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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schwimmschule 32 droht das Aus
Zwischenüberschrift:
Investor für Neubau abgesprungen / Schrumpft Angebot in Osnabrück weiter?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Generationen von Osnabrückern haben bei Rudolf Devantier das Schwimmen gelernt. Doch jetzt droht seiner Schwimmschule 32 das Aus. Devantier muss im Frühjahr seinen angestammten Standort am Westerberg verlassen und der Investor für einen fest geplanten Neubau ist kurzfristig abgesprungen.

Osnabrück Die Schwimmschule 32 ist eine Institution in Osnabrück. Wie vielen Kindern Rudolf Devantier in den vergangenen drei Jahrzehnten zum Seepferdchen verholfen hat, das weiß der Osnabrücker nicht. Schätzungsweise dürfte aber eine fünfstellige Zahl an Nichtschwimmern an der Blumenthalstraße ihre Anfängerrunden gedreht haben. Dazu kommen Erwachsenenschwimmkurse, aber auch Aqua-Fitness oder Rückbildungskurse für junge Mütter.

Dass die Schwimmschule über kurz oder lang den seit 1985 bestehenden Standort am Westerberg aufgeben muss, war Devantier immer klar. Im Grunde schaue ich mich seit zehn Jahren nach einem neuen Standort um.″ Dafür gebe es zwei Gründe: Der Eigentümer der Immobilie plant nicht erst seit gestern einen Komplettumbau des etwas in die Jahre gekommenen Hauses. Das Gebäude soll nach modernen Gesichtspunkten umgestaltet werden, bekommt eine Etage aufgesattelt und auch das Schwimmbad im Erdgeschoss muss weichen. Eine Modernisierung des Schwimmbades an diesem Standort wäre wirtschaftlich nicht zu machen″, sagt Devantier.

Der andere Grund: Devantiers Kurse sind so überlaufen, dass das einzige Becken an der Blumenthalstraße schon lange nicht mehr ausreicht.

Investor stieg aus

Mit dem Hausbesitzer ist vereinbart, dass Devantier zum 31. März 2019 mit seiner Schwimmschule auszieht, damit die Umbauarbeiten auch im Erdgeschoss starten können. Bis zum 1. Oktober war das auch kein Problem für den Osnabrücker. Nach langer Suche hatte er einen Investor gefunden, der eine moderne Schwimmhalle auf einem Grundstück in der ehemaligen Winkelhausenkaserne errichten wollte. Die konkreten Planungen lagen vor, ein Bauantrag wurde gestellt doch der Investor stieg kurz vor der Umsetzung aus dem Vorhaben aus.

Er nutzte dabei eine Klausel im Vertrag, die besagt, dass beide Parteien zum Stichtag 1. Oktober vom Vertrag zurücktreten können, wenn bis zu diesem Zeitpunkt keine Baugenehmigung erteilt wurde. Und genau so kam es. Rein rechtlich gesehen, ist für Devantier also die Tür zu, der geplante Neubau im Hafen wird nicht realisiert. Aus rechtlicher Sicht ist das nicht zu beanstanden, alle Seiten sind hier offensichtlich mit großem Vertrauen und hinsichtlich der jetzt eingetretenen Folgen wohl etwas blauäugig an die Sache herangegangen″, sagt Devantiers Rechtsanwalt Timm Laue-Ogal.

Weil der Mietvertrag an der Blumenthalstraße unumstößlich endet, steht Devantier vor dem Problem, ab April keinerlei Kurse mehr anbieten zu können. Rund 1500 Kunden hat er nach eigenen Angaben, die von circa 10 Vollzeit- und 20 Teilzeitkräften betreut werden. Gemeinsam mit Laue-Ogal hat Devantier daher vorsorglich schon jetzt einen Sozialplan ausgearbeitet, sollte sich in den kommenden Monaten keine Lösung für das Standortproblem finden. Denn ohne Schwimmbad stehen unweigerlich die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter auf dem Spiel.

Doch Devantier geht es um mehr als die nackte Existenz, denn die Geschäfte seiner Schwimmschule führt der Inhaber seit 1981 mit Leidenschaft. Sein Markenzeichen: Neben der gerade für Babys und Kinder angenehmen Wassertemperatur von 32 Grad Celsius setzt er auf die Qualität der klein gehaltenen Kurse und auf das Know-how der speziell für das Unternehmenskonzept ausgebildeten Schwimmlehrer. Unser Angebot finden Sie in Osnabrück und Umgebung kaum. Wir haben teilweise Wartelisten von einem Dreivierteljahr. Wenn wir vom Markt verschwinden, wird sich das eh schon knappe Angebot noch mehr verdünnen″, sagt Devantier.

Neubau als Lösung

In der Not sucht Devantier momentan nach Kapazitäten in anderen Bädern. Doch viel Hoffnung hat er nicht. Im Grunde wäre das Ausweichen in andere, ebenfalls 32 Grad warme Bäder auch nur übergangsweise sinnvoll. Als einzige Lösung für den Erhalt der Schwimmschule und somit der Arbeitsplätze sieht Devantier das Suchen und Finden eines Investors und eines Standorts, an dem ein Neubau entstehen kann. So wie es ursprünglich in der Winkelhausenkaserne geplant war.

Bildtext:
Der Schwimmschule 32 von Inhaber Rudolf Devantier droht das Aus: Bis zum 31. März 2019 muss er den bisherigen Standort verlassen, ein Investor trat kurzfristig von einem geplanten Neubauprojekt zurück.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Schlecht für alle

Vor rund einem Jahr schlug die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Alarm: Laut einer Studie könne mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland nicht richtig schwimmen. Gleichzeitig gibt es auch in Osnabrück ein eher begrenztes Angebot an Schwimmkursen für Babys und Kinder. Die Wartelisten sind lang, und manch ein Elternpaar verzweifelt ob der oftmals Monate andauernden Warterei, bis das Kind auf der Liste nach oben gerückt ist.

Vor diesem Hintergrund kann man das drohende Aus für die Schwimmschule 32 kaum als normalen betriebswirtschaftlichen Vorgang abtun.

Eines dürfte klar sein, sollte es für Rudolf Devantier und seine Mitarbeiter nicht weitergehen: Das ohnehin eher schmale Angebot für werdende Wasserratten in Osnabrück schrumpft, die jetzt schon vollen Wartelisten dagegen wachsen weiter.

Mag sein, dass Devantier zu blauäugig in die Verhandlungen mit dem Investor gegangen ist, der rein rechtlich gesehen korrekt gehandelt hat. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass dadurch nun Arbeitsplätze und Existenzen auf dem Spiel stehen.
Autor:
Sebastian Philipp


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