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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Namen im Goldenen Buch: Ratsmitglieder tragen sich ein
 
Mit Schirm, Charme und Herzenswärme
Zwischenüberschrift:
Im Juni 1998 besuchte der Dalai Lama Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Hier trägt sich ein ins Goldene Buch: Petra Knabenschuh, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Stadtrat von Osnabrück. Anlass des Empfangs, bei dem auch die weiteren Ratsmitglieder ihre Unterschrift ins wohl edelste Gästebuch der Stadt setzten: 370 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges läuft an der Universität Osnabrück die Fachtagung Friedensende und Friedensanfang: vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Gegenwart″. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert lobte die authentischen Lichtverhältnisse im spärlich erleuchteten Saal. Wie im 17. Jahrhundert. Beeindruckend.″ Der OB fuhr dann mit dem gebotenen Ernst fort: Der Westfälische Friede sei eine Zeitenwende gewesen, verbunden mit der Forderung zu vergessen, was der andere getan hat″, als Voraussetzung für den Frieden angesichts der Schuld aller Parteien. Historikerin Siegrid Westphal gab dann einen Überblick über die Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens. Heute sei die positive Sicht auf den Friedensschluss zwar guter Standard, aber die junge deutsche Nationalbewegung fand im 19. Jahrhundert Wege, die Verdammung des Vertragswerks zu rechtfertigen. Westphal wies denn auch noch einmal darauf hin, dass sein langfristiges Ziel ewiger Friede deutlich nicht erreicht worden ist.
Foto:
Philipp Hülsmann

Jubiläumsjahr

Vor 20 Jahren, im Jahr 1998, fand in Osnabrück Bemerkenswertes statt: Im Oktober versammelten sich Europas Staatsoberhäupter im Friedenssaal. Bereits im Juni bezauberte der Dalai Lama die Osnabrücker, und im Juli wurde das Felix-Nussbaum-Haus eröffnet.

Eine kostenlose Broschüre, die nun erschienen ist, blickt auf das denkwürdige Jahr zurück. Die erste Hälfte des 50-seitigen Heftes handelt vom 24. Oktober 1998, dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens. Die zweite Hälfte ruft unter anderem den 100. Geburtstag Erich Maria Remarques und die Europaratsausstellung ins Gedächtnis.

Die Broschüre begleitet die Ausstellung im Dachgeschoss des Rathauses Willkommen in Osnabrück, Eure Majestät 1998, als Europa den Frieden feierte″. Dort ist das Heft ebenso kostenlos zu bekommen wie in der Tourist-Information (Bierstraße).

Die Neue Osnabrücker Zeitung″ druckt einige Texte aus der Broschüre ab.

Im Beiprogramm der 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens vor 20 Jahren hatten Münster und Osnabrück zahlreiche prominent besetzte Veranstaltungen organisiert. In Osnabrück eröffnete der Dalai Lama die Konferenz für Frieden und Menschenrechte″.

Osnabrück In der Universität ging es am 6. Juni 1998 um Demokratie und Selbstbestimmung, um die weltweite Ächtung von Atom- und Chemiewaffen und im Besonderen um die Menschenrechtslage in Burma (heute Myanmar) und in der Heimat Seiner Heiligkeit″, in dem unter chinesischer Herrschaft stehenden Tibet. Diese Gelegenheit nutzten viele Menschen auf dem Markt, um einmal die natürliche Ausstrahlung und das viel beschriebene Lächeln des geistlichen Oberhauptes der tibetischen Buddhisten persönlich zu erleben oder gar von ihm berührt zu werden.

6000 Osnabrücker wollten den gegenwärtig 14. Dalai Lama mit dem Mönchsnamen Tenzin Gyatso sehen und hören. Unter ihnen waren auffallend viele Jugendliche. Mit seiner Bescheidenheit, mit Witz und Charme erreichte er ihre Herzen. Viele streckten ihm die Hände entgegen, als er das sprichwörtliche Bad in der Menge nahm, manche mussten vor Rührung ein paar Tränen verdrücken.

Die Sympathien der Zuhörer waren ihm schon sicher, als er sie mit meine Brüder und Schwestern″ anredete und seine Anteilnahme für die Opfer der ICE-Katastrophe ausdrückte, die sich drei Tage zuvor bei Eschede ereignet hatte.

Zum Anlass seines Kommens sagte er: Ich bin sehr glücklich, hier zu sein, an einer so historischen Stätte, aus einem so historischen Anlass.″ Der Westfälische Frieden stehe für den Geist des Dialogs und der Kompromissbereitschaft, für die Werte, die als einzige geeignet seien, Konflikte nachhaltig zu lösen. Wer nur nach der Vernichtung des Gegners strebe, hole sich gleich die nächsten Probleme an den Hals.

Die Strapazen der 29-stündigen Anreise aus dem indischen Exil im Himalaja-Vorgebirge merkte man dem damals 62-jährigen Friedensnobelpreisträger nicht an. Heiter und entspannt schlenderte das geistliche und für die Exil-Tibeter auch politische Oberhaupt Tibets durch die Bierstraße. Als er aus dem Schatten trat, schützte er den Kopf mit einer Briefmappe gegen die Sonne. Er komme schließlich aus dem Land des Schnees und wolle keinen Sonnenstich, meinte er und lachte.

Schnell organisierte das Protokoll gelbe Sonnenschirme. Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, der zuvor mit einem weißen Seidenschal als Symbol der Reinheit″ beschenkt worden war, ließ es sich nicht nehmen, anschließend den Gast persönlich zu beschirmen.

Zum Schrecken des Begleitschutzes wechselte der Dalai Lama spontan die Straßenseite und betrat einen Bioladen. Er interessierte sich für das Brot, bekam einen Kanten gereicht, teilte ihn, gab eine Hälfte an Fip weiter und beide probierten davon. Vorher beim Mittagessen im Restaurant des Hotels Walhalla hatte der Dalai Lama mit Genuss Stangenspargel aus dem Osnabrücker Land und junge Kartoffeln verzehrt. Auch die Obsttorte hatte es ihm angetan. Dazu ließ er sich sein Lieblingsgetränk servieren: heißes Wasser.

Die Zeit in der Hasestadt nutzte der Religionsführer auch für eine Diskussion im Ratsgymnasium. 50 Oberstufenschüler aus Osnabrück und Münster stellten ihre gut vorbereiteten Fragen. Glück ist das oberste Gebot und eine Sache des inneren Friedens″, sagt er zu den Jugendlichen, und nur durch den inneren Frieden seien sie überhaupt in der Lage, äußeren Frieden zu halten. Er lobte sie: Ich bin glücklich, euch zu sehen.″ Später setzt er eine rote Baseballkappe auf, die ihm ein Schüler geschenkt hatte.

Bildtext:
Der Dalai Lama wurde auf dem Markt begrüßt wie ein Popstar. Viele Osnabrücker wollten ihm unbedingt einmal die Hand geben.
Foto:
Klaus Lindemann
Autor:
mstr, Joachim Dierks


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