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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker will den Dümmer wachküssen
Zwischenüberschrift:
Werner Steinemann macht Millionen mit Kreuzfahrten und investiert sie am Freizeitort seiner Kindheit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Werner Steinemann hat sein Reisebüro zu einem der größten deutschen Vertriebskanäle für Kreuzfahrten aufgebaut. Die Gewinne aus diesem Geschäft investiert der Osnabrücker in seine alte Heimat, den Dümmersee. Dort kauft er unter anderem Hotels.

Osnabrück/ Lembruch Sanfte Wellen schlagen gegen das Ufer, hinter strohgedeckten Schirmen taucht die Sonne am Horizont ab. Segelboote treiben auf dem Wasser. Ein karibikverdächtiger Sonnenuntergang in Niedersachsen. Durch die Postkarten-Idylle läuft Werner Steinemann auf ein Gebäude direkt am Wasser zu. Er kontrolliert, wie die Bauarbeiten an seinem neuesten Immobilienprojekt vorangehen: Der ehemalige British-Dümmersee-Yacht-Club soll zum modernen Beachclub werden, mit Sand, eigenem Steg und DJ.

Am Dümmer, wo andere im Sommer baden, segeln und Urlaub machen, arbeitet der Osnabrücker Unternehmer seit Jahren an seinem Traum, Niedersachsens zweitgrößten Binnensee zum gehobenen Tourismusziel zu machen. Dafür steckt er Millionen aus den Gewinnen seines Kreuzfahrtbusiness in unterschiedliche Projekte.

Denn in erster Linie war Steinemann in der Vergangenheit Reiseunternehmer. Sein Astoria-Reisebüro mit 30 Mitarbeitern ist einer der größten Kreuzfahrtvertriebskanäle Deutschlands. Der Umsatz wird von Branchenkennern auf 40 Millionen Euro geschätzt.

Am Dümmer kauft Steinemann nun Hotels, Bootsliegeplätze, Eigentumswohnungen, Häuser, Ladenlokale. Auch ein Campingplatz mit 130 Plätzen gehört ihm.

Was sein Kreuzfahrtgeschäft angeht, macht das klassische Ladengeschäft an der Dielingerstraße nur noch einen Bruchteil des Umsatzes aus. Wegen der großen Nachfrage nach dieser Art zu urlauben, hatte der Unternehmer 2007 zusätzlich zum Reisebüro ein Onlineportal gestartet, über das ebenso wie über eine eigene Zeitung mit einer Auflage von knapp einer Million rund 90 Prozent des Umsatzes generiert wird. Die Kundendatenbank des Osnabrückers zählt hunderttausend Adressen. Wir sind als Branche gerade noch am Anfang″, sagt der 65-Jährige.

Den Markt in Deutschland teilt er sich mit fünf großen Online-Reiseportalen wie dem Hamburger Start-up Dreamlines . Dieses wurde ausgestattet mit insgesamt 105 Millionen Euro Wagniskapital in kürzester Zeit von Investoren gepusht. Heute bezeichnet sich das Unternehmen selbst als Europas größtes Online-Reisebüro. Das imponiert dem Osnabrücker wenig. Ich brauche keine 100 Millionen Euro Schulden″, sagt Werner Steinemann über den Konkurrenten.

In seiner langjährigen Erfahrung und Schiffskenntnis sieht er seinen Marktvorteil. Ich habe die besten Verbindungen zu den alten Reedereien″, sagt Steinemann. Sie würden ihm unter anderem große Kabinenkontingente geben ohne Garantieabnahme, Bankbürgschaft und Vorausbezahlung. Bei 20-jähriger Zusammenarbeit ist das Vertrauen da. Das kann sonst kaum ein Reisebüro leisten. Wir kennen die Reiseziele und haben gut ausgebildete Reiseverkehrsfachleute, die mit den Schiffen vertraut sind.″

