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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt lässt AfD ins Fitschen-Haus in Schinkel
Zwischenüberschrift:
Heftige Kritik an der Verwaltung / Am Sonntagmittag Parteiveranstaltung und Gegendemo
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ausgerechnet″ im Familienzentrum Heinz-Fitschen-Haus soll die Vorstandswahl der AfD-Osnabrück am Sonntag stattfinden, empört sich der Personalrat der Stadt. Im Zentrum der Kritik steht nicht etwa die rechtspopulistische Partei selbst, sondern die Stadtverwaltung.

Osnabrück Denn die hat entschieden, der AfD das Fitschen-Haus kostenpflichtig zur Verfügung zu stellen. Der Personalrat bezeichnet es als einen Schlag ins Gesicht, wenn ohne weitere Absprachen und ohne das Prüfen von Alternativen ausgerechnet ein solches Gemeinschaftszentrum für eine AfD-Veranstaltung bestimmt wird.″ Das Heinz-Fitschen-Haus am Heiligenweg stehe seit jeher für kulturelle Vielfalt, Integrationsangebote und für eine offene und wertschätzende Haltung″, heißt es in einer Stellungnahme des Personalrates. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort fühlen sich verraten und sehen die Ergebnisse der Arbeit von Jahrzehnten leichtfertig aufs Spiel gesetzt.″

Und wie kam es dazu? Wie Stadtsprecher Sven Jürgensen unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte, hat die AfD bei der Verwaltung nach einem städtischen Raum für ihre Veranstaltung gefragt – „ wie das andere Parteien auch machen″, so Jürgensen. Wir haben uns da neutral zu verhalten und den Gleichbehandlungsgrundsatz zu berücksichtigen.″ Die Verwaltung versuche erstens, solche Parteiveranstaltungen im Stadtgebiet auf verschiedene Einrichtungen zu verteilen. Wichtig sei zweitens, dass dort keine andere Veranstaltung gestört werde und am kommenden Sonntag sei im Fitschen-Haus keine andere Veranstaltung geplant. Ein Raum muss es ja sein.″

Das Fitschen-Haus ist ein Kinder-, Jugend- und Familienzentrum. Es bietet Elterncafés und diverse Freizeitangebote an und versucht, schon in der Grundschule einen guten Draht zu den Jugendlichen im Stadtteil zu finden. Den Jugendtreff nutzen zu 98 Prozent Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund.

Integrationsarbeit

Carsten Friderici, Vorsitzender des Bürgervereins Schinkel, hält die Wahl der Verwaltung ebenfalls für ein katastrophales Statement″, da sich gerade das Heinz-Fitschen-Haus sehr um Integration bemühe. Die Stadt hätte mehr Sensibilität walten lassen müssen, findet er.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die Verwaltung scharf und spricht in einer Pressemitteilung von mangelnder Wertschätzung″: Eine Begegnungsstätte braucht Anerkennung und Vertrauen, ist nicht einfach nur ein Veranstaltungsort.″ Nicole Verlage, Vorsitzende des Osnabrücker DGB, bezeichnet es laut Mitteilung als inakzeptablen Vorgang, die in ihrer menschenfeindlichen Gesinnung vielfach auffällige AfD dort zu platzieren! Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt der AfD Räume zur Verfügung stellt. Im April 2016 hatte die Gaststätte Busch in Atter der Partei eine Absage erteilt, und sie kam dann kostenpflichtig im Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße unter.

Wann immer die AfD in Osnabrück in den vergangenen Jahren Parteiveranstaltungen abhielt, gab es Protestaktionen mit Hunderten Teilnehmern. Dieses Mal hat der DGB für Sonntag um 12 Uhr eine Kundgebung mit dem Titel Aus der Geschichte lernen! angemeldet. Polizeisprecher Frank Oevermann sagte auf Anfrage, eine deutliche Polizeipräsenz″ solle gewährleisten, dass sowohl der AfD-Kreisparteitag als auch die Protestaktion des DGB ordnungsgemäß ablaufen können″. Der DGB rechne mit 150 bis 350 Teilnehmern.

Details zur AfD-Veranstaltung am Sonntag sind noch nicht bekannt. Eine Anfrage unserer Redaktion an Jörn König aus dem AfD-Landesvorstand, der vorübergehend als Sprecher des Kreisverbandes fungierte, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Im September war der Kreisvorstand der Osnabrücker AfD geschlossen zurückgetreten. Mitgliedern des Vorstandes und einem ehemaligen Mitarbeiter der Kreistagsfraktion wurde vorgeworfen, an einem Neonazi-Konzert teilgenommen zu haben. Seitdem wird die Partei vom Landesverband geführt. Einen Stadtverband gibt es schon seit der Fusion mit dem Kreisverband im Januar 2017 nicht mehr.

Bildtext:
Hier will die AfD Osnabrück sich am Sonntag treffen und davor wird dagegen protestiert.
Foto:
Archiv/ Jörn Martens

Kommentar
Gerade dort!

Ausgerechnet im Heinz-Fitschen-Haus im Schinkel? Gerade da!

Warum betrachten es die AfD-Gegner in Osnabrück nicht einmal so herum? Zwar kann man der Stadtverwaltung durchaus mangelndes Fingerspitzengefühl vorwerfen, weil sie den Rechtspopulisten das überwiegend von Migranten genutzte Familienzentrum als Austragungsort für ihren Kreisparteitag angeboten hat. Auch die Mitarbeiter, die dort wertvolle Integrationsarbeit leisten, hätten nicht übergangen werden dürfen.

Andererseits wird die AfD dadurch genötigt, sich mit Räumen zu arrangieren, in denen all das erfolgreich gelebt wird, was sie selbst ablehnt: Integration, Hilfe für Migranten, Toleranz gegenüber allen Bevölkerungsgruppen. Und die Rechtspopulisten bekommen nicht die Gelegenheit, sich als Märtyrer zu stilisieren, die weil ungeliebt in irgendeine Schulaula am Stadtrand abgeschoben werden.

Im Heinz-Fitschen-Haus mitten im Multikulti-Stadtteil Schinkel werden sich die AfD-Parteimitglieder an genau die Tische setzen müssen, an denen sonst beispielsweise Frauen aus Zuwandererfamilien Deutsch lernen. Eine schöne Ironie.
Autor:
Sandra Dorn


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