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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Inhalt:
Überschrift:
Einen Tag lang der Nabel der Welt
 
Den schwedischen Hofstaat mit Grünkohl geködert
Zwischenüberschrift:
Am 24. Oktober 1998 schritten in Osnabrück 20 Staatsoberhäupter über den roten Teppich
 
Wie Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip die gekrönten Häupter nach Osnabrück holte
Artikel:
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Originaltext:
Heute vor 20 Jahren feierten Münster und Osnabrück das Jubiläum 350 Jahre Westfälischer Friede″. Alles, was Rang und Namen hatte, reiste an. Eine königliche Hoheit kam allerdings zu spät und zwar aus Prinzip.

Osnabrück So einen Tag wie jenen Samstag vor 20 Jahren wird die Stadt Osnabrück so schnell nicht wieder erleben. Vier Könige, fünf Königinnen, zwei Fürsten und acht Präsidenten rauschten mit Limousinen heran, schritten über den roten Teppich zwischen Rathaus und Marienkirche und sahen sich im Friedenssaal um.

Die Gästeliste ließ Kenner des europäischen Hochadels mit der Zunge schnalzen. Es waren alle großen Häuser da mit Ausnahme der britischen Royals. Aus gutem Grund: Das dortige Königshaus hatte mit dem Dreißigjährigen Krieg nichts zu tun, ganz im Gegenteil zu Dynastien auf dem europäischen Festland, wo von 1618 bis 1648 an vielen Fronten erbittert gekämpft wurde. Der Friedensvertrag, der in Münster und Osnabrück ausgehandelt wurde, schuf die Grundlage für ein friedliches Zusammenleben der Konfessionen und ordnete die staatliche Machtbalance neu.

Dieses Meisterwerk der Diplomatie wurde 350 Jahre später gebührend gefeiert. Im Mittelpunkt standen die Königinnen Silvia von Schweden, Margrethe von Dänemark, Beatrix der Niederlande, Sonja von Norwegen und Paola von Belgien. Nicht weniger Aufmerksamkeit galt König Carl Gustav von Schweden und Harald von Norwegen.

Der damalige spanische König Juan Carlos nahm sich, dem strengen Hofprotokoll folgend, gern das Vorrecht, als Letzter zu erscheinen. Diesem Grundsatz folgte er auch dieses Mal und zwar gründlich. Spannend waren aber auch die Auftritte des päpstlichen Vertreters, Angelo Kardinal Sodano, und der Präsidenten aus Frankreich, Italien, Polen, Lettland, Estland, Litauen, Finnland und der Schweiz und nicht zuletzt des deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog.

Osnabrück war gut vorbereitet. Ein roter Teppich zeichnete die Wege auf dem Markt zwischen Rathaus und Marienkirche. Reporter und Fotografen gaben acht, dass sie auf der Pressetribüne nichts verpassten, und die 6000 Menschen im Publikum versuchten hinter der Absperrung einen guten Blick auf Könige und Präsidenten zu erhaschen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses waren seit Monaten damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass an diesem Tag nur ja nichts schiefging.

Nach und nach erschien ein prominenter Gast nach dem anderen auf dem roten Teppich. Um 10.30 Uhr begann der Gottesdienst in St. Marien. Dort saßen die anderen Gäste, die eine der begehrten Einladungen erhalten hatten, schon längst auf ihren Plätzen. Nach dem Gottesdienst hatten die Zuschauer auf dem Markt ein paar Minuten länger Gelegenheit, einen Blick auf die Gäste zu erhaschen, dann ging es weiter zum Empfang ins Rathaus.

Wer immer noch nicht da war: König Juan Carlos. 17 Minuten lang mussten sich die Gäste die Zeit vertreiben, bis der Spanier endlich im Friedenssaal erschien, um erst einmal alle wichtigen Persönlichkeiten herzlich und ausgiebig mit Umarmungen zu begrüßen. Für den Gottesdienst hatte er sich entschuldigt. Er sollte laut minutiös ausgetüfteltem Zeitplan eigentlich um 12.05 Uhr am Rathaus eintreffen. Um diese Uhrzeit kam er aber gerade erst am Flughafen Atter an. Im gut geschützten Konvoi wurde er über die Wersener Straße zum Rathaus gebracht. Um 12.17 Uhr traf Juan Carlos zur Erleichterung des Protokolls endlich ein.

Mehr als eine Viertelstunde mussten die Staatsgäste inzwischen bei Laune gehalten werden. Die einen Majestäten und Eminenzen übten sich im Small Talk, das schwedische Königspaar und Bundespräsident Roman Herzog ließen sich unterdessen von der Stadtführerin Renate Frankenberg den Friedenssaal erklären. Königin Silvia wollte wissen, inwiefern die Schweden zur Beendigung der Hexenverbrennungen beigetragen hätten. Das bemerkte Königin Beatrix, die sich interessiert dazugesellte. Kardinal Sodano kam ebenfalls dazu. Die Damen wechselten schnell das Thema, und der Kardinal zog das weitere Gespräch an sich.

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Bierstraße ging es in Luxusbussen weiter nach Münster. Roman Herzog hatte sich die Busfahrt gewünscht, damit bei dem straffen Zeitplan Zeit für Gespräche blieb. Nach fünf Stunden war das Jahrhunderttreffen für Osnabrück schon wieder Geschichte.

