Streetwear anbiete, suche nun auch noch der britische Sportartikel-Filialist JD Sports einen Laden in der Osnabrücker Innenstadt. Auch der Sportmodegigant aus England hat sein Geschäftsmodell stark auf den Verkauf von Sneakern, die man hierzulande bis zur Jahrtausendwende noch profan Turnschuhe oder Sportschuhe nannte, fokussiert. Die Textilbranche hingegen schwächelt″, weiß Grüß. Er glaubt, dass selbst die Warenhauskette Galeria Kaufhof den Standort in Osnabrück wegen der Branchenkrise nach dem Auslaufen des Mietvertrags in ein paar Jahren nicht weiter erhalten wird.

Eine gute Perspektive hingegen habe das inhabergeführte Osnabrücker Mode- und Sporthaus L& T, das keine Probleme mit hohen Mieten habe, weil es selbst Eigentümer der Immobilien sei und mit einem Alleinstellungsmerkmal wie der Hasewelle versuche, das Einkaufen zum Erlebnis zu machen. Zudem zeige L& T vorbildlich, wie eine Kombination von Einzelhandel und gastronomischem Angebot dazu führen könne, die Verweildauer in dem Geschäft zu verlängern, um der zunehmenden Online-Konkurrenz zu begegnen.

Dem gewerblichen Immobilienmarktbericht der IHK zufolge steigen die Mieten im Einzelhandel in unserer Region stärker als im bundesweiten Trend. Während diese bundesweit in den vergangenen vier Jahren demnach unverändert blieben, beträgt der Anstieg in der Stadt Osnabrück insgesamt 14 Prozent, im Landkreis noch elf Prozent. Die Industrie- und Handelskammer sieht das auch als Beleg für die hohe Attraktivität unserer Wirtschaftsregion. Durchschnittlich stieg die Nettokaltmiete für Einzelhandelsflächen in der Stadt in den vergangenen vier Jahren auf 14, 24 Euro pro Quadratmeter. Die Mieten für den Einzelhandel stiegen bei Neuvermietungen in Bramsche demnach auf durchschnittlich zehn Euro, in Georgsmarienhütte auf 10, 25 Euro und in Melle auf 8, 22 Euro pro Quadratmeter.

Bildtexte:
Superdry, Snipes und Runners Point gehören zu den Modeketten, die zunehmend das Bild der Großen Straße in Osnabrück prägen.
Holger Bulk kann die hohen Mieten in der Großen Straße mit Leder Rabe nicht mehr erwirtschaften.
Snipes gehört zu den Modeketten, die zunehmend das Bild der Großen Straße in Osnabrück prägen.
Fotos:
Jörn Martens, Jean-Charles Fays

NOZ-Podiumsdiskussion zu steigenden Mieten am Mittwoch, 12. Dezember

Der Vonovia-Geschäftsführer der Region Nord, Ulrich Schiller, wird sich bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 12. Dezember, zum Thema Wohnungsnot als sozialer Sprengstoff: Wer kann diese Mieten noch bezahlen? den Fragen zu Mieterhöhungen bei Vonovia-Wohnungen stellen. Weitere Gäste im Podium sind der Geschäftsführer des Osnabrücker Mietervereins, Carsten Wanzelius, CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde und SPD-Ratsmitglied Susanne Hambürger dos Reis. Es moderiert NOZ-Redakteur Jean-Charles Fays. Sie wollen die Podiumsdiskussion live im NOZ-Medienzentrum (Breiter Gang, Osnabrück) verfolgen? Dann registrieren Sie sich online unter https:// noztalk-wohnungsnot.eventbrite.de. Für Ihre Anmeldung arbeiten wir mit dem Portal Eventbrite zusammen. Außerdem ist eine telefonische Kartenreservierung möglich unter der Nummer 05 41/ 310-10 00 (Montag bis Freitag von jeweils 10 bis 13 Uhr). Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Pro Anmeldung können maximal 4 Karten reserviert werden. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 18.30 Uhr.
Autor:
Jean-Charles Fays


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