Kreuzfahrtreisen waren jedoch nicht immer die Haupteinnahmequelle des Osnabrückers. Während der großen Boom-Zeit in den 1980er-Jahren vermittelte der gelernte Bankkaufmann Immobilien in Marbella. Zusätzlich fing er an, Flugtickets nach Spanien für seine Kunden zu verkaufen. Dazu gründete er 1987 sein erstes Reisebüro. Später kaufte er das Osnabrücker Reisebüro Astoria. Dann kam 1996 der Eintritt von Aida in den deutschen Kreuzfahrtmarkt, und Steinemann lernte bei der ersten Überfahrt nach Palma de Mallorca den Gründer der Kussmundflotte, Horst Rahe, kennen.

Diese erste Fahrt und das Treffen mit Rahe gaben für Steinemann den Anstoß, sich auf den Vertrieb von Kreuzfahrtreisen zu spezialisieren. Bis heute setzt er auf die Rostocker Reederei, die mittlerweile dem amerikanischen Carnival-Konzern gehört. Mit deren Schiffsreisen macht er allein 20 Millionen Euro Umsatz. Nicht ohne Stolz sagt Steinemann: Wir sind Deutschlands größter Aida-Händler.″

Als volumenstarker Absatzkanal gelte Astoria aber auch bei anderen Reedereien. Wenn eine beispielsweise erst 200 Gäste auf einem Schiff hat, aber 2000 braucht, können wir innerhalb kürzester Zeit reagieren, unsere Kunden anschreiben oder neue Angebote in der Kreuzfahrtzeitung drucken.″

Während sich sein Geschäftsführer um das Tagesgeschäft kümmert, kann sich Steinemann neben der Kontaktpflege auch seinen Unternehmungen am Dümmer widmen, wo er mittlerweile die meiste Zeit verbringt. Vom geplanten Beachclub am Seeufer läuft er nur wenige Schritte zum Hotel Seeblick″, das er Ende 2015 für 1, 05 Millionen Euro gekauft hat. Eine weitere Baustelle des Reiseunternehmers. Schon eine Million Euro hat er hineingesteckt.

Es ist sein zweites Hotelprojekt an dem See im Landkreis Diepholz, nachdem er vor vier Jahren das fußläufig entfernte Hotel Seeschlösschen″ mit 27 Zimmern erwarb, kernsanierte und dort zusammen mit seiner Frau Sonia ein gehobenes Restaurant einrichtete. Steinemann sieht sich aber nicht als Hotelier, sondern möchte Objekte entdecken, entwickeln und dann Leute finden, die sich um Gastronomie und Hotel kümmern. Eine Immobilie am See funktioniere immer. Lage, Lage, Lage″ sagt er über seine Errungenschaften.

Der Dümmer ist für ihn im Übrigen nicht irgendein See, sondern seine Heimat. Als kleiner Junge fuhr er dort Schlittschuh. Geboren wurde Werner Steinemann im 30 Kilometer entfernten Kurort Bad Essen, aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf in der Nähe. Mit 20 zog er nach Hamburg. Davon zeugt noch sein hanseatisches Auftreten mit Blazer, Goldknöpfen und rosa kariertem Hemd. Später ging es nach Sylt, Spanien und in die Welt der exotischen Reiseziele.

Das Unternehmerische liegt in der Familie. Sein Onkel Andreas Steinemann führt die Steinemann-Gruppe, eine Versandschlachterei im Oldenburger Land. Mit 266 Millionen Euro Umsatz liegt sie auf Platz 900 der größten Familienunternehmen Deutschlands. Der Metro-Chef Jürgen Steinemann ist sein Cousin.