Bildtext:
Nach dem Gottesdienst stehen die hohen Gäste auf dem Markt: Königin Paola von Belgien (links im dunklen Kostüm), König Carl Gustav von Schweden, rechts hinter ihm Königin Beatrix der Niederlande, vorn Angelo Kardinal Sodano, hinter ihm Prinz Henrik von Dänemark (im braunen Mantel) und Königin Silvia von Schweden. Neben dem Kardinal sind vorn Jean, Großherzog von Luxemburg, und seine Frau Josephine zu sehen, hinter dem Paar steht Dänemarks Königin Margrethe (im blauen Mantel), neben ihr Lennart Meri, der Präsident Estlands. Neben der Großherzogin von Luxemburg steht Marianne Horstkötter, Lebensgefährtin des stellvertretenden Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski, der von Bundespräsident Roman Herzog (seitlich vorn rechts) verdeckt wird.
Foto:
Stadt Osnabrück/ Fritz Schwarzenberger

Osnabrück 20 Monarchen und Staatspräsidenten auf einem roten Teppich die Bundesrepublik Deutschland erlebte am 24. Oktober 1998 in Osnabrück und Münster das bis dato größte protokollarische Ereignis ihrer Geschichte. Für die beiden Städte war das Ereignis ein Glücksfall für dessen Gelingen aber auch hart gearbeitet werden musste.

Die Hauptrolle dabei spielte der damalige Osnabrücker Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip. Er war im Vorfeld des Jubiläums mit einer Delegation nach Stockholm gereist, in der Hoffnung, dass sich das schwedische Königshaus offen für einen Besuch in der Friedensstadt zeigen würde.

Zwei Dinge kamen zusammen″, erinnert sich Fip. Königin Silvia stammt aus Heidelberg und hat durch Freunde und Verwandte immer noch gute Beziehungen zu Deutschland.″ Das war der eine Punkt, auf den die Osnabrücker setzen wollten. Außerdem spielten die Schweden bei den Verhandlungen in Osnabrück eine sehr wichtige Rolle und daher war es nicht unwahrscheinlich, dass das Königshaus Interesse an einem Besuch zu diesem Datum haben könnte.″

Doch einfach nur nach Schweden zu fahren und zu fragen, ob König Carl Gustav und Königin Silvia eventuell am 24. Oktober 1998 Zeit hätten das ging auch nicht. Wir wollten etwas anbieten, das in Erinnerung bleibt und das in Schweden mit Osnabrück verbunden wird″, erzählt Fip. Mit im Gepäck hatte die Delegation deshalb alles, was man für eine typische Osnabrücker Mahlzeit braucht. Vor allem: Grünkohl.

Das Grünkohlessen selbst kam gut an, doch vorher hatten wir große Schwierigkeiten, die Würste, also das Schweinefleisch, nach Schweden einführen zu dürfen.″ Das Königspaar selbst nahm an dem Essen zwar nicht teil, aber die Mahlzeit machte einen guten Eindruck am Hof, sodass der Hofmarschall die Türen für einen Empfang am kommenden Tag öffnete. Die Gästeliste war mit Unterstützung von Hubertus Brandenburg zustande gekommen Weihbischof des Bistums Osnabrück und seinerzeit amtierender Bischof von Stockholm.

An dem Essen nahmen auch zwei Nachkommen der Adelsfamilie Oxenstierna teil: Der Verhandlungsführer der Schweden in Osnabrück war seinerzeit Johan Oxenstierna, einer der Unterzeichner des Friedensvertrags von 1648.

Königin Silvia gefiel die Idee, den Westfälischen Frieden in ihrer deutschen Heimat zu feiern″, erinnert sich Fip, zumal das schwedische Protokoll sicher um die Bedeutung des unter schwedischer Führungsbeteiligung entstandenen Friedens für die schwedische Geschichte wusste.″

Fip weiter: Da das schwedische Königspaar nun schon zugesagt hatte, zogen die weiteren europäischen Königshäuser und die Staatspräsidenten mit ihren Zusagen nach, so ist das wohl in diesen Kreisen.″

Das Jubiläumsjahr 1998

Vor 20 Jahren, im Jahr 1998, fand in Osnabrück einiges Bemerkenswertes statt: Im Oktober versammelten sich Europas Staatsoberhäupter im Friedenssaal. Bereits im Juni bezauberte der Dalai Lama die Osnabrücker mit seinem Lächeln, und im Juli wurde das Nussbaum-Haus eröffnet.

Eine kostenlose Broschüre, die heute erscheint, blickt auf das für Osnabrück denkwürdige Jahr zurück.

Die erste Hälfte des 50-seitigen Heftes handelt vom 24. Oktober 1998, dem 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens, der sich heute jährt. Die zweite Hälfte ruft unter anderem den 100. Geburtstag Erich Maria Remarques und die Europaratsausstellung ins Gedächtnis.

Die Broschüre begleitet die Ausstellung im Dachgeschoss des Rathauses Willkommen in Osnabrück, Eure Majestät 1998, als Europa den Frieden feierte″. Dort ist das Heft ebenso kostenlos zu bekommen wie in der Tourist-Information (Bierstraße).

Die Neue Osnabrücker Zeitung″druckt in der nächsten Zeit in lockerer Folge einige Texte aus der Broschüre ab.
Autor:
Silke Brickwedde


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