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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum die Stadtwerke so gut sind
Zwischenüberschrift:
Doktorarbeit über den Umbruch auf dem Energiemarkt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Den Tod der kleinen Stadtwerke hatten Experten vorhergesagt, als der Bundestag vor 20 Jahren die Energiemärkte freigab. Ein Irrtum. Die Stadtwerke Osnabrück sind sogar gestärkt aus diesem Umbruch hervorgegangen, wie jetzt wissenschaftlich festgestellt wurde.

Osnabrück Dr. Christian Newton (40) hat seine Doktorarbeit über den Wandel der Stadtwerke geschrieben. Sein Ergebnis: Es war Ende der Neunzigerjahre ein kluger Entschluss der Politik, die Stadtwerke nicht zu verkaufen, sondern neu zu strukturieren, markttauglich aufzustellen″ und regional zu verwurzeln. Im Prinzip alles richtig gemacht″, sagt Newton, der in der Abteilung für Wissens- und Technologietransfer der Universität und Hochschule arbeitet.

Newton hatte die Stadtwerke zwei Jahre als Trainee kennengelernt, bevor er nach einer Zwischenstation in der Öffentlichkeitsarbeit in den Wissenschaftsbetrieb wechselte. Es reizte den Diplom-Geografen, den tief greifenden Strukturwandel auf dem Energiemarkt am Beispiel der Stadtwerke zu analysieren. Vier Jahre arbeitete er parallel zum Job an der Uni an der Promotion unter dem Titel Transformation der Energiewirtschaft″.

Versorgungsunternehmen hatten lange Zeit ein ruhiges Leben und sicheres Einkommen. Als der Bundesgesetzgeber 1998 die Energiemärkte öffnete, war es damit vorbei. Die Stadtwerke mussten sich dem Wettbewerb mit großen Konzernen stellen. Überall in den Medien war vom prognostizierten Stadtwerke-Sterben die Rede″, sagt Newton. Denn die Experten gingen davon aus, dass Kunden Strom und Gas dort kaufen, wo es am billigsten ist. Die Stadtwerke Osnabrück hatten nach Expertenmeinung nicht die kritische Größe, um in diesem Wettbewerb mithalten zu können. Die Marktliberalisierung habe als Erneuerungsschub″ gewirkt. Aus dem Pflichtversorger″ sei ein erfolgreicher Dienstleister geworden, dessen Stärke in der regionalen Verflechtung liege.

Newton analysierte, wie aus dem statischen Block″ eine vernetztes Unternehmen″ wurde. Die Stadtwerke stiegen in die Telekommunikation (Osnatel) und den Schienenverkehr (Nordwestbahn) ein. Sie gründeten Tochterunternehmen in der Stromerzeugung (Windparks), für Zählerservice (Smartoptimo), Bäderdienstleistungen (Servos GmbH) oder für moderne Mobilitätskonzepte (Stadtteilauto). Aktuell sind die Stadtwerke an 37 Unternehmen beteiligt. Das einstige Versorgungsunternehmen habe seine wirtschaftliche Basis dadurch breit und flexibel aufgestellt. Als Osnatel und Nordwestbahn immer größer wurden, trennten sich die Stadtwerke rechtzeitig von diesen Beteiligungen. Kluge Entscheidungen″, sagt Newton.

Klar, dass nicht alles glatt lief. Die Beteiligungen an Kohlekraftwerken in Lünen und Hamm entwickelten sich nach einigen politischen Volten als Millionengräber. Inzwischen haben die Stadtwerke die Kohlebeteiligungen umgeschichtet. Newton kommt zu dem Ergebnis, dass die Kohle-Investition zumindest nicht fahrlässig″ war.

Der wichtigste Faktor des wirtschaftlichen Erfolges sei die regionale Verflechtung, stellte Newton fest. Man kennt sich halt.″ Soll heißen: Aufträge werden mit Vorliebe an Unternehmen in der Region vergeben. 2017 kauften die Stadtwerke für 46, 8 Millionen Euro in der Region ein, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Mehr als die Hälfte des gesamten Einkaufsvolumens von 73, 8 Millionen blieb also im Osnabrücker Land.

Die Stadtwerke positionieren sich dadurch als regionaler Akteur. Eine Botschaft, die durch Sponsoring und Werbung auch beim Kunden ankommt. Aus der Region für die Region: Mit dieser Strategie werde das Unternehmen Lebensqualität″ auch in Zukunft gute Geschäfte machen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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