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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nettebad für Familien unbezahlbar?
Zwischenüberschrift:
Preispolitik der Stadtwerke in der Kritik
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Stadt Osnabrück präsentiert sich gern als familienfreundlich. Aber ist sie das auch? Anhand der Eintrittspreise für das Nettebad entzündet sich gerade eine alte Debatte wieder neu.

Osnabrück Je größer die Familie, desto teurer ist der Besuch des Sport- und Freizeitbades. Es gibt zwar einen Familientarif, doch der gilt lediglich für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Ein 90-minütiger Badbesuch kostet sie 16, 10 Euro doch jedes weitere Kind schlägt mit zusätzlichen 4, 10 Euro zu Buche. Und wer es nicht schafft, seine Kinder innerhalb von 90 Minuten umzuziehen, ins Wasser zu bringen, wieder abzutrocknen und gemeinsam das Bad zu verlassen, zahlt pro Viertelstunde weitere 1, 80 Euro bis zu einem Kostenstopp bei 32, 30 Euro. An Wochenenden und Feiertagen fällt außerdem ein Zuschlag in Höhe von 2 Euro an.

Das ist ein veraltetes Bild von Familie, mit dem da hantiert wird″, kritisierte Gabi Gaschina von der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Outlaw jetzt im Jugendhilfeausschuss. Größere Familien sind nach wie vor benachteiligt″, befand CDU-Ratsherr Günter Sandfort. Richtig wäre es, wenn das dritte oder vierte Kind vom Eintritt befreit wäre.″ Das fand auch seine SPD-Ratskollegin Kerstin Lampert-Hodgson. Und Hubert Torliene, für die CDU/ BOB-Gruppe hinzugewähltes Ausschussmitglied, wurde richtig sauer. Die Diskussion habe es vor Jahren schon gegeben und das Nettebad sei keinen Deut familienfreundlicher geworden. Dabei hatte der Stadtrat im November 2007 einstimmig ein neues Ermäßigungssystem gefordert. Wenn nicht alle Kinder dazuzählen, sollten wir den Begriff Familienkarte′ nicht verwenden″, sagte Torliene. Politisch scheinen sich also alle einig zu sein. Doch gerade erst, zum 1. Oktober 2018, haben die Stadtwerke ihre Bädertarife um 6, 7 Prozent erhöht. Beschlossen hat das der Aufsichtsrat, in dem wiederum Vertreter der Fraktionen sitzen darauf weist Bäderchef Wolfgang Hermle auf Anfrage unserer Redaktion hin. Es ist alles die Frage: Was will die Politik? Und eine höhere Wirtschaftlichkeit sei eine Zielvorgabe der Politik gewesen. Aber halten die Stadtwerke ihre Preispolitik selbst für familiengerecht? Warum die Begrenzung auf zwei Kinder bei der Familienkarte? Das ist in der Bäderbranche Usus″, so Hermle. Ansonsten würde man beobachten, dass sich Gruppen vor der Bädertür zusammentun, um die Familienkarte zu nutzen, und hinterher wieder auseinandergingen. Das ist ein Punkt. Ein anderer: Das Tarifsystem soll in sich gerecht und stimmig sein″, so Hermle. Der Einzelbesucher soll nicht sagen: Ich zahle für die Familie oder Gruppe mit.″ Er würde diese Logik ungern ändern, so Hermle. Ich halte das Thema für unnötig aufgebauscht. Alle anderen Freizeiteinrichtungen, zum Beispiel Kino, sind für Familien überproportional teurer.″ Im Übrigen seien die Bäderpreise exakt auf dem Niveau der 60er-Jahre″, rechnet Hermle vor. Dass das alte Thema jetzt überhaupt wieder hochkocht, geht auf die CDU/ BOB-Gruppe zurück. Im März war der Rat einstimmig deren Antrag gefolgt, die Familienfreundlichkeit der städtischen Freizeit- und Kulturangebote wie Museen, Stadtbibliothek, Zoo, Theater und eben Bäder unter die Lupe zu nehmen. Eine erste Bestandsaufnahme hat die Verwaltung jetzt vorgelegt. Als Nächstes soll sie Möglichkeiten zur Verbesserung von Eintrittspreisen für Familien erarbeiten und insbesondere auch Ermäßigungen für Alleinerziehende prüfen. Bäderchef Hermle soll außerdem in einer der nächsten Jugendhilfe-Ausschuss-Sitzungen persönlich Stellung zur Tarifstruktur des Nettebades nehmen.

Bildtext:
Im Oktober erst haben die Stadtwerke Osnabrück die Eintrittspreise für das Nettebad erhöht.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Diese Familienpreise sind ein Armutszeugnis

Je mehr Kinder, desto teurer. Dass kinderreiche Familien in den städtischen Bädern ordentlich zur Kasse gebeten werden, das hat die Osnabrücker Politik schon vor elf Jahren moniert. Verbessert hat sich nichts und dafür sind die Ratsmitglieder letztlich auch mitverantwortlich.

Schließlich sitzen sie mit im Aufsichtsrat der Stadtwerke und müssen die Tarife absegnen. Dass die Diskussion jetzt wieder aufflammt und aus den gleichlautenden Forderungen von damals nichts geworden ist, ist daher ein Armutszeugnis.

Nicht nur Familien mit geringem Einkommen können sich den Badbesuch kaum leisten. Auch Normalverdiener müssen sich dreimal überlegen, ob sie an einem Samstag tatsächlich 34, 30 Euro ausgeben wollen, um ein paar Stunden im Nettebad zu verbringen bei zwei Kindern wohlgemerkt. Bei vier Kindern beläuft sich der Badbesuch bereits auf 42, 50 Euro. Wer nur 90 Minuten im Bad verbringt, zahlt freilich weniger, aber das ist völlig unrealistisch. Welche Familie schafft das schon in der Zeit?

Mag sein, dass das Preiskonzept des Bades in sich stimmig und gerecht ist. Doch größeren Familien gegenüber ist es nun mal ungerecht. Es wird höchste Zeit, dass die Stadt das endlich ändert.
Autor:
Sandra Dorn


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