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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gute Idee endete im Desaster
Zwischenüberschrift:
Friedenslicht mit Postkutsche geholt / Auf hohen Kosten sitzen geblieben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Es war eine herzerwärmende Aktion, im Jubiläumsjahr des Westfälischen Friedens das Friedenslicht aus Bethlehem stilgerecht per Postkutsche von Linz ins Osnabrücker Land zu holen. Doch leider überlagerte Idealismus eine solide kaufmännische Begleitung des Unternehmens.

Osnabrück Die Sache mit dem Friedenslicht geht auf die Hilfsaktion Licht ins Dunkel″ des Österreichischen Rundfunks für behinderte Kinder im Jahr 1986 zurück. Seitdem entzündet jedes Jahr im Advent ein österreichisches Kind in der Geburtsgrotte zu Bethlehem ein Licht. Dieses Friedenslicht gelangt per Flugzeug nach Linz, von wo aus es in viele Orte Österreichs und der Nachbarländer etwa von Pfadfindern, Jugendgruppen und Sportvereinen weitergereicht wird. Unzählige Menschen holen sich das Licht in Laternen nach Hause und entzünden damit die Kerzen des Christbaums.

Ein Wallenhorster Handwerksunternehmer, Schützenbruder und Pferdeliebhaber sah einen Fernsehbericht über die Aktion. Spontan erwachte in ihm die Idee, im Jahr des Friedensjubiläums das besondere Licht aus Linz auch ins Osnabrücker Land zu holen. Aber nicht einfach mit dem Auto oder per Bahn, sondern so, wie man zur Zeit des Westfälischen Friedens und auch noch bis ins 19. Jahrhundert reiste: mit der Postkutsche. Er gewann einen befreundeten Reiterhofbesitzer aus Essen in Oldenburg und dessen Sohn für den Plan. Die beiden sollten die Kutsche und die Pferde stellen.

Der Plan sah vor, mit einem Tross von Tieflader, Kutsche, Pferdetransportern, Pferden und Pkw am 10. Dezember in Linz einzutreffen, am Folgetag als Postkutscher beziehungsweise historischer Schütze verkleidet hoch auf dem gelben Wagen zu starten und nach 14 Tagen genau Heiligabend mit dem Vierspänner wieder in Osnabrück einzufahren. Reiter und Schützen sah der Wallenhorster in enger Beziehung zum Westfälischen Frieden. Die Verhandlungsprotokolle seien schließlich von Schützen zu Pferde zwischen den Kongressstädten ausgetauscht worden. Überhaupt die Schützen: Sie setzen sich seit Jahrhunderten für den Erhalt unserer Kultur und für den Frieden ein″, so der Wallenhorster. Dadurch, dass er Schützenvereine entlang der 1000 Kilometer langen Wegstrecke einband, war ihm so mancher Empfang in Dörfern und Städten und so mancher Böllerschuss zur Begrüßung sicher.

Der logistische Aufwand war kein kleiner. Insgesamt 20 Helfer lenkten die Fahrzeuge und betreuten die 25 mitgeführten Pferde. Absprachen mit den örtlichen Veterinärdiensten, mit der Polizei und mit dem ADAC, der den Tross begleitete, waren zu treffen. Der finanzielle Aufwand war nur mithilfe von Sponsoren zu bewältigen. Für die Schirmherrschaft ließ sich der frühere Postminister Wolfgang Bötsch einspannen.

Die Fahrt ging vielfach über historische Postrouten. Sie verlief glatt und pannenfrei. Vielerorts fand der Empfang im Glanz der jeweiligen Weihnachtsmärkte mit großer Medienresonanz, Reiterstaffeln, Ehrensalven und Musikprogramm statt. Die Menschen fanden die Idee toll und kamen in großer Zahl, um sich ihr Friedenslicht anstecken zu lassen. Die Pferde leisteten Schwerarbeit bei bis zu minus 16 Grad und Steigungen bis 20 Prozent. Besonders dann, wenn die zwölf Passagierplätze in der Kabine besetzt waren.

Am 23. Dezember lief die Kutsche in Dissen, Bad Rothenfelde, Hilter und Kloster Oesede ein und ließ sich jeweils ausgiebig feiern. In Kloster Oesede warteten die Jagdhornbläser vom Musenberg und die Klosteraner Schützenkapelle auf die Friedensbotschafter. Eine Reitereskorte begleitete sie bis zum Gedenkstein Hohe Linde. Heiligabend waren dann die abschließenden Empfänge in Osnabrück, Wallenhorst und Quakenbrück. In Wallenhorst intonierte die Blaskapelle Herold Zu Bethlehem geboren″.

Als die Weihnachtszeit vorbei war, kamen allerdings die Rechnungen, und die waren hoch. Hinzu kam: Angeblich zugesagte Sponsorengelder waren nicht eingegangen. Der Wallenhorster und der Essener stritten miteinander, es ging vor Gericht ums Geld, am Ende kam es zum Vergleich, und beide blieben auf ihren hohen Verlusten sitzen. Wir hätten gar nicht losfahren dürfen″, räumte der Essener ein.

Die NOZ kommentierte damals: Es ist ein Jammer. Das Licht des Friedens sollte nach Osnabrück kommen, doch es brachte Unfrieden. Eine ebenso verwegene wie sympathische Idee stürzt die Initiatoren jetzt in finanzielle Schwierigkeiten.″ Beide Seiten seien mit einer gehörigen Portion Naivität an den Start gegangen: Eine Aktion mit Kosten in sechsstelliger Höhe ohne vertragliche Vereinbarungen in Angriff zu nehmen war so abenteuerlich wie die ganze Reise selbst.″

Bildtext:
Ankunft der Postkutsche mit dem Friedenslicht am Tag vor Heiligabend 1998 in Kloster Oesede.
Archivfoto:
Gert Westdörp

Jubiläumsjahr

Vor 20 Jahren, im Jahr 1998, fand in Osnabrück Bemerkenswertes statt: Im Oktober versammelten sich Europas Staatsoberhäupter im Friedenssaal. Bereits im Juni bezauberte der Dalai Lama die Osnabrücker, und im Juli wurde das Felix-Nussbaum-Haus eröffnet.

Eine kostenlose Broschüre, die nun erschienen ist, blickt auf das denkwürdige Jahr zurück. Die erste Hälfte des 50-seitigen Heftes handelt vom 24. Oktober 1998, dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens. Die zweite Hälfte ruft unter anderem den 100. Geburtstag Erich Maria Remarques und die Europaratsausstellung ins Gedächtnis.

Die Broschüre begleitet die Ausstellung im Dachgeschoss des Rathauses Willkommen in Osnabrück, Eure Majestät 1998, als Europa den Frieden feierte″. Dort ist das Heft ebenso kostenlos zu bekommen wie in der Tourist-Information (Bierstraße).

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ druckt einige Texte aus der Broschüre ab.
Autor:
Silke Brickwedde


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