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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
Die meisten Autos sind zu schnell
Zwischenüberschrift:
Ergebnisse der Messungen an der Martinistraße liegen vor
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Nach der Debatte um einen Blitzer für die Martinistraße hat ein extern beauftragtes Büro gefahrene Geschwindigkeiten an der Martinistraße gemessen. Nun liegen die Ergebnisse vor zumindest weitgehend: Eine Messplatte samt der Daten hatten Unbekannte aus dem Asphalt gestohlen.

Osnabrück Das beauftragte Büro hatte an zwei Stellen rund um die Uhr gemessen: vom 20. bis 26. Juni auf Höhe der Hausnummer 27 sowie vom 3. bis 9. September auf Höhe der Nummer 74. Dazu hatte es Platten in den Asphalt verlegt, die die Anzahl der Fahrzeuge sowie deren Geschwindigkeiten maßen. Die Ergebnisse liegen unserer Redaktion vor.

Sie zeigen: Die meisten Fahrer sind auf der Ein- und Ausfallstraße zu schnell unterwegs. Dort komme es täglich zu jeder Zeit zu Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten″, sagt Gerhard Meyering, Sprecher der Stadt, auf Anfrage unserer Redaktion. Der sogenannte V85-Wert werde aber zumeist nur moderat überschritten. Dieser Wert ist eine übliche Kennzahl der Verkehrssicherheit und gibt das Tempo an, das 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge nicht überschreiten.

An der Martinistraße beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 50 km/ h. Das ist exakt der gemessene V85-Wert auf Höhe der Hausnummer 27 stadteinwärts in der Woche vom 20. bis 26. Juni. Bedeutet: In diesem Zeitraum waren 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge maximal 50 km/ h schnell. 15 Prozent waren schneller. 2, 19 Prozent der Fahrer waren vorwerfbar zu schnell″, heißt es in der Auswertung. Anders: Ihr Tempo habe abzüglich der Toleranz mit mindestens 59 km/ h im Bereich einer Ordnungswidrigkeit gelegen, erklärt Meyering.

In den beiden Messwochen waren je nach Ort, Fahrtrichtung und Spur 2, 19 bis 9, 97 Prozent der Fahrer mit 59 oder mehr km/ h auf der Martinistraße unterwegs.

Allerdings maßen die Platten auch zahlreiche Fahrzeuge, die zwar zu schnell unterwegs gewesen waren, aber nicht im Bereich einer Ordnungswidrigkeit. Einmal betrug der V85-Wert 55 km/ h, zwei weitere Male 56 km/ h. In der Woche vom 3. bis 9. September lag er stadtauswärts auf Höhe der Hausnummer 74 bei 58 km/ h. Folglich fuhren 85 Prozent der gemessenen Fahrzeuge bis zu 58 km/ h. Zweimal betrug der Wert exakt 50 km/ h, einmal 47 km/ h.

Werte zu auf der Straße maximal erreichten Geschwindigkeiten, insbesondere bei Nacht, liegen unserer Redaktion nicht vor und waren auch auf Nachfrage nicht zu erhalten.

Die Zahlen zeigen zudem: Auf der Straße ist viel los. In der Messwoche im Juni fuhren insgesamt 64617 Fahrzeuge stadteinwärts und 62655 stadtauswärts 127272 in der Summe. Das ergibt durchschnittlich rund 18182 Fahrzeuge pro Tag.

In der zweiten Woche wurden 61423 Fahrzeuge stadteinwärts und 75976 stadtauswärts gezählt. Insgesamt waren es 137399 Fahrzeuge und durchschnittlich 19628 pro Tag. Allerdings habe die Messung im September nicht zu einem vollständigen Bild geführt, sagt Stadtsprecher Meyering. Eine der vier Messplatten, die das beauftragte Büro auf der Straße montiert hat, wurde gestohlen″ samt der darauf gespeicherten Daten.

Lange Vorgeschichte

Warum hatte die Stadt überhaupt messen lassen? Es ist Osnabrücks unendliche Geschichte hier noch mal kurz zusammengefasst: Im Juni 2016 erfasst ein Mann mit seinem Sportwagen eine Radfahrerin, sie wird lebensgefährlich verletzt. Schon kurz darauf beschließt der Rat der Stadt Osnabrück einen Blitzer. Erst danach stellt sich heraus: Der Unfallfahrer war nicht wesentlich zu schnell und die Radfahrerin betrunken gewesen, und sie hatte unter Drogeneinfluss gestanden. Die Stadt misst daraufhin selbst an der Straße und stellt fest: Dort wird kaum gerast. Allerdings hatte sie nur zwischen 7 und 20 Uhr gemessen.

Der Verwaltungsausschuss hebt die Ausschreibung und Vergabe des Blitzers auf. Daraufhin beauftragt die Verwaltung ein externes Büro, um zu prüfen, ob ein Blitzer überhaupt notwendig ist.

Weiterhin gibt es einen gültigen Ratsbeschluss zur Installation eines Blitzers an der Martinistraße. Ursprünglich sollte er noch vor der Sommerpause wieder Thema im Rat werden. Für die Messungen durch das externe Büro hatte die Verwaltung 6140, 40 Euro kalkuliert.

Nötig waren übrigens drei Messungen: Das beauftragte Büro hatte nach Angaben der Stadt Probleme mit der Durchführung und maß im ersten Durchgang falsch. Auch beim zweiten Durchgang hatte es Probleme gegeben.

Bildtext:
Dichter Verkehr auf der Martinistraße weiterhin ist unklar, ob der vom Rat beschlossene Blitzer kommt.
Foto:
Archiv/ Gründel

Der V85-Wert

Wenn eine Geschwindigkeitsmessung vorgenommen wird, erhält man eine große Zahl von Messwerten, oft mehrereTausend. Aus diesen umfangreichen Daten muss nun eine griffige Zahl ermittelt werden, um das Geschwindigkeitsniveau zu beurteilen. Dazu ist die 85-Prozent- Geschwindigkeit″ einer Straße aufschlussreich, erklärt der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Verkehrsingenieure verwenden diese Kennzahl als die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der erfassten Fahrer eingehalten und von 15 Prozent überschritten wird. Man lässt die sehr schnellen Fahrer außer Betracht und hat so einen praktisch gut nutzbaren Indikator. Die 85-Prozent-Geschwindigkeit einer Straße sollte unterhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegen. Falls nicht, wird das Tempolimit von mehr als jedem siebten Fahrer überschritten dem VCD zufolge ein Sicherheitsmangel, den die Kommune beheben sollte.
Autor:
Jörg Sanders


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