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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Berliner Platz: Jetzt geht alles ganz schnell
 
Bauboom am Berliner Platz
Zwischenüberschrift:
Wohngebäude machen den Anfang / Stadt stellt Bebauungspläne auf
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Zwei große Wohnprojekte, die aus einem Guss scheinen, sollen dem Berliner Platz ein neues Gesicht geben. Mit zwei separaten Bebauungsplänen will die Stadt sicherstellen, dass die beiden Investoren unabhängig voneinander handeln können. Noch vor wenigen Monaten hätten die beiden Akteure beinahe aufgegeben, weil sie durch das Verfahren unkalkulierbare Risiken befürchteten. Inzwischen haben sich die Beteiligten auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt, und jetzt soll alles ganz schnell gehen. Bemerkenswert ist dabei ein Gesinnungswandel: Die Städteplaner, die vor drei Jahren die Grundlage für den Masterplan Berliner Platz schufen, wollten das grüne Hochhaus am liebsten abreißen. Jetzt soll es bleiben als Bestandsgebäude in einer mehrgeschossigen Blockrandbebauung″.

Am Berliner Platz gehen zwei größere Wohnprojekte an den Start. Auf dem früheren Tankstellengelände an der Wittekindstraße wird verseuchter Boden ausgekoffert, für das Nachbargrundstück mit dem grünen Hochhaus arbeitet die Stadt an einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan.

Osnabrück Noch ist offen, ob aus dem Berliner Platz ein Helmut-Kohl-Platz wird. Aber es zeichnet sich ab, dass sich das Gesicht dieses Innenstadtquartiers durch einen Bauboom in den kommenden Jahren radikal verändern wird. Den Rahmen dafür setzt der Masterplan, der vor drei Jahren aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangen ist. Aus gestalterischen Gründen empfahlen damals alle drei beteiligten Architektenteams, das in die Jahre gekommene grüne Wohngebäude Berliner Platz 1 verschwinden zu lassen, um dem aus ihrer Sicht architektonisch höherwertigen Sparkassen-Tower und dem Verlagshaus von NOZ Medien den Vorrang zu lassen.

Das war mit dem Eigentümer Ulrich Grewe aber nicht zu machen. Nach langen Verhandlungen, die zwischendurch zu platzen drohten, ist der Münsteraner jetzt der erste Investor, der am Berliner Platz aktiv wird. Mit einem Entwurf des Architekten Joachim Kummer will er seine in die Jahre gekommene Immobilie zu einem Blickfang machen, ohne aufzutrumpfen, gemäß einer Vorgabe, die der Fachbereich Städtebau formuliert hat: Ziel der Planung sei es, das Bestandsgebäude Berliner Platz 1 in eine mehrgeschossige Blockrandbebauung zu integrieren″.

Weniger dominant

Statt der vertikalen wird nun also die horizontale Linie betont. Das grüne Haus bekommt nicht nur eine elegantere Fassade, sondern auch einen Anbau entlang der Wittekindstraße und einen weiteren zum Breiten Gang. Obwohl der Baukörper mit den sechs Vollgeschossen in seinen Dimensionen unverändert bleibt, tritt er weniger dominant in Erscheinung. Für Grewes Wohnprojekt hat die Stadt den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 637 (nördlich Berliner Platz) aufgestellt, dessen Details in einem beschleunigten Verfahren geklärt werden sollen. Nach dem Willen des Rates soll er kurzfristig in die Bürgerbeteiligung gehen.

Mit einem zweiten Wohnkomplex steht der Ibbenbürener Immobilienkaufmann Uwe Lehmkuhl in den Startlöchern. An der Wittekindstraße, dort, wo Grewes Fläche aufhört, fängt sein Bauplatz an. Auf dem brach liegenden Eckgrundstück soll ein L-förmiger Block mit vier Vollgeschossen errichtet werden. Allerdings nicht ganz in einer Linie. Um die Sichtachse auf den denkmalgeschützten Hannoverschen Bahnhof zu erhalten, fordert die Stadt einen leichten Knick der Raumkante nach Norden.

Auch für Lehmkuhls Projekt stellt die Stadt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf, doch daran wird noch gearbeitet. Vom Tankstellenbetrieb ist der Untergrund altlastenverseucht. Nun lässt der Investor mit einem Bagger den kontaminierten Boden auskoffern und entsorgen. Auch in diesem Fall ist ein beschleunigtes Verfahren vorgesehen.

Potenzial an der Südseite

Bewegung gibt es aber nicht nur an der Nordseite von Berliner Platz und Wittekindstraße. Der Masterplan hat auch das Feld geebnet, damit auf dem derzeit als Parkplatz genutzten Areal an der Kleiststraße neue Gebäude mit Büros und Wohnungen entstehen können. Entlang der Bahn ist ein Parkhaus vorgesehen. Aus dem Finanzausschuss wurde kürzlich bekannt, dass die Sparkasse und die Stadtwerke die Ideen aus dem Masterplan weiterentwickeln wollen.

Weiteres Potenzial bietet die Südostecke vom Berliner Platz. Wo zuletzt eine Autovermietung ihre Anlaufstelle hatte, darf laut Masterplan ein siebenstöckiger Komplex entstehen. 2015, beim Ideenwettbewerb der Städteplaner, war noch von einem Hotel die Rede. Aber das dürfte sich inzwischen erledigt haben.

Bildtexte:
Bauprojekt Nr. 1: Der Münsteraner Investor Ulrich Grewe will das Wohnhaus am Berliner Platz umbauen und erweitern. Das roséfarbene Gebäude im Hintergrund ist Projekt Nr. 2, das der Ibbenbürener Immobilienkaufmann Uwe Lehmkuhl plant.
In die Jahre gekommen: Das grüne Haus am Berliner Platz soll Teil eines neuen Bauprojekts werden.
In zwei Richtungen soll das Haus am Berliner Platz 1 erweitert werden, hier die Seite am Breiten Gang.
Fotomontage:
Gründel/ Michel/ Planquadrat
Foto:
Michael Gründel
Zeichnung:
Planquadrat

Kommentar
Auf eigenes Risiko

Na bitte, geht doch! Noch vor wenigen Monaten standen die beiden Wohnprojekte am Berliner Platz vor dem Scheitern. Jetzt soll auf einmal alles ganz schnell in Beton gegossen werden. Da hat es einen Ruck gegeben, bei der Stadt ist jemand über seinen Schatten gesprungen.

Zwei Investoren, zwei Projekte aus einem Guss, aber ein Bebauungsplan. Das war die Maxime, die der Fachbereich Städtebau noch im Juli vertrat. Rechtlich war das zwar so vorgesehen, aber die beiden Bauherren befürchteten das Schlimmste: Wäre einem von ihnen die Puste ausgegangen, hätte der andere sein Bauvorhaben auch gleich begraben können. Wird doch alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird, versuchten die Planer zu beruhigen. Aber das Risiko wollten die Investoren nicht auf sich nehmen.

Jetzt hat sich also doch ein Weg gefunden, die beiden Projekte sauber zu trennen mit zwei separaten Bebauungsplänen. Das bedeutet mehr Arbeit für die Planer, aber mehr Planungssicherheit für die Akteure. Endlich kommt etwas in Bewegung. Dem Berliner Platz wird es guttun!
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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