Für seine Heimat hat Werner Steinemann große Pläne: Ich wünsche mir, dass der Dümmer wieder so belebt wird, wie er einmal war.″ Vor 30 Jahren habe der Tourismus geboomt, erzählt der 65-Jährige. Man hat hier Winterschlaf gehalten, nicht mit der Zeit mitgehalten und in die Sanierung der Objekte investiert.″ Die Gemeinden am Dümmer haben sich seiner Ansicht nach auch nicht richtig gekümmert und aktiv nach Investoren gesucht. Schlimmer noch: Gemeinde und Tourismusverband würden ihm Steine in den Weg legen, ihn nicht unterstützen. Er gegen den Rest am Dümmer, so sieht Steinemann das. Ich habe viele Neider″, sagt er.

So habe er zum Beispiel eine Bühne auf dem See bauen wollen. Aber die Behörde habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und als die Gemeinde Schlamm aus dem Dümmer baggerte, hätte sie seinen kleinen Hafen nicht berücksichtigt. Auch mit der Vermarktung des Dümmers ist er nicht zufrieden. Die Marketingbemühungen des lokalen Tourismusverbandes hält Steinemann für nicht ausreichend und will eine eigene Dümmerzeitung herausgeben.

Der Tourismusverband Dümmersee lobt das Engagement des Privatinvestors. Seine Vorwürfe hält er aber für unbegründet. Wir sind nicht Sylt oder Sankt Moritz″, heißt es vom Verband im Hinblick auf die Erwartungen Steinemanns. Und nicht ohne Skepsis blickt man auf die vielen offenen Baustellen des Hotelbesitzers. Es sei schade, dass das Hotel Seeblick immer noch nicht fertig sei. Wir können nur mit Hotels bei Touristen punkten, die auch zugänglich sind″, heißt es.

Mancher Anwohner am See raunt angesichts von Steinemanns Immobilienshopping: Der kauft ja alles auf.″ Andere sagen: Der baut Luftschlösser.″ Auch in Bad Essen hat der Osnabrücker das Waldhotel gekauft, passiert ist aber nichts. Es steht weiterhin leer, wurde bisher nicht saniert. Große Hoffnungen hatte man im Kurort auch in Steinemann gesetzt, als dieser den großen Speicher am Hafen erworben hatte, um darin Luxusapartments und Geschäfte zu bauen. Doch dann überraschte er die Gemeinde, indem er das Objekt plötzlich wieder zurückgab. Es hätte ein Fass ohne Boden werden können mit zehn Millionen Euro Investment oder mehr, sagt der Unternehmer heute. Ein Altbau ist immer risikobehaftet″, so Steinemann, der sich nun mehr auf seine Pläne am Dümmer konzentrieren will.

Und diese Pläne kosten Geld. Dafür nutzt er seine Gewinne aus dem Reisebüro. Profitieren dürfte er wie seine Konkurrenz vom anhaltenden Boom der Kreuzfahrtbranche. In Deutschland wächst das Segment mit Schiffen und Angeboten seit Jahren schneller als der übrige Tourismusmarkt. Die Passagierzahlen bei Hochseekreuzfahrten nahmen laut Deutschem Reiseverband um 8, 4 Prozent zu. Der Anteil der Hochsee- und Flusskreuzfahrten am gesamten Veranstaltermarkt liegt bei rund 13 Prozent etwa bei drei Milliarden Euro. Und es gibt viele Wiederholer. Von zehn Kreuzfahrern gehen acht wieder aufs Schiff″, berichtet Steinemann aus Erfahrung. Darunter sind auch wohlhabenden Gäste, die im Jahr 250 000 Euro für Kreuzfahrten ausgeben.

Bildtexte:
Blick in die Ferne: Nahe dem Dümmer ist der Unternehmer Werner Steinemann aufgewachsen. Seiner alten Heimat will er durch seine Investitionen zu neuem Glanz verhelfen.
Das Hotel Seeblick″ in Lembruch hat Werner Steinemann schon 2015 für gut eine Million Euro gekauft. Aktuell ist hier noch eine Baustelle. Nach dem Hotel Seeschlösschen″ ist es das zweite Hotelprojekt des Osnabrückers.
Fotos:
Swaantje Hehmann
Autor:
Claudia Scholz


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