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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zu viel Krach auf dem Westerberg?
 
Zoff auf dem Westerberg
Zwischenüberschrift:
Anwohner fühlen sich von Veranstaltungen am Büdchen in ihrer Ruhe gestört
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das Büdchen auf dem Westerberg ist vor allem im Sommer ein beliebter Treffpunkt für Freunde gepflegter Biergartenaufenthalte. Nun gibt es Klagen von Anwohnern, denen sowohl die Veranstaltungsdichte zu groß als auch der von diesen Veranstaltungen ausgehende Geräuschpegel zu hoch ist. Ein Beschwerdeführer hat sich an Verwaltung und Politik gewandt. Sowohl der Osnabrücker Servicebetrieb, in dessen Hoheitsgebiet die Flächen auf dem Westerberg fallen, als auch die für die Einhaltung des Bundesimmissionsschutzgesetzes zuständigen Verwaltungsabteilungen haben ihre Statements abgegeben. Die Anwohner dürften mit den Antworten nicht zufrieden sein, denn die Fachleute vermochten an keiner Stelle eine Überschreitung der Auflagen feststellen.

Vom Büdchen auf dem Westerberg als einem Kleinod im kulturellen Betrieb der Stadt zu sprechen dürfte wohl zumindest bei denjenigen, die den Treffpunkt im grünen Herzen der Stadt kennen, unstrittig sein. Nun aber gibt es Beschwerden zum Treiben im ehemaligen Treff der Westerberger Laubenpieper, der heute von Michael Werner geführt wird.

Osnabrück Laut sei es im Sommer″, so ein Anlieger, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er habe sich an die Stadt gewandt mit der Bitte, den Sachverhalt zu untersuchen. Der Verwaltungsakt mündete nun in einer Anfrage der CDU, deren Beantwortung von der Verwaltung in einer Mitteilungsvorlage zur Kenntnisnahme in die politischen Gremien in Form des Ausschusses für Feuerwehr und Ordnung zurückgespielt wurde.

Niemand will sich äußern

Die Vorwürfe gegen Büdchenbetreiber Michael Werner greifen demnach vor allem die Punkte Lautstärke, Häufigkeit von Veranstaltungen und eine in Augen der Anlieger nicht mehr zu billigende Flächenausdehnung auf. Wir wohnen 150 Meter vom Büdchen entfernt″, so der Beschwerdeführer im Gespräch mit unserer Redaktion. Es handle sich um ein Wohngebiet. Die Zahl der Veranstaltungen und deren Lautstärke übersteigt seiner Meinung nach den für ein solches Gebiet zulässigen Rahmen. Außer ihm gebe es noch 17 weitere Anwohner, die sich vom Büdchen gestört fühlten, allerdings habe sich außer ihm niemand gegenüber der Stadtverwaltung äußern wollen.

Und was sagt nun die Stadt zu den Vorwürfen? Auf alle Fälle sieht sie weder Verstöße gegen Auflagen noch andere Hemmnisse, die gegen zukünftige Veranstaltungen auf dem Westerberg sprechen würden. Die beanspruchte Flächengröße habe sich in den vergangenen Jahren nicht verändert, heißt es in einem Schreiben aus dem August an die Beschwerdeführer.

Auch seien laut Bundesimmissionsschutzgesetz 18 Veranstaltungen im Jahr zulässig. Von den möglichen 18 Veranstaltungstagen habe das Büdchen nur vier genutzt. Selbst in den Jahren des Public Viewings wurde diese Zahl nicht erreicht. Und Überwachungsmessungen hätten zudem ergeben, dass es nicht zu lärmbedingten Richtwertüberschreitungen gekommen sei. Die Messungen hätten auch ergeben, dass die im Sommer an jedem Mittwoch stattfindenden Musikveranstaltungen immissionsschutzrechtlich nicht als lärmrelevant einzustufen″ sind.

Büdchenbetreiber Michael Werner möchte am liebsten in Frieden mit seinen Nachbarn leben. Er kennt den Beschwerdeführer, der einmal wöchentlich einen Stammtisch im Büdchen besucht. Allein von Stammtischen aber kann Werner nicht leben. Da mag die Lage seines Betriebs auch noch so schön sein, um das Büdchen in der Gewinnzone zu halten, muss sich Werner wie auch seine Kollegen etwas einfallen lassen. Wenn die Möglichkeiten beschnitten werden, wird es schwierig″, sagt Werner vor allem mit Blick auf die sommerlichen Mittwochsveranstaltungen zwischen Mai und September.

Das Besondere ist gefragt

Natürlich ist das Büdchen beliebt, zum Beispiel auch für die Laternengänge, die oft bei Bratwurst und Getränk am Büdchen enden oder auch für etliche Klassenfeste am Ende eines jeden Schuljahres. Davon haben wir in jedem Sommer 10 bis 15 Stück″, sagt Werner. Davon leben aber kann er nicht, ebenso wenig wie von dem einen oder anderen Stammtisch. Die Kundschaft wünsche sich für ihre Location das Besondere, entweder beim gastronomischen Angebot, als angesagter Szenetreff oder eben Veranstaltungen, die einem Lokal die Attraktivität geben, die es braucht, um gewinnbringend am Markt bestehen zu können, sagt Werner.

Bildtext:
Das Büdchenfest ist in jedem Sommer fester Bestandteil im Osnabrücker Veranstaltungskalender.
Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar
Ohne Kultur stirbt die Stadt

Kultur? Tolle Sache. Im Sommer im Biergarten sitzen? Super. Musikveranstaltungen? Ein unbedingtes Muss für jede Stadt. Aber in meiner Nachbarschaft? Nein, das geht natürlich nicht.

Dieses Problem ist nicht neu und bei Weitem nicht nur auf dem Westerberg anzutreffen. Kulturveranstaltungen werden oft als störend empfunden, weil sie Lärm verursachen, Flächen in Beschlag nehmen, die sonst frei genutzt werden können und, und, und. Aber was bitte schön wäre eine Stadt ohne diese Veranstaltungen? Sie wäre nicht lebens- und schon gar nicht liebenswert.

Es ist ja verständlich, wenn sich Nachbarn von Lärm gestört fühlen. Aber mal Hand aufs Herz: Ist die Aufregung nicht doch etwas überzogen, wenn es sich im Durchschnitt um etwa vier Veranstaltungstage im Jahr handelt? Das Büdchen auf dem Westerberg ist eine Institution, die vielen Menschen viel Freude bereitet, übrigens auch denjenigen, die sich beschweren. Etwas mehr Gelassenheit ist gefragt, dann wird das Leben leichter.
Autor:
Dietmar Kröger